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Text: Sandra Bils

 

Sandra Bils, Jahrgang 1977 ist Pastorin der ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Nach dem Studium in Bethel und Berlin und dem Vikariat in Harsum war sie im Michaeliskloster in Hildesheim und im Pastorat des Deutschen Evangelischen Kirchentags tätig. Seit zwei Jahren ist sie Pastorin in der St. Nicolaigemeinde in Gifhorn. Ihr Herz schlägt für alte Traditionen und neue Wege, für Social Media und Popularkultur, was sich auch im Onlinestudium ihres Promotionsprogramms niederschlägt. Sie twittert unter @pastorsandy und bloggt unter www.pastorsandy.de



 
   

 

 

 

„Frau Bils, warum twittern Sie und was twittern Sie?“

Im Jahr 2006 habe ich mit dem Vikariat meinen beruflichen Dienst in der Kirche begonnen und ein Jahr später habe ich mit dem Twittern angefangen. Aus einer Mischung aus Neugier und Spaß an unkonventioneller Kommunikation begann ich mal mehr, mal weniger zu posten. Im Grunde genommen spiegeln meine Tweets  (Twitternachrichten) meinen Alltag wider. Dabei kann ich natürlich zwischen Privatleben und Berufsleben nicht wirklich unterscheiden. Denn so wenig es in meinem Beruf eine klare Trennung gibt, so wenig kann ich in meinen Tweets differenzieren, was aus privatem und was aus dienstlichem Interesse heraus geschrieben wird.

Nach beendeter Kirchenvorstandssitzung schalte ich zum Einläuten des Feierabends im Pfarrhaus auch nicht die Klingel und das Telefon aus – genauso wenig gehe ich dann offline. Kommunikation gehört zu meinem Beruf und ist somit meine Berufung. Die Kommunikationskanäle sind offen, egal ob sonntäglich mit den Followern eine Predigt auswertet wird oder abends ein Austausch über den Tatort stattfindet. Diese Ansprechbarkeit und Verzahnung zwischen Alltag und Dienst schafft Glaubwürdigkeit und dadurch Integrität.

Das setzt für Viele die Hemmschwelle herunter in Kontakt zu treten. Denn die Kommunikation findet oft 1:1 statt. Um im dienstlichen Bild zu bleiben würde ich mein Twittern eher mit einer Sprechstunde als mit dem Predigen auf der Kanzel vergleichen.

Für viele bin ich in ihrer Timeline die Pastorin. Als solche bin ich durch meinen Namen @pastorsandy und mein Profilbild auch klar erkennbar.
Besonders mit jenen, die das Internet als ihre Heimat werten und die sonst wenig oder sogar gar keinen Kontakt zur Kirche haben kommt es oft zu regem Austausch. So wird meine Ortsgemeinde quasi virtuell um diese Menschen erweitert. Durch meine Berichte aus dem Lebens- und Arbeitsalltag bekommen jene Follower niedrigschwellig einen Einblick in christliches Leben und kirchliches Handeln. Und es kommt nicht selten vor, dass ich gerade von ihnen positive und interessierte Rückmeldungen zu Kirche und Glauben bekomme. Natürlich anonymisiere und verallgemeinere ich Angaben aus meinem Dienst, damit Vertrauliches auch vertraulich bleibt. Diese Achtsamkeit scheint aber auch bei der Leserschaft anzukommen, denn schon oft haben sich aus Twitterkonversationen Seelsorgegespräche ergeben, bei denen sich mein Gegenüber öffnen konnte und der virtuelle Raum die Möglichkeit zum vertraulichen Austausch bot.

Anderseits habe ich auch viele kirchennahe Follower. Auch mit ihnen ist der Austausch reizvoll. Dort dient Twitter als Austauschplattform für Links zu Materialien und Inspirationen von Konfirmandenunterricht bis Seniorenkreis. Manchmal bittet mich jemand um ein Gebet, um einen passenden Konfirmationsspruch oder stellt Fragen zum Ablauf einer Taufe. Aber oft bin ich einfach nur ein Anknüpfungspunkt und eine ansprechbare Pastorin, quasi die personalisierte Institution.

Twitter ist jedoch nicht nur ein Kommunikationskanal in den ich investiere. Schon oft haben Follower mich unterstützt durch Brainstorming, Gebet bzw. Daumen drücken (je nach Frömmigkeit) oder einfach durch die Tatsache, dass sie mich begleiten durch meinen Alltag. Egal ob Dienst oder Privat. Ich habe einen Teil meiner Gemeinde immer mit dabei.

 

nach obeN

     
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