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Text: Helmut Schneider-Leßmann

 

Helmut Schneider-Leßmann, Jahrgang 1952, verheiratet, 3 Kinder
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Lechenich im Süden von Köln
Arbeitsschwerpunkte: Jugend- und Konfirmandenarbeit, Projekte ‚ Kunst und Kirche, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, Seelsorge.

 
   
 

 

 

 

„Herr Schneider-Leßmann, Sie sind Pfarrer und erregten im letzten Jahr großes Aufsehen durch Ihre unkonventionelle Mitgliederbindung. Mit attraktiven Prämien wollten Sie gegen den Mitgliederschwund kämpfen. Wie erfolgreich war Ihre Marketing-Offensive bis jetzt? Wie war das Feedback? Und was legen Sie Ihren Kollegen und Kolleginnen ans Herz, die landesweit ebenfalls mit Mitgliedeschwund zu kämpfen haben?“

Mitglieder werben Mitglieder

In der Tat hat diese Aktion eine Aufmerksamkeit geweckt, die uns selbst überraschte. Für den Kirchenvorstand war es lediglich ein weiterer Schritt auf dem Weg zur  zukunftsorientierten Gemeinde. Dazu gehören folgende Voraussetzungen

  • eine offene Sprache für Inhalte des Glaubens;

  • das Bekenntnis zur Volkskirche mit gesellschaftlicher Verantwortung, die nur wahrnehmbar ist, wenn Kirche auch weiterhin eine zahlenmäßige Größe darstellt;

  • ein finanzielles Fundament, worin die Abhängigkeit von Kirchensteuern reduziert ist;

  • die emotionale Bindung der Mitglieder an ihre Gemeinde: sie drückt sich aus in Zufriedenheit über die geleistete Arbeit und Stolz über die Gestaltung von Gottesdiensten (bei Schulbeginn, Taufe, Trauung, Beerdigung, Konfirmation), zu denen auch viele entkirchlichte Menschen von außerhalb kommen.

Ausgangspunkt der Aktion war die Frage, warum Kirche, die auf Mitglieder angewiesen ist, nicht bei Organisationen lernt, die erfolgreich Mitgliederwerbung betreiben. Solche Organisationen gebrauchen ja auch ihrerseits religiöse Symbolik (z.B. die gelben Engel). Eine kirchliche Organisationsentwicklung, die sich alleine auf Reduktion und Einsparungen fokussiert, erachten wir als höchst problematisch.

Gute Argumente

Ein Faltblatt informiert über Einzelheiten der Werbeaktion. Kernstück sind sieben gute Argumente für die Mitgliedschaft in der Kirchengemeinde. Sie reichen von ‚Eigene Stärken entfalten und für andere da sein‘ über ‚Lebens-Veränderungen gestalten‘ bis zu ‚Willkommen sein – auch wenn der Glaube ins Stocken gerät‘.

Auch die Prämien werden darin vorgestellt: Apfelbäumchen, Bobby-Car, Restaurant-Gutschein usw. Sie sind so gestaffelt, dass sie für Menschen unterschiedlichsten Alters und in verschiedenen Lebenssituationen attraktiv sind. Der kirchliche Charakter wird unterstrichen durch Bibelworte oder reformatorische Zitate, die den Prämien zugeordnet sind. Restaurant-Gutschein: ‚Denn ein Mensch, der da fröhlich ißt und trinkt, ist eine Gabe Gottes.‘ oder für Kopfhörer: ‚Wer Ohren hat zu hören, der höre‘.

Mit dem BobbyCar zur Kirche

Schon die Auswahl der Prämien sorgte für Schmunzeln und war Anlass für unterhaltsame Gespräche. Sie haben durchaus ihre Wertigkeit, aber das Stichwort BobbyCar oder Apfelbäumchen gibt den Tabuthemen Glaube und Kirchenzugehörigkeit eine ungeahnte Leichtigkeit. Wir hören davon, dass unsere Gemeindeglieder auch außerhalb der Gemeinde auf diese Aktion angesprochen wurden und dabei ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelten. Alleine die vielen Gespräche innerhalb und außerhalb der Gemeinde sind als Erfolg zu werten.

Zahlenmäßig lässt sich festhalten, dass eine Steigerung der Kircheneintritte zu verzeichnen ist – und das trotz der Austrittswelle, die die Kirchen 2014 erfasst hatte. Wir liegen hier erstmals im zweistelligen Bereich.

Die Folge der Aktion war auch eine Sensibilisierung für Fragen der Kirchenmitgliedschaft. Da diese nicht mehr selbstverständlich ist, müssen wir vielleicht denen, die z.B. 25 oder 50 Jahre die Kirche durch ihre Mitgliedschaft unterstützt haben, eine ganz eigene Wertschätzung entgegenbringen. Oder denen, die ausgetreten sind, nicht nur den Austritt bestätigen, sondern für ihre bisherige Unterstützung danken. Da sehen wir ein großes Entwicklungspotenzial für neue Ideen, um Kirche und Glaube im Bewusstsein zu halten.

Weitere Informationen unter www.kirche-lechenich.de

 

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