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Text: Christian Tembrink
 

Der studierte Betriebswirt Christian Tembrink (christiantembrink.de) hat sich bereits zu Studienzeiten intensiv mit den Themen Käuferverhalten und Entscheidungsbildung im Marketing beschäftigt. Nach fünf Jahren als E-Commerce-Projektleiter bei der Yello Strom GmbH machte er sich mit der Online-Marketing-Agentur www.netspirits.de selbstständig. Heute berät er mit 21-köpfigem Expertenteam Unternehmen wie RTL, die Deutsche Welle oder auch den TÜV Rheinland dabei, wie Erfolge online gesteigert werden können.

 
   
 

 

 

 

„Herr Tembrink, Sie sind Geschäftsführer der Agentur netspirits und zuständig für Strategie-Entwicklungen von Online-Video-Marketing-Kampagnen. Welche Vorteile hat YouTube a) aus Rezipienten-Sicht und b) aus Werber-Sicht? Und wie könnte Ihrer Meinung nach Kirche wohl einen Channel sinnvoll nutzen?“

Der Vorteil für die Nutzer ist, dass YouTube kostenlos eine gigantische Auswahl an Film- und Video Inhalten anbietet. Mit mehr als einer Milliarde monatlichen Zugriffen und der größten Video-Datenbank der Welt ist YouTube bereits zur zweitgrößten Suchmaschine der Welt geworden. Und genau hierin liegt eine Besonderheit für die Nutzer: YouTube ist Video Plattform, soziales Netzwerk und Suche in einem.
Ganz praktisch heißt das: Ich als Zuschauer habe z.B. mit einem Smart Phone, Tablet oder einem Google Chromecast mit YouTube eine Alternative zum klassischen linearen TV Programm. Ich kann auf YouTube genau das sehen, was mir gefällt und das egal wann und so oft ich möchte. Zudem lernt YouTube, was mir als Zuschauer gefällt und was nicht.

Wussten Sie z.B., was YouTube von Ihnen analysiert, um ein perfekt auf Ihre Vorlieben abgestimmtes  Programm zusammenzustellen? Dieses startet derzeit (noch) nicht von alleine – allerdings ist diese Funktion für Google Chromecast-Nutzer bereits aktiv… Damit bietet YouTube neben dem sogenannten „Lean Forward“ Modell (ich muss aktiv Videos starten) auch ein „Lean Back“ Modell an, bei dem ein dauerhaftes Programm ganz ohne mein Zu-tun abläuft.  Hier die wichtigsten Datenquellen die jetzt schon von jedem Nutzer für die zukünftige Programmindividualisierung gesammelt werden:

  1. YouTube lernt, was ihnen gefällt anhand ihrer Google Suchanfragen und Ihres Nutzerverhaltens auf Google (worauf klicken Sie? Wo verweilen Sie lange, wo nur kurz?)
  2. Auch das Verhalten im echten Leben spielt für die Zusammenstellung Ihres YouTube Programmes eine Rolle: Denn je nachdem wo ich über mein (Android = Google) Handy geortet werde, werden mir später in YouTube relevante Filme zu den Orten, wo ich war, vorgeschlagen.
  3. Natürlich ist das Verhalten auf YouTube selbst (YouTube Suchanfragen ebenso wie das Sehverhalten) ein wichtiger Datenpool für YouTube, um ihnen ein noch individuelleres „Programm“ anbieten zu können.
  4. Nicht zuletzt sind Kontakte in sozialen Netzwerken (z.B. Google+) ein weiterer Individualisierungsfaktor für die Videos, die mir YouTube empfiehlt.

Fazit: Das mittelfristige Ziel von YouTube ist, nach einer gewissen „Anlern-Phase“ in der genügend Daten über meine Interessen gesammelt werden, ein perfekt auf meine Interessen zugeschnittenes Programm anzubieten. Dieses „Programm“ läuft von alleine ab und bietet mir authentische Inhalte mit Mehrwert, mit denen ich sogar interagieren kann (Videos teilen, kommentieren, bewerten etc.). Meiner Meinung steht damit eine echte Revolution unseres Fernsehverhaltens bevor. Die Zukunft bringt jedem von uns ein optimales Fernseh-/Online-Video Programm, was ich immer und überall starten und pausieren kann. Das alte Modell eines linearen Fernsehens (bestimmte Sendung nur zu bestimmter Zeit) wird an Reichweite verlieren.

Welche Vorteile hat YouTube aus Werber-Sicht?

Aus Werber-Sicht ist Goldgräber-Stimmung angesagt: Denn YouTube bietet neben der gigantischen Reichweite wahnsinnig genaue Selektionskriterien, nach denen ich quasi streuverlustfrei genau meine Zielgruppe ansprechen kann. Die Ausspielung der Werbung vor Fremdclips (sog. Trueview in Stream Werbung) kann z.B. nach mehreren tausend Zielgruppen-Interessen oder Video Themen erfolgen. Auch die suchbasierte Werbeschaltung auf YouTube ist extrem spannend. Suche ich z.B. nach schönen Hotels auf Mallorca auf YouTube, punktet der Hotelbetreiber, der einen ansprechenden Video-Werbe-Clip ausspielt (diese Werbeform kostet nur etwas, wenn Nutzer auch darauf klicken – also genau so wie in der Google Suche – nur eben mit Videos anstelle von reinen Textanzeigen). Vergleiche der Werbekosten, um einen Kauf auszulösen zwischen Google und YouTube Werbung haben gezeigt, dass bei YouTube z.T. mit einem Bruchteil der Google AdWords Werbebudgets Verkäufe erzielt werden können. Mein Fazit: YouTube Werbung wird in naher Zukunft DIE ALTERNATIVE zu TV Werbung – mit dem feinen Unterschied, dass bereits mit wenigen 100 € Werbung auf YouTube geschaltet werden kann ;-)

Und wie könnte Ihrer Meinung nach Kirche wohl einen Channel sinnvoll nutzen?

Als Katholik habe ich mir bei meiner Arbeit schon oft gedacht, dass die Kirche mittels zeitgemäßer Werbeformen ihr angestaubtes Image leicht neu wiederbeleben kann. Mit einem „Kirchen“ YouTube Kanal könnten die christlichen Werte mediengerecht aufbereitet werden. Dabei ist insbesondere die Interaktions-Möglichkeit auf YouTube hervorzuheben: Die Kirche kann über YouTube erfahren, was die Basis – also die christlichen YouTube Nutzer - interessiert und in einen direkten Dialog eintreten. Dazu bedarf es vorab einer gut durchdachten Zieldefinition: Was genau soll der Kommunikations-Kanal YouTube für die Kirche erreichen – geht es um die Generierung von Neukunden, um Kundenbindung oder PR? Und wie interagiert ein solcher Kanal mit anderen Online Präsenzen der Kirche (Webseiten, Foren und Social Mediapräsenzen). Sind Ziele definiert, gilt es ein klares Video-Konzept aufzustellen: In welchem Format, in welchen Zeitabständen und mit welchen Themenschwerpunkten werden die Videos veröffentlicht? Wie werden die veröffentlichten Videos parallel durch flankierende Maßnahmen (Online PR; Seeding, Blogger-Relations und Native Advertising) zusätzlich im Netzt verbreitet? Mein Fazit hierzu ist: Auch für die Kirche bietet YouTube spannende Kommunikationsmöglichkeiten, die vor allen Dingen den Dialog zwischen Kirche und Menschen auf zeitgerechte Art wiederbeleben können.

 

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