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Text: Charlotte Meier  

Charlotte Meier hat 2012 ihr Abitur gemacht und studiert nun Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster. Nach einem achtjährigen Aufenthalt in den USA hat sie sich als freiberufliche Übersetzerin neben der Schule selbstständig gemacht. Nach dem Studium möchte sie in der PR im Non-Profit-Bereich tätig werden.

 
   
 

 

 

 

„Frau Meier, Sie wurden katholisch erzogen, haben eine katholische Privatschule in den USA besucht und sind dann als Teenager aus der Kirche ausgetreten. Was waren Ihre Beweggründe? Wie haben Sie das 'Katholischsein' erlebt? Und wie beurteilen Sie das öffentliche Wirken von Papst Franziskus? Fühlen Sie sich als junge, ehemalige Katholikin von seinem Tun angesprochen?“

Als es soweit war, ist mir die Entscheidung aus der Kirche auszutreten leicht gefallen. Ich wurde katholisch erzogen, wurde getauft, bin zur Kommunion gegangen und habe mich auch firmen lassen. Ich habe das "Katholischsein" sehr lange als etwas sehr positives empfunden. Ich war umgeben von Menschen, die dasselbe glaubten wie ich und mich in meinem Glauben bestätigt haben. Ich war stets umgeben von dem Glauben, so sehr, dass ich ihn als einzige Realität wahrgenommen habe. Irgendwann habe ich angefangen diese Realität zu hinterfragen. Warum glaube ich? Weil ich es nicht anders kenne. Und das hat mir als Begründung nicht mehr gereicht.

Ich habe mich selbst informiert über andere Lebensentwürfe, über andere Glaubensrichtungen, über die Naturwissenschaft. Ich habe die Bibel kritisch hinterfragt, sowie das, was ich im Religionsunterricht gelernt habe. Je mehr ich gelernt habe, desto haltloserschien mir der Glauben. Der Glauben allein hat nicht gereicht, ich wollte Beweise. Ich habe es nicht eingesehen, mein Leben nach etwas zu richten, das es vielleicht gar nicht gibt. Zudem hat meine Meinung immer weniger mit dem übereingestimmt, was die Kirche vorgeschrieben hat. Homosexualität ist für mich keine Sünde, Abtreibung die Wahl der Frau und Sex nicht nur zur Fortpflanzung da.

Irgendwann habe ich mich sehr unwohl in der Kirche gefühlt und erkannt, dass es daran gelegen hat, dass ich nicht mehr an Gott geglaubt habe. Es ist mir nicht leicht gefallen, das was ich ein Leben lang für wahr gehalten habe, komplett hinter mir zu lassen, jedoch hat es für mich eine riesige Erleichterung dargestellt. Ich habe mich plötzlich frei von dem Zwang, mein Leben nach einem vorgeschriebenen Glauben zu richten, gefühlt. Ich kann seitdem selbst entscheiden, was richtig und falsch ist und was mich glücklich macht, frei von religiösen Vorschriften.

Obwohl Papst Franziskus als moderner, weltoffener Papst angepriesen wird, ist er nichtsdestotrotz Oberhaupt einer archaischen Institution, die nicht in unsere moderne Gesellschaft passt. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er fortschrittlich, jedoch nicht im Vergleich zum Rest der Welt. Ich begrüße die Schritte die er unternimmt, um die Kirche dem Wandel der Zeit anzupassen, wie zum Beispiel durch die Anerkennung der Evolutionstheorie. Als Mensch scheint er jemand zu sein, der wirklich versucht, die Ideale Jesu Christi zu lehren und zu leben, was ich als sehr positiv empfinde. Ich hoffe er wird auch in Zukunft weiterhin bemüht sein, die Religion mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu vereinbaren. Nur so, glaube ich, hat die Kirche in unserer heutigen Welt noch Überlebenschancen.

 

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