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Text: Tobias Pechmann  

Nach seinem Zivildienst in Jerusalem hat Tobias Pechmann in Marburg und Bologna Politische Wissenschaft studiert. Sozialisiert in einer evangelischen Landeskirche hat er im April 2011 nach einer langen Zeit der Prüfung das Sakrament der Firmung empfangen und wurde damit in die Gemeinschaft der Katholischen Kirche aufgenommen. Er lebt und arbeitet in Köln.

 
   
 
 

 

 

 

„Herr Pechmann, Sie sind aus der evangelischen Kirche ausgetreten, um dann in die Katholische einzutreten. Warum?”

Mit Jesus sechs Richtige

Trotz der Prägung durch ein stark evangelisches Umfeld war mir als junger Mann Anfang Zwanzig die Kirche nicht mehr wichtig. Die Lieder war ich gewöhnt, Liturgen und Predigten empfand ich wie Lotto: selten ein Gewinn. Doch als ich während des Zivildienstes Gott sehr konkret und lebendig erlebt habe, wuchs meine Liebe zu Jesus und ich begann auch mich zu fragen, was die Zugehörigkeit zum "Leib Christi" konkret bedeutet. Ohne Kirche ist Nachfolge nicht lebbar. Ich suchte nach der Gemeinschaft, in der mein Glaube wachsen kann. Die evangelischen Kirchen, vor Ort aber auch der Rat der EKD, fielen dabei nicht ins Gewicht. Meine Kirchenbindung schwand, auch weil ich Hirten suchte, die Christus verkünden und mir als jungem Mann helfen, meinen Glauben zu leben. Im Hinblick auf "Kirche" trieb (und treibt) mich auch die Frage um, wie sich die evangelischen Kirchen mit dem verbunden fühlen, was vor 1517 gewesen ist; weil Kirche nicht nur "jetzt" ist, sondern Ursprung und Auftrag hat.

Was bietet Ihnen die katholische Kirche, was die Evangelische nicht hat?

Ist Gott da?

Die Frage nach der objektiven Gegenwart Gottes und meine Wertschätzung der Liturgie als Hilfe zur Begegnung mit Gott beschäftigten mich. Neugierig stöberte ich verschiedentlich, auch im katholischen Gottesdienst. Mich dort auf diesen anderen Zugang zu Gott einzulassen kostete mich einiges, doch ich erkannte den Auferstandenen in der Gestalt des Brotes; das hat meine Konfession nachhaltig verändert. Was mich bis heute dorthin zieht ist, dass Jesus im Gottesdienst persönlich da ist und ganz im Zentrum steht, als Wesen und Grund der Gemeinschaft. Ich lernte schätzen, dass sich in der katholischen Kirche viele unterschiedlichste Strömungen finden, die trotz ihrer Unterschiede miteinander verbunden sind; durch den Oberhirten und das Lehramt. Den Reichtum der katholischen Lehre hebe ich seit einiger Zeit, Schätze wie die "Theologie des Leibes" sind ein Riesengewinn. Für Geist, Vernunft und das Leben im Glauben. Kirche wird hier einerseits lokal gelebt, andererseits "universal". Aber mir fällt auch insbesondere in der Großstadt die mangelnde Kirchenbindung auf: man kennt sich kaum, was das Glaubensleben stark verändert.

Wie lief der Austritt - war er mit Komplikationen verbunden, hat sich Ihre ehemalige Gemeinde danach bei Ihnen gemeldet oder gar ein Gespräch mit Ihnen geführt?"

Es war mir etwas mulmig zumute als ich auf "senden" klickte: auf der Website der EKD fand ich keine Informationen zum Austritt, weshalb ich mich per E-Mail erkundigte. Eine Antwort folgte bald, man bedauere meinen Schritt. Ich wurde auf die verschiedenen Dimensionen von Kirche (Gemeinschaft, Ort der Traditionsweitergabe, relevante Kraft für Gesellschaft und Kultur...) hingewiesen; der ausführliche Verweis auf die Bedeutung der Kirchensteuer war mir gleichgültig. Auf dem Amtsgericht ging es schnell: Gebühr bezahlt, unterschrieben, ausgetreten.

Sorge hatte ich vor Zerwürfnissen im Freundeskreis, die Gott sei Dank ausblieben. Meine Eltern betonten stets, dass sie in Gottes Weg mit mir vertrauen, was mir sehr geholfen hat meinen Weg zu gehen. Die Kirche, d.h. jeder Gläubige muss ständig um neue Formen der Verkündigung ringen, gerade, weil es gibt so viele Wege zu Gott gibt wie es Menschen gibt.

 

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