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Text: Hanna Buiting

 

Hanna Buiting, geboren 1992, studiert Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität
Potsdam. Als Stipendiatin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) absolviert
die gebürtige Essenerin außerdem eine studienbegleitende Journalistenausbildung und fühlt sich voll
und ganz als Buchstabenmensch. In ihrem Blog gegenmurphy.blogspot.de schreibt sie regelmäßig
über Weltansichten und Persönlichkeiten, von Glück und Unglück und über Worte und Werte. Als
freie Autorin arbeitet sie für verschiedene christliche Medien u.a. MISEREOR und Andere Zeiten e.V.

 
   
 

 

 

 

„Frau Buiting, Sie studieren Germanistik und Religionswissenschaften an der Universität Potsdam, nebenbei bloggen Sie über Gott und die Welt. Wie empfinden Sie als junge Frau die momentane Kommunikation der Kirche? Was wünschen Sie sich, was sollte Kirche zukünftig anders machen; besonders, wenn es um den Dialog mit jungen Menschen geht?“

Ich bin nicht nur Buchstabenmensch und Studentin, sondern auch Christin. Die katholische Kirche wurde mir in die Wiege gelegt, hat mein Großwerden geprägt und bietet für mich gleichzeitig auch Reibungsfläche. Ich bin überzeugt, dass es eine Kommunikation der Kirche gibt. Nur findet sie eher im schöpferischen Gemeindeleben, in rotweindurchtränkten Nächten mit Freunden, in karitativen Organisationen oder auf innovativen Blogs statt. Nicht aber im direkten Austausch zwischen Kardinälen und Obdachlosen, zwischen Priestern und Homosexuellen, zwischen Papst und geschiedener Kindergartenleiterin. Vereinzelt gibt es diesen Dialog ganz sicher, denn Mutige finden sich glücklicherweise immer. Auch Papst Franziskus könnte Wegweiser in eine Zukunft sein, in der Kirche und Menschen sich wieder näher kommen. Aber immer noch erscheint vielen jungen Leuten die Institution Kirche weit weg von dem, was sie und ihr Leben bewegt. Wenn Kirche eine Zukunft haben will, sollte sie wirkliche Begegnungen suchen. Sie sollte Anreize schaffen und Antworten geben, warum es sich lohnt, zu ihr gehören zu wollen. Kirche sollte greifbarer sein. In den meisten Medien, die unseren Alltag prägen, ist eher eine Kommunikation über die Kirche zu erleben, als eine Kommunikation mit ihr. Skandale dominieren die Berichterstattung. Luxusorientierte Bischöfe und Kindesmissbrauch in Klosterschulen werfen kein gutes Licht auf die Kirche. Und wer nicht grade katholisch.de als Browser- Startseite eingerichtet hat oder dem Bistum Essen bei Twitter folgt, erhält nur sehr gefiltert die neuen Schreckensnachrichten aus dem christlichen Umfeld. Ein dialogreicher Katholikentag in Regensburg verkümmert derweil zur Randbemerkung. Kirchenferne werden so nicht erreicht. Was Kirche daher überdenken sollte, sind ihre Hierarchien.

Kirche muss sich wieder stärker über ihre christliche Botschaft definieren und nicht über die Ernennung neuer Würdenträger. Kirche sollte inklusiv, nicht exklusiv sein. Vielleicht ökumenischer werden. Aufgaben nach dem Lustprinzip verteilen. An Frauen und Männer gleichermaßen. So manch einer wäre vermutlich überrascht, wie viele sich gerne engagieren. Tradition mag wichtig sein, aber Gegenwart ist gegen das ewige Warten auf ein Aufbrechen realitätsferner Strukturen. Kirche soll menschengemacht sein. Sogar im Grundgesetz steht, dass wir genau genommen alle Würden-Träger sind und als solche durchaus dazu berufen, mitzumachen und mitzumischen. Auch in der Kirche. Vielleicht sogar grade dort. Ich kenne viele junge Menschen, in denen eine tiefe Sehnsucht brennt und die in Kirche eine Heimat mit Zukunft sehen. Menschen, die Ideen, Kontakte und Fähigkeiten haben, diese Zukunft aktiv mitzugestalten und die nur darauf warten, ihre Stimme auch offiziell erheben zu dürfen. Vielleicht muss Kommunikation der Kirche zuerst mit Rotwein und Freunden beginnen, in Gemeinden oder auf Blogs. Aber wenn Gläubige und Institution weiterhin verbunden bleiben sollen, darf Kommunikation nicht getrennt voneinander stattfinden, sondern miteinander. Kirche bietet ein Netzwerk, die Bibel ist ein Face-Book, Freunde von Jesus teilten seine Message. Warum kann das kein Vorbild sein? Auf meiner Smartphone-Hülle klebt ein Sticker mit einem aussagekräftigen Symbol: Kreuz, Herz und Anker – miteinander verwoben. Es steht für Glaube, Liebe und Hoffnung und erinnert mich bei meiner täglichen Kommunikation an Grundmerkmale christlicher Existenz. Den Glauben habe ich, die Liebe allemal und die Hoffnung? Ich habe nicht vor, sie aufzugeben.

 

 

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