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Foto: © L'Osservatore Romano

Im Interview:
Prof. Dr. Michael Sievernich SJ

 

 
   

 

Prof. Dr. Michael Sievernich SJ
Professor em. für Pastoraltheologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Honorarprofessor an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt Main.
Geb. 1945, Abitur in Köln, seit 1965 Jesuit, Studien in München (Lic. phil.), Frankfurt (Dipl.-Theol.), Münster (Dr. theol.) und Frankfurt (Habilitation). 1986 Prof. für Pastoraltheologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, 1996-2000 deren Rektor; 2002 Prof. Für Pastoraltheologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Johannes Gutenberg Universität Mainz, 2007-2008 Dekan der Fakultät. Studienaufenthalte in Nord- und Südamerika. Gastprofessuren in Argentinien und Mexiko.

 
   

 

 

nah/fern: Die mediale Wirkung von Papst Franziskus

Das „Medienphänomen Franziskus“  –  woher kommt die enorme Faszination des argentinischen Papstes?

Die Faszination ist in der Tat weltweit zu spüren, sowohl in den christlich geprägten Ländern als auch in anderen Ländern, in denen Katholiken eine kleine Minderheit sind. Sie betrifft einfache Leute, Politiker, Journalisten jeglicher Couleur, Wohlhabende und Verantwortungsträger.... Meiner Auffassung nach gibt es eine Reihe von Gründen, deren Mischung die Faszination ausmacht:
* Das Papsttum, in dem die globale katholische Kirche eine sichtbare Einheit findet, die zugleich eine spirituelle und moralische Welt-Autorität darstellt.
* Die  charismatischen Persönlichkeit (im Sinn des Weberschen Charismas), die durch ihre Performance (Gestik, Mimik, Sprache, Kleidung), ihre Programmatik (Innerkirchlich: Evangelii gaudium; Evangelisierung. Global: Laudato sí; Sorge für das gemeinsame Haus) und ihre kraftvolle Führung überzeugt.
* Die Reformbemühungen dieses Papstes, der in klarer konziliarer Linie die inneren und äußeren Reformen der römischen Kurie angeht, die schon lange ein Desiderat in der Kirche darstellen.
* Seine Welt-Agenda, die auch viele Nichtkatholiken überzeugt, da er zentrale spirituelle und ethische Grundfragen unserer Zeit auf die Tagesordnung setzt wie die Armen, die Flüchtlinge (erste Papstreise nach Lampedusa), die ökologische Frage, die Probleme von Ehe und Familie.  
  
Wie würden Sie die mediale Wirkung von Papst Franziskus beschreiben?

Die mediale Wirkung ergibt sich vor allem aufgrund des neuen Stils, den der Papst im persönlichen Umgang mit den Leuten an den Tag legt (Proximität) und  in der papalen Abrüstung (Kleidung, Auto, Wohnung), die zusammen mit der genannten Programmatik sine Glaubwürdigkeit ausmacht, nachdem der Vatikan aufgrund der Skandale lange schlechte Schlagzeilen produziert hatte.  Zum Aufatmen des Volkes Gottes kommt auch ein mediales Aufatmen.

Die Sprache des Papstes ist dazu geeignet, die Aufmerksamkeit eines Publikums zu gewinnen. So klar hat noch kein Papst gesprochen. Franziskus Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, charakterisierte das päpstliche Vokabular als „kommunikatives Tauwetter“.

Da kann man dem Kardinalstaatssekretär nur zustimmen. Wohl nie zuvor hatte eine päpstliche Enzyklika wie “Laudato sí” (2015) vor und nach ihrem Erscheinen so viel Staub aufgewirbelt und so viel Interesse erregt.  Vor allem weckt die nicht gestanzte und einfache Sprache des Papstes Aufmerksamkeit. Sie ist auf ihre Weise “gelehrt”, da sie nicht doktrinär, sondern sapiential, weisheitlich  daherkommt. Kardinal Parolín nennt übrigens als vier Leitwörter päpstlicher Kommunikation: Zärtlichkeit, Barmherzigkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit.

Inwiefern spricht aus den Worten des Papstes auch die jesuitische Spiritualität?

Das Sprechen und Handeln von Papst Franziskus, dem ehemaligen Jesuitenpater Jorge Mario Bergoglio, ist ganz und gar von ignatianischer und jesuitischer Spiritualität geprägt, wie auch sein Wappen das Emblem der Gesellschaft Jesu trägt. Die spirituellen Quellen sind der “Bericht des Pilgers”, eine Art mystische Autobiographie des Ignatius von Loyola (Wiesbaden 2006), die Exerzitien, die Geistlichen Übungen, aber auch die Satzungen des Ordens und gegenwärtige programmatische Schriften. Als Stichworte können gelten: Unterscheidung der Geister, Selbsterkenntnis des Subjekts vor Gott, Gott finden in allen Dingen, Beratung und Entscheidung, Vorrang mystischer gegenüber asketischer Tradition, Dienst am Wort, am Sakrament und an den Werken der Barmherzigkeit.

Mit Papst Franziskus wurde erstmals ein Jesuit zum Papst gewählt. Was bedeutet das für die katholische Kirche und ihre Gläubigen?

Jesuiten sind eigentlich dazu da, dem Papst zu gehorchen, sie legen sogar ein eigenes Gelübde des Papstgehorsam hinsichtlich seiner Aufträge (missiones) ab. Daher ist ein Jesuit als Papst so überraschend. Er wird die weltweiten Möglichkeiten des Ordens für die Kirche nutzen, aber ebenso sicher keine Sonderrolle oder gar Privilegien einräumen, da er angetreten ist, diese Übel in der Kirche zu verhindern. Es ist gut, dass der Papst gut international vernetzt ist und nicht auf bestimmte Milieus setzen muss. Der katholischen Kirche wird es helfen, die Ressourcen des Ordens besser zu nutzen, aber auch Vorurteile und Reserven auszuräumen, die man auch in Rom pflegt. 

Den letzten außereuropäischen Papst gab es im Jahr 741.
Warum hat es Ihrer Meinung nach so lange gedauert?

Das ist eine lange Geschichte, die zunächst mit der Ausbreitung des Christentums zu tun hat. In der späten Antike beschränkte die Kirche sich auf das damalige Römische Reich, erst nach dem Untergang Westroms und der Ausbildung neuer germanischer Reiche (Westgoten, Ostgoten, Franken...) weitete sich im Mittelalter die Ausbreitung des Christentums in den gesamteuropäischen Raum, also nach Norddeutschland, in die skandinavischen Länder Nordeuropas und in die slawischen Osteuropas und auf dem Balkan. Am Ende des Mittelalters waren alle Länder Europas christianisiert, erst dann begann in der Frühen Neuzeit von diesem Europa aus, welches das Evangelium empfangen hatten, die umgekehrte Bewegung der Mission von Europa nach Amerika und nach Asien, nach Afrika im großen Stil erst im 19. Jahrhundert. So verstand sich Europa und darin Rom lange Zeit als das Zentrum, bis im Zweiten Vatikanischen Konzil die Kirche sich als Weltkirche verstand, die in allen Kulturen verwurzelt ist. Die zwei letzten Päpste kamen nicht mehr aus Italien, sondern aus Polen und Deutschland, aber noch immer aus Europa.  Erst jetzt schien die Zeit reif, dass aus allen Kontinenten Päpste kommen können. Mit Lateinamerika fing es an. Wir haben also spannende Zeit vor uns.
 
Übermächtig war im Kardinalskollegium der Unmut von Selbstherrlichkeit und Missbrauch  der römischen Kurie.
Glauben Sie , dass der Jesuit Jorge Mario Bergoglio  darum vor drei Jahren zum Papst gewählt wurde?

Warum Kardinal Bergoglio zum Papst gewählt wurde? Mir scheint es an erster Stelle das Wirken des Heiligen Geistes gewesen zu sein, dessen Inspiration die Kardinäle bewegt hat, einen Kandidaten zu finden, der die Herausforderungen der Zeit sah und die Kraft haben würde sie annehmen. Dass er nicht auf den Listen der Vatikanisten stand, scheint mir dafür zu sprechen, ebenso die voreilig, aber irrig verbreitete Nachricht von der Wahl eines italienischen Kandidaten. Eine positive Rolle spielten sicher der Reformdruck in der Kurie, die Serien der Skandale, man denke an die Vatikanbank und die Vatileaks, der Abschied vom höfischen Stil und der Wunsch nach einer kraftvollen Figur, die diesen Aufgaben der Regierung und der Reform mit guter Urteilskraft gewachsen war. Ein wichtiger Impuls war seine kurze Rede im Vorkonklave, als er von der Evangelisierung als Hauptaufgabe sprach, vom Ende der Autoreferenzialität der Kirche und vom Hingehen an die Peripherien (Text in: Papst Franziskus, Und jetzt gehen wir diesen Weg, Freiburg 2013).  Nicht zuletzt dürfte vielen Kardinälen in Erinnerung geblieben sein, dass Bergoglio schon im Konklave 2005 viele Stimmen auf sich hatte vereinen können, damals aber zugunsten Ratzingers verzichtete.

Wie beeinflusst das Herkunftsland  Argentinien das heutige Auftreten und Handeln von Papst Franziskus?

Papst Franziskus ist in seinem Herkunftsland und -kontinent stark verwurzelt, vor allem aber in seiner Heimatstadt Buenos Aires. Er ist “porteño”, wie man die Bewohner der Hauptstadt nennt. Dort kennt er die “barrios populares”, Armenviertel der Stadt, die Politik, die Kultur, den Fußball und den Tango. Er kennt die Literatur des Landes, vom Gaucho-Epos Martín Fierro bis zu Borges’ Kurzgeschichten. Verhaltensweisen (Mate-Tee), Umgangssprache und sprachlicher Lokalkolorit (Lunfardo) sind ihm vertraut. All das prägt auch sein Auftreten. Natürlich beachtet er, was er seinem Amt und der Diplomatie schuldet, doch protokollarischen Zwängen ist er abhold. Kurzum, wir haben einen lateinamerikanisch-argentinisch geprägten Papst, dem sein Vaterland (patria) lieb und teuer ist.

Sie sind Jorge Bergoglio Mitte der 80er Jahre mehrmals begegnet und waren dessen Mentor. Was hat Sie besonders beeindruckt?
Was ist Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben?

Ich erinnere mich gut an verschiedenen Begegnungen mit ihm, während eines internationalen Kongresses an der Hochschule in San Miguel (Buenos Aires), ein Jahr später (1986) an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, wo wir über das Projekt einer Arbeit über Guardini sprachen, später nochmals im argentinischen Córdoba, wo er im “Exil” war. Erlebt habe ich den Oberen als kraftvollen und strengen Jesuiten und den freundlichen und kommunikativen Pater Bergoglio im Sabbatjahr, der an Deutschland, seiner Sprache und Geistigkeit interessiert war. Als Erzbischof hatte ich keinen Kontakt mit ihm, verfolgte aber im Rahmen meines historischen und gegenwärtigen Interesses an Lateinamerika auch seine Spur. Ein Buch von ihm, das er mir zum Abschied von Frankfurt schenkte, bewahre ich als Erinnerung bis heute.

Man hört häufig, dass Papst Franziskus weder Allüren noch Attitüden besitzt. Können Sie dies bestätigen? Wie reagiert Ihrer Meinung nach sein direktes Umfeld auf ihn?

Da ich nicht in seinem direkten Umfeld lebe, sondern Reaktionen nur vom Hörensagen oder aus den Medien kenne, kann ich darüber nichts Genaues sagen. Sicher aber ist, dass sein Umfeld unterschiedlich reagiert, die einen positiv und erleichtert, andere dagegen kritisch und eher abweisend. Bei einer so großen Institution wie dem Vatikan ist das allerdings nicht verwunderlich, da sehr konservative und sehr offene Kräfte aufeinanderstoßen. Soweit ich das beurteilen kann, versucht Papst Franziskus, auseinanderstrebende Kräfte nicht auszuspielen, sondern möglichst zu integrieren, versteht es aber auch, Illoyalitäten Grenzen zu setzen.

Wenn Sie Franziskus mit drei Worten beschreiben müssten –
welche Worte wären es?

Es wären die drei Worte: Charisma, Spiritualität, Kirchlichkeit.

Sie waren selbst mehrmals und über längere Zeiträume in Lateinamerika. Wie haben Sie die katholische Kirche  wahrgenommen? Wie ist das Leben in den dortigen Gemeinden? Und was kann sich die europäische Kirche von der südamerikanischen abschauen?

Die Katholische Kirche in den beiden Amerikas umfasst annähernd die Hälfte aller Katholiken, der Kontinent ist in der Kirche Schwergewicht. Lateinamerika (Südamerika, Mesoamerika und Karibik) gilt als “katholischer Kontinent”, doch in den letzten Jahrzehnten wächst die Zahl der Katholiken zwar, doch ihr prozentualer Anteil geht zurück, weil Pentekostale (Pfingstler) und andere religiöse Gruppen Anteile gewinnen. Die Kirche dort ist im Umbruch und braucht Reformen, um auch in säkularen und indigenen Milieus zu bestehen und an spiritueller und sozialer Attraktivität gewinnen zu können. Beeindruckend waren für mich immer die riesigen Gemeinden, das arme und gläubige Volk, Papst Franziskus spricht vom “pueblo fiel”. Auffallend ist die Kraft der Volksfrömmigkeit, die sich um das Leiden Christi und die Verehrung Marias und der Heiligen formiert, sowie die missionarische Kreativität. Alle können voneinander lernen: Wir von der Glaubenskraft und seiner emotionalen Tiefe, sie vom europäischen Denken und der Organisationskraft.

Welche Auswirkung hat  der „Wirbel“, den Papst Franziskus entfacht, auf die Kirche? Wird das Papsttum und die Kirche durch einen „Reformator vom Ende der Welt“, verändert?

Der päpstliche “lio”, der bei uns einigen Wirbel ausgelöst hat, war keine Aufforderung, Chaos zu stiften, wie einige fürchteten oder unterstellten. Er war einfach die Aufforderung an die Jugendlichen, sich zu bewegen, initiativ zu werden, sich in Kirche und Gesellschaft einzubringen, nicht nur “abzuhängen” und Handys zu haben. Junge Leute brauchen kein Wattebett, sondern handfeste Herausforderungen. Beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro kam diese Botschaft des Papstes an. Sie braucht Zeit, um sich auszuwirken; das geht nicht mit dem Umlegen eines Schalter, sondern nur mit jungen Menschen, die ihr Lebensprojekt in Angriff nehmen.

Es ist Aufgabe des jeweiligen Papstes und der Kirche in der jeweiligen Situation, die Herausforderungen der Gegenwart (“Zeichen der Zeit”) wahrzunehmen und mit ihren geistlichen Mitteln Antworten zu geben, die nicht zu allen Zeiten und an allen Orten dieselben sind und sein müssen.  Reform und Veränderung sind Grundprinzipien einer “ecclesia semper reformanda”, oder sollten etwa die theologalen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe bei Personen und in der Welt nichts verändern?

Das Reformprogramm des Papstes beinhaltet einen mehrfachen Aufbruch (salida) der Kirche, der folgendermaßen zum Ausdruck kommt: (1) eine missionarische Umgestaltung (transformación), (2) eine pastorale Neuausrichtung (conversión), (3) eine kirchliche Erneuerung (renovación) und eine (4) Neuausrichtung des Papsttums (conversión). Dieses Reformprogramm lautet in deutschen Lehnwörtern: Transformation, Konversion, Renovation. (Evangelii gaudium Nr. 27 bis 32). Nicht mehr, aber auch nicht weniger steht auf der Agenda.

Kritiker sagen, dass sich Papst Franziskus in Rom wie ein Elefant im Porzellanladen bewegt. Haben die Kritiker recht?

Den Kritikern würde ich zwei Fragen nach der falschen Metapher stellen: Wieso Elefant, ist der Papst ein unvernüftiges Tier? Wieso Porzellanladen, verkauft der Vatikan Geschirr, womögliches teures von KPM und so?

Sachlich formuliert geht es tatsächlich darum, dass im Vatikan einiges aufzuräumen war, von den unsauberen Machenschaften in der Vatikanbank bis zum Skandal von Vatileaks, bei dem der Heilige Vater in seinem eigenen Arbeitszimmer bestohlen wurde.... Wer hier und anderswo aufräumt, stört natürlich die bisherigen korrupten Kreise, die ja im eigenen Interesse keine Aufdeckung wollen. Da Johannes Paul II. in seiner Endphase und Benedikt XVI. nicht mehr die nötige Führungskraft hatten, hier im Interesse der Kirche für Ordnung zu sorgen, konnte es dazu kommen, dass der Vatikan ein negatives Image bekam und seine Dienstleistungsaufgabe für die Weltkirche in den Hintergrund gedrängt wurde.

Es gibt Konflikte zwischen unterschiedlichen Lagern in der katholischen Kirche. Wird Franziskus seiner Rolle als Wahrer der Einheit gerecht? Oder wird er bei der Synode im Oktober mit seinem „Barmherzigkeits-Leitwort“ da stehen wie ein Kaiser
ohne Kleider?

Verschiedene Auffassungen hat es in der Kirche immer gegeben. Das wird erst problematisch, wenn sie sich unversöhnlich in Lagern gegenüberstehen oder  zu Diskreditierung, Feindschaft, Spaltung führen. Dem Papst kommt als vornehmste Aufgabe zu, in Ausübungen des Petrusamtes für die Einheit der Kirche Sorge zu tragen, was bei 1,2 Milliarden Katholiken in allen Kulturen sicher ein Kunststück ist. Das kann er gewiss nicht mit disziplinären Mitteln gewährleisten, sondern nur durch seinen “Vorsitz in der Liebe”.  Mir scheint, dass ihm dieses Kunststück bisher gut gelungen ist.

Was die Synode im Herbst 2015 bringt, wird man abwarten müssen, und sollte keine Spekulationen ins Kraut schießen lassen.  Ich bin aber sicher, dass die Synode wichtige Inhalte der kirchlichen Lehre wie die Barmherzigkeit zum Sprechen bringen wird. Allerdings haben sehr viele in Deutschland Erwartungen, die sich nur um etwa zwei bis drei Fragen drehen, die alle mit Sexualität zu tun haben. Diese Engführung werden die Synodenteilnehmer vor allem aus Asien und Afrika aufsprengen und ihre Fragen ins Spiel bringen, die sich auch um andere Fragen drehen, wie soziale Bedrohung von Ehe und Familie, Würde der Frau, Wohl der Kinder und der Alten.

Wenn man drei Jahre nach der Wahl zum Papst fragt, was Franziskus in seinem Pontifikat bisher erreicht hat und welche Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen geweckt wurden, wie fällt Ihre Antwort aus?

Sicher, Papst Franziskus hat viele Hoffnungen und Erwartungen geweckt, aber es wäre ein Irrtum, ihn nun zur Projektionsfläche unserer Wünsche, ob erfüllbar oder nicht, zu machen. Er tut strukturell und pastoral, was in seiner Macht steht. Aber der Papst ist völlig machtlos, wenn er es allein tun müsste und die Katholiken nicht inspirieren könnte,  gemeinsam Kirche Jesu Christi zu sein. Das Wichtigste bei den Reformen sind zunächst die einzelnen, die mit der Reform, also der Bekehrung und Konversion bei sich selbst anfangen. Vor der Evangelisierung steht die Selbstevangelisierung. Davon war in den jüngsten Reformpapieren in Deutschland so gut wie nichts zu lesen, immer nur wurde gefordert, was die anderen, vor allem Papst und Bischöfe tun sollen. Reform und Wandel wird es nur geben, wenn alle sie auf ihre persönliche Agenda schreiben und danach handeln, wenn jeder und jede sich im Maß ihrer Möglichkeiten einbringen würde.  Das wäre der Aufbruch, den die Kirche braucht.

 

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