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Text: Jürgen Eckelsbach  

Jürgen Eckelsbach wurde 1961 im Siegerland geboren. Nach dem Zivildienst studierte er in Wuppertal, Tübingen und Edinburgh evangelische Theologie. 5 Jahre lang war er Pfarrer im Volksmissionarischen Amt der Evangelischen Kirche von Westfalen mit den Aufgabenschwerpunkten Bibelpädagogik, Gemeindeaufbau und Geistliches Leben. Seit 1997 ist er Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Massen in Unna. Mit seinem Kollegen und dem Presbyterium arbeitet er im Sinne des Leitbildes: „Unsere Gemeinde soll ein offener und einladender Ort der Begegnung sein. Hier sollen Menschen auftanken und in ihrer Lebenssituation Gott erfahren können. Wir wollen auf die Menschen, die um uns herum leben, zugehen.“  Jürgen Eckelsbach ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 
   
 

 

 

 

„Herr Eckelsbach, Sie sind Pfarrer und entwickelten für Ihren Gottesdienst ein Faltblatt mit dem Slogan "Gönnen Sie sich was Gutes!". Warum hat Gottesdienst heutzutage Werbung nötig? Wie erfolgreich war Ihre Marketing-Offensive und was werden Sie zukünftig gegen Mitgliederschwund tun?“

„Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen.“ So heißt es in der Ordensregel des Benedikt von Nursia, niedergeschrieben im Jahre 530. Es ist gut, sich zu erinnern, dass der christliche Gottesdienst schon uralt ist und es ihn noch immer gibt. Das relativiert unsere gegenwärtige Sorge um die Resonanz darauf. Der Satz des Benedikt zeigt aber auch, dass es schon damals die Gottesdienst-Müdigkeit gab und dass dieser Feier eine Priorität eingeräumt werden musste.
Das hat sich in unseren Tagen zugespitzt. Wir Menschen folgen immer weniger Regeln, die uns etwas vorschreiben. Wir folgen dem, was uns Spaß und Lust macht und was uns attraktiv erscheint. Für die Wenigsten ist es selbstverständlich, Gottesdienste zu besuchen. Denn diese sind mit dem schwerwiegenden Verdacht belegt, langweilig und irrelevant zu sein. So nehme ich jedenfalls die Situation wahr - als evangelischer Gemeindepfarrer in einer Stadtteilgemeinde am Rande des Ruhrgebiets.

Vor Jahren haben wir in unserer Gemeindeentwicklung ein differenziertes Gottesdienstangebot und die Entwicklung von Gottesdiensten für kirchlich Distanzierte als Schlüsselangebot benannt. Anders gesagt: Wir haben dem Gottesdienst eine Priorität gegeben und gleichzeitig erkannt, dass es Formen geben muss, welche ohne die klassischen „Türschwellen“ funktionieren. Das ist eine innere Haltung, die wichtig ist, bevor wir Werbung machen: Wir haben unseren Gottesdienst lieb, wir gestalten ihn einladend und deshalb laden wir gerne dazu ein.

Um attraktiv und zeitgemäß einzuladen, sind gute und neue Ideen wichtig: durch unseren Gemeindebrief und die Homepage erreichen wir die Menschen. Durch spezielle Flyer, Einladungsbriefe und direkte Email-Einladungen, die wir zeitnah verschicken. Durch Aktionen vor dem benachbarten Supermarkt. Durch die Einladung von Zielgruppen, z.B. werden Senioren zu einem Geburtstagsfest am Sonntag mit Gottesdienst und Mittagessen gebeten. Und seit letztem Jahr weht vor unserer Kirche eine Fahne, die den Gottesdienst des nächsten Sonntags ankündigt: Gottesdienst um 10, Familiengottesdienst um 11, „Sonntakt“ oder „OASE“ um 18 Uhr. Sie flattert lebendig und gut sichtbar im Wind. Vor allem aber: Haus-Besuche bei Gemeindegliedern sind die beste Einladung.

Aber da ist noch etwas: wir beteiligen Viele an den Gottesdiensten. In der kirchlichen Tradition hatte die Beteiligung von Chören immer schon einen hohen Stellenwert. Musik ist auch heute elementar, um Menschen anzuziehen und einzubeziehen.

Darüber hinaus gibt es ein großes Team von Frauen und Männern, die in unseren Gottesdiensten mitwirken und sie sogar vorbereiten. Als Begrüßende am Eingang, als Lektoren, als Betende, als Spielerinnen bei Anspielen, als Segnende prägen sie unsere Sonntage. Da wird für jeden deutlich: Gottesdienste werden hier nicht vom Pfarrer gehalten, sondern von der Gemeinde gefeiert.

Wie erfolgreich das bisher war, ist schwer zu sagen. Unsere Gemeinde hat in den letzten 15 Jahren ein Viertel ihrer Mitglieder verloren. Eine schwere Einbuße. Wahrscheinlich eine unaufhaltsame gesellschaftliche Entwicklung? Der Gottesdienstbesuch, den wir übrigens genau nachhalten, ist gleich geblieben. Ist das ein Erfolg? Ich kenne einige, für die der Gottesdienst eine Heimat geworden ist, was sie vor einigen Jahren selbst nicht vermutet hätten. Ich denke, es gibt manche, die  Gottesdienste nicht mehr für langweilig und irrelevant halten. Ich hoffe, es gibt viele, die spüren: sie haben ihren Gottesdienst lieb.

 

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