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Text: Norbert Linke  

Norbert Linke studierte in München Kommunikationswissenschaften, arbeitete zugleich als freier Mitarbeiter für den MÜNCHNER MERKUR. 1986 ging er zum Radio. 1989 wurde er Mitglied der Gründungsredaktion von HIT RADIO FFH, seit 1991 leitete er die Nachrichtenredaktion des Senders. 2009 machte er sich selbständig. Mit seinem Beratungsunternehmen news-n-cast trainiert und coacht er seither NachrichtenredakteurInnen im gesamten deutschen Sprachraum. In zwei Büchern ("Radio-Lexikon", 1997, und "Moderne Radionachrichten", 2007) setzte er sich vertieft mit dem Radio-Metier auseinander. Norbert Linke ist Autor des "Radio-Guidebook", eines Pressekodexes fürs Radio (im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung).

 
   
 

 

 

 

„Herr Linke, Sie waren fast zwanzig Jahre lang Leiter der Nachrichtenredaktion von HIT RADIO FFH und sind seit 2009 mit Ihrem Unternehmen news-n-cast als selbständiger Berater für zahlreiche Nachrichtenredaktionen in Deutschland und Österreich tätig. Welche Fehler werden von Radiomachern und –moderatoren immer wieder gemacht, was zieht sich wie ein roter Faden durch Ihre Beratertätigkeit? Woran müssen viele Radio-Stationen noch arbeiten?“

„Sprich, als säße der Hörer mit am Tisch!“ - forderte schon vor Jahrzehnten der unvergessene Journalisten-Lehrer Walther von LaRoche. Doch was tun Nachrichten-Sprecher und News-Anchormen nach wie vor? Sie sprechen eben nicht, sondern lesen vor, sie präsentieren Texte - und sind damit alles andere als auf Augenhöhe mit dem Hörer. Hand aufs Herz: Wer möchte schon vorgelesen bekommen?

Unverändert klingen Radio-Nachrichten noch heute "nach Nachrichten". Immer neue Generationen an Redakteuren versuchen, Nachrichten so lehrbuchgetreu wie möglich zu reproduzieren. Die Augen fest aufs Papier bzw. den Bildschirm geheftet, redigieren sie Texte, verdichten und verschränken - und sind mit ihrer Schreibsprache meilenweit entfernt von einer Diktion, die zum Hören gemacht ist, leicht zu verstehen und - doppeltes Plus - leicht zu sprechen.

Mit den Nachrichten "alten Stils" muss Schluss sein. Radio-Nachrichten müssen aufhören, quasi eine Kunstform zu sein, eine "Textsorte" mit eigenen Regeln. "You are in the communication business - so communicate!", formulierte einmal ein US-Journalisten-Magazin. Also: Sprich zu deinem Hörer, kommuniziere! Übrigens: Auch die Moderation muss weg von ihrer oft formelhaften Künstlichkeit...

Wie gelingt nun Schreiben fürs Sprechen? Mit einer Sprech- und Schreibhaltung, die gerade ist, nah an der Umgangssprache und am kleinräumigen freien Sprechen. Und mit einem neuen Workflow! Formuliert wird nicht auf Papier oder Bildschirm, sondern im Kopf. Denn nur Sätze, die mühelos im Kopf zu (be)halten sind, sind auch leicht zu sprechen und leicht zu verstehen. Das Manuskript dient nur dazu, das Gedachte zu fixieren.

Und: Der Text muss schlank bleiben. Jeder Satz transportiert (nur) einen Gedanken! Wie in der freien Rede ja auch. Keine Verdichtungen ("bei", "angesichts von", "laut" usw.). Alles Schritt für Schritt, eines nach dem anderen. Nicht zuletzt: Starke Verben, wenige Substantive!

Wie gesagt - die Regeln sind bekannt. Sie werden nur eben allzu selten gelebt. Wo es geschieht, bekommen die Texte freilich eine wunderbare Leichtigkeit und Transparenz.

Soviel steht fest: Das Radio muss sich angesichts neuer digitaler Medien neu erfinden. Viel Zeit bleibt nicht. Weitere Jahrzehnte "alten Stils" geht nicht. Authentizität ist das A & O im Kontakt mit dem Hörer. Wer Radio hört, sucht ja nicht nur Musik. Er sucht, was Streamingdienste und Musikportale eben nicht bieten - trotz ihrer Millionen Musiktitel zum (fast) Nulltarif: "Sprechende Menschen", die ihm (oder ihr) hinweghelfen über Momente der Einsamkeit in Küche und Büro, Auto und Betrieb.

Eben, als säßen sie "mit am Tisch".

 

 

nach obeN

     
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