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Text: Burkhard Weitz  

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur (www.chrismon.evangelisch.de) und verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus (www.chrismon.evangelisch.de/ueber-uns/abo). Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.

 
   

Chrismon Plus

 

 

 

 

„Herr Weitz, Chrismon plus ist die umfangreichere Ausgabe des monatlich erscheinenden Magazins chrismon. Warum bedarf es dieser "größeren" Ausgabe? Wie würden Sie die Positionierung von chrismon generell beschreiben? Was und wen möchten Sie erreichen?

Der Vorläufer von chrismon war das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt, das über 30 Jahre lang erschien, bevor es aufgrund von sinkenden Abonnentenzahlen eingestellt wurde. Sehen Sie hier Parallelen zu den Kirchenzeitungen der katholischen Bistümer in Deutschland, die seit Jahren ebenfalls unter Abonnentenschwund und mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben?

Worin sehen Sie die gravierenden Unterschiede von chrismon zu katholischen Kirchenzeitungen? Worauf achtet chrismon plus in der Kommunikation besonders, und warum sollte Kirche im Zeitalter der Blogs, Websites und Newsletter noch auf Printprodukte setzen?“

Was chrismon erreichen soll - und wen

Über eine Million Menschen lesen Chrismon Monat für Monat. Chrismon ist die prominenteste Stimme des liberalen Protestantismus in Deutschland. Des liberalen Protestantismus, weil Chrismon seinen Lesern keine Meinung aufdrängt. Menschen treffen ihre Entscheidungen frei. Chrismon kann Debatten anstoßen. Den Glauben muss jeder selbst mit seinem Gott ausmachen. „In die Ohren können wir wohl schreien“, predigte Martin Luther am Sonntag Invokavit, Anno 1522, „aber ein jeglicher muss für sich selbst geschickt sein in der Zeit des Todes.“

Was tun, wenn die Angst weiterzuleben größer ist als die Angst vorm Tod?, fragte Chrismon in der diesjährigen Aprilausgabe, erschienen in der Karwoche. Titel: „Ich habe genug“ (www.chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/ich-habe-genug-17963). So heißt übrigens auch eine Bachkantate über den Lobgesang des alten Simeon, der den Heiland gesehen hat (Lukas 2,29–32).

Danach gab es viele Leserzuschriften. „Wir haben unsere Mutter nach 2 Schlaganfällen, die sie zur Komapatientin gemacht haben, nach zweimonatigem Siechtum verloren. Es war kein schöner Anblick, eine bis ins hohe Alter (82 Jahre) aktive Frau, so sterben zu sehen, ohne ihr hilfreich zur Seite stehen zu können.“ Fremde Menschen teilen der Redaktion Privates mit. Offenbar fühlen sie sich ernst genommen.

Chrismon bricht die großen Lebensfragen auf die Lebenswirklichkeit von Menschen runter. Im Idealfall spricht aus einem Artikel pures Evangelium – ohne dass dies ausdrücklich gesagt werden muss. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht ist sicherlich die Geschichte der US-Amerikanerin Amy Biehl (www.chrismon.evangelisch.de/artikel/2002/die-mutter-und-die-moerder-558), die während ihres Freiwilligenjahres in einem südafrikanischen Township-Projekt von einer Jungenbande gelyncht wurden.

Ihre Eltern reisten nach Südafrika zur letzten Wirkungsstätte ihrer Tochter. Sie waren von ihrer Arbeit beeindruckt und wollten sie fortsetzen. Sie gründeten die Amy-Biehl-Stiftung (www.amybiehl.org/) für arbeitslose Jugendliche. Sie setzten sich für die vorzeitige Strafentlassung genau der Jungen ein, die am Verbrechen gegen ihre Tochter beteiligt gewesen waren – und beschäftigten sie in ihrem Projekt. Unnötig da noch nachzuschieben, was Jesus gebot: „Liebet eure Feinde. Tut Gutes denen, die euch hassen.“

2010 interviewte chrismon einen Millionär, der seines Reichtums überdrüssig war und seinen ganzen Besitz verkaufte (www.chrismon.evangelisch.de/artikel/2010/vom-millionaer-zum-glueckspilz-2092). Dass jemand nicht länger dem Mammon huldigen wollte, lässt sich kaum besser erzählen.

In der vergangenen Dezemberausgabe berichteten Eltern, wie Kinder ihr Leben veränderten (www.chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/unser-schoenes-leben-16159) – ganz anders als vorher gedacht. „Ein Kind ist uns geboren“, der Satz aus Jesaja 9,5 klingt da mit, auch ohne dass man ihn ausspricht. Auch der Jungfrauensohn brachte in seiner Familie alles durcheinander. Chrismon muss nicht „Evangelium“ oder „gute Nachricht“ sagen. Das Befreiende vermittelt sich auch so.

Unterschiede zu katholischen Kirchenzeitungen

Die evangelische Kirche hat so viele Päpste wie Mitglieder. Die Kirche ist die Gesamtheit ihrer Mitglieder, die selbstverständlich unterschiedliche Zugänge zum Glauben haben. Kein Lehramt verkündet ex cathedra, was von allen geglaubt werden soll. Niemand kann abschließend sagen, wie das Evangelium heute zu verstehen sei. Niemand, auch kein evangelisches Magazin, kann die Position „der Kirche“ erklären. Deshalb hat die chrismon-Rubrik „Religion für Einsteiger“ (www.chrismon.evangelisch.de/rubriken/religion-fuer-einsteiger), in der einfache Glaubensfragen beantwortet werden, die Form einer Kolumne. Es ist ein Meinungsbeitrag. Stößt er auf Widerspruch, finden sich gegenteilige Meinungen im nächsten Heft auf der Leserbriefseite.

Es kann nicht darum gehen, Glaubensfragen abschließend zu beantworten. Sondern Chrismon eröffnet Debatten. Etwas pathetischer gesagt: Chrismon fordert seine Leser auf, miteinander um die Wahrheit ringen. Chrismon führt auch deshalb Menschen aus unterschiedlichen Berufs- und Lebenswelten zusammen. Moderatoren aus der Redaktion beobachten, wie sie sich einander annähern – oder aneinander geraten. „Begegnung“ heißt daher die Rubrik.
So kritisierte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in der aktuellen Aprilausgabe den Gott der Marktwirtschaft (www.chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/ist-der-markt-ein-gott-18077), die sogenannte unsichtbare Hand des Marktes. „Sie argumentieren aus der Sicht einer reichen Gesellschaft, in der die meisten Menschen ihre wichtigsten Bedürfnisse befriedigt haben“, konterte der Chef der Frankfurter School of Finance und Management, Udo Steffens. Debatten wie diese sind wichtig. Viel zu selten blicken Menschen über den Tellerrand ihres Fachgebietes.

Stetige Leserzahlen

Die Vorgängerzeitung, das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt (DS), litt unter Auflagenschwund und wurde eingestellt. Obwohl die Redaktion viele Journalistenpreise einheimste. Obwohl das gute alte Sonntagsblatt überall bekannt war. Das hervorragende Renommee ließ sich am Kiosk und beim Aboverkauf nicht in klingende Münze übersetzen. Anderthalb Jahre später, Anfang 2002, ging auch der Wochenzeitung „Die Woche“ die Luft aus.

Die Geschäftsführung des DS verstand es allerdings, aus der wirtschaftlichen Schieflage das Beste zu machen. Ein Steuervorteil eröffnete finanziellen Spielraum für ein Experiment: ein vielfarbiges, bildlastiges Magazin für den deutschen Protestantismus, das über Trägerzeitungen zu den Kunden getragen wird (www.chrismon.evangelisch.de/ueber-uns/das-magazin). Bildästhetik trifft auf Verkündigung – ein für den sonst oftmals ikonoklastischen Protestantismus neuer Plan mit damals ungewissem Ausgang.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ließ sich auf die Versuchsanordnung ein. Die Chefs von Süddeutscher Zeitung, ZEIT und Frankfurter Rundschau (die FR legte anfangs Chrismon bei, heute tut dies die Frankfurter Allgemeine Zeitung) ahnten offenbar das Potential des Projekts. Sie nahmen Chrismon zu günstigen Konditionen in ihre Zeitungen auf.

Die Zeitschrift wird über hochwertige Trägerzeitungen millionenfach in die Haushalte transportiert. Anfangs hoffte man, dass zumindest ein Viertel aller verteilten Hefte wahrgenommen würde. Der Erfolg überraschte dann selbst die Presseprofis. Schon nach einem Jahr war die kühnste Hoffnung bei weitem übertroffen – obwohl bei den Abonnenten der Trägerobjekte 26mal die Tageszeitung durch den Briefschlitz flattert, bevor wieder ein neues Chrismon beiliegt. Der Abonnent muss Chrismon überhaupt erst einmal in dem Wust an Papier und an Werbeblättchen wahrnehmen. Dennoch: Laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse lesen seit einigen Jahren über 1 Million von etwa 1,6 Millionen potentiellen Empfängern Chrismon – Monat für Monat.

Wozu noch eine Aboausgabe?

Selbstverständlich wurden die Abonnenten des Sonntagsblattes über die Umstellung zum Monatsmagazin informiert. Und man schuf für sie eine Alternative, damals als Übergangslösung gedacht: eine erweiterte Aboausgabe von Chrismon (www.chrismon.evangelisch.de/ueber-uns/abo). Man musste ja davon ausgehen, dass nicht alle Sonntagsblatt-Abonnenten auch eine der Trägerzeitungen abonnieren. Also schickte man ihnen eine Aboausgabe, „Chrismon plus“ direkt ins Haus, eine um rund 30 redaktionelle Seiten erweiterte Ausgabe.

Auch hier überraschte der Erfolg. Was als Provisorium gedacht war, funktioniert bis heute. Die Zahl der Abonnenten blieb über die Jahre relativ stabil – fast ohne Heftwerbung. Etwa ein Viertel der Abonnenten wechselt von Jahr zu Jahr. Die Leserschaft verjüngt sich von selbst. Alles Gründe, „Chrismon plus“ fortzuführen.

Warum heute noch Printprodukte?

So lange die Nachfrage nach „Chrismon“ und „Chrismon plus“ in Printform besteht, wird es eine Printausgabe geben. Dennoch ist die Redaktion auf das digitale Zeitalter vorbereitet – mit einer iPad-Version des Heftes und mit der Internetplattform www.chrismon.de. Beides wird beständig weiterentwickelt. Über das Web lassen sich weiterführende Informationen zu chrismon-Artikeln abrufen. Leser können im Archiv stöbern. Sie haben auf chrismon.de mehr Möglichkeiten als im gedruckten Heft. Die Leser nutzen das. In weitaus größerem Maße aber nehmen sie weiterhin das Heft zur Hand.

 

nach obeN

     
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