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Text: Ann Kristin Pfeifer  

Ann Kristin Pfeifer, geboren 1987 in Herborn, studiert Archäologie und Geschichte an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Seit 2009 ist sie Mitglied bei BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN und GRÜNE JUGEND RLP. In den Jahren 2009 bis 2011 und 2013 war sie Mitglied im Landesvorstand der GJ RLP und Landesvorstandssprecherin. Seit 2014 ist sie Mitglied im Ortsbeirat Hartenberg/Münchfeld, erste stellvertretende Ortsvorsteherin von Hartenberg/Münchfeld (im Amt) und Kreisvorstandssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Mainz.

 
   
 

 

 

 

„Frau Pfeifer, noch sind Sie Mitglied der evangelischen Kirche, planen jedoch bereits Ihren Austritt aus der Gemeinde. Was sind Ihre Gründe? Und was müsste Kirche tun, damit Sie bleiben?“

Ich bin seit meiner Taufe Mitglied der evangelischen Kirche in Hessen/Nassau. Das kann man sich immer schlecht aussuchen, wenn man als Baby getauft wird, dann kann man kaum widersprechen. Meine persönlichen Erfahrungen mit meiner Heimatgemeinde im Lahn-Dill-Kreis in Hessen waren eigentlich immer positiv. Zum emotionalen Bruch kam es, als der Betreuer unserer Jugendgruppe rausflog, weil er sich als schwul outete.

Was an sich schon mutig war, denn wir kommen aus einem Dorf. Es ist für mich immer noch unverständlich wie der Kirchenvorstand so entscheiden konnte. Meine Familie ist insgesamt christlich geprägt, wobei meine Eltern eher neutral gegenüber der Kirche und der Gemeinde waren. Im weiteren Umfeld meiner Verwandtschaft sah das dann schon anders aus.

Mein eigenes Outing zog viel Enttäuschung nach sich, direkte Angriffe erlebte ich keine, aber der Rückzug meiner Tanten beispielsweise traf mich schon. Heute ist dieses Verhältnis besser geworden, aber die Vorbehalte sind immer noch da.

Diese sogenannten „christlichen Werte“ der Kirchen, der einzelnen Mitglieder, der Parteien, scheinen immer nur so weit zu gehen, wie es der eigene Horizont zulässt. Und die Engstirnigkeit und der Hass, der einem zum Teil von Gläubigen entgegenschlägt macht es mir unmöglich in dieser Kirche zu verbleiben. Die Führung der evangelischen Kirche ist moderat und offen, aber viele ihrer Mitglieder sind es eben nicht.
Dazu kommt, dass ich es als heuchlerisch empfinde Mitglied einer Kirche zu sein, deren Glauben ich nicht teile. Ich bin Atheistin und lesbisch. Demnach kann die Kirche nichts tun, um mich als Mitglied zu behalten. Außer sie löst sich auf. Ich sehe für mich keinen Sinn in Religion, es gibt mir nichts und ich löse meine Probleme lieber selber, als sie auf einen Gott abzuwälzen. Das große soziale Engagement der Landeskirchen, sowohl auf katholischer und evangelischer Seite, erkenne ich natürlich an.

Ich hoffe, dass Religionen immer weniger zu sagen haben in der Politik, im öffentlichen Leben. Wir erleben es jeden Tag was passiert, wenn Menschen sich aufgrund ihres Glaubens radikalisieren und ihre Wahrheit als Einzige gelten lassen. Die Auswirkungen eines radikal christlichen Glaubens können wir aus Geschichtsbüchern erfahren, die aktuellen Auswirkungen, beispielsweise in den USA erfahren wir über die Medien. In Europa trägt die katholische Kirche einen großen Anteil an der immer größer werdenden Gefahr für Homosexuelle. Jahrzehntelang predigte sie Hass gegen Anderslebende. Das ist strukturell geförderte Homophobie. Und wir blicken nach Ungarn, wir blicken nach Frankreich, nach Polen und Russland. Junge Russen und Russinnen flüchten nach Deutschland, weil sie aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden! Im Jahre 2014!

Und die Kirche schürt diese Atmosphäre von Verfolgung und Hass, sie sät Angst in den Reihen ihrer Gläubigen. Das hat für mich nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun. Der aktuelle Papst wirkt da beschwichtigend, geradezu modernisierend, aber das ist ein langer Weg. Von der evangelischen Kirche würde ich mir viel mehr Widerspruch erhoffen, wenn führende katholische Bischofe ihre Galle spucken. Das ist nicht meine Vorstellung von „Gemeinde“, „Nächstenliebe“ und „Kirche“. Hass und Gewalt im Namen einer Religion ist das Bescheuertste, was diese Menschheit jemals hervorgebracht hat. Auch deswegen werde ich die Kirche verlassen, ich brauche sie nicht um zu erkennen, was menschlich ist.

 

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