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Text: Maria Herrmann  

Maria Herrmann hat in Würzburg und Salamanca Theologie studiert und mit einer Diplom-Arbeit über die Simpsons abgeschlossen. Im letzten Jahr machte sie sich selbstständig und gründete eine Firma (www.tomatedesign.de), mit dem Ziel neue digitale Wege kirchlicher Kommunikation zu entdecken. Ganz im Stile einer digital native arbeitet sie in einem Coworking Space oder dort, wo es guten Kaffee und Internetzugang gibt. Zur Zeit findet man sie im Dienste des ökumenischen Kongresses Kirche2 in allen Social Media Kanälen der Veranstaltung.


 
   

 

 

 

„Frau Herrmann, warum haben Sie Ihren Blog gegründet und welche anderen christlichen Blogs finden Sie spannend?“

Eigentlich bin ich zu ungeduldig fürs Bloggen. Zu ungeduldig und zu perfektionistisch. Nicht der Tippfehler wegen. Mein Problem ist vielmehr die Umgebung, die technische Infrastruktur. Zu viele Möglichkeiten, die sich mir bieten, denn schließlich soll das Blog irgendwie auch meine Arbeit repräsentieren. Wie sollte es aussehen und was sollte ich alles schreiben? Es war und ist gar nicht einfach, Anspruch und zeitliche Ressourcen unter einen Hut zu bringen. Schließlich entschied ich mich dafür, einfach mal loszulegen und am besten unter den Mindestbedingungen.

So entsteht gerade meine ganz persönliche »Content-Strategie«:
Mein Blog ist kein Tagebuch, aber nicht unpersönlich. Es ist kein Bewerbungsschreiben, erzählt aber von dem, womit ich als selbstständige Theologin mein tägliches Brot verdiene. Es ist keine Gebrauchsanweisung, enthält jedoch manchmal reichlich Detailliertes und Spezifisches. Weil jeder Tag etwas Neues bringt, ist kein Blogeintrag wie der andere. Aber jeder Artikel enthält Dinge, von denen ich denke, dass sie hilfreich und interessant sein könnten für andere. Wozu das Ganze? Warum ist das für mich als Theologin und Christin wichtig?

Drei Momente meiner Motivation hatte ich mit ein paar Schlagworten oben schon kurz erwähnt: Bloggen hat für mich eine persönliche, eine kommunikative und eine informative Dimension. Jedes dieser Momente steht in Wechselwirkung zu den anderen. Und jedes Moment für sich könnte für mich schon allein ein Grund sein zu Bloggen – vor allem als Christin.

Ich denke zunächst, dass es wichtig ist das persönliche Element von Blogs ernst zu nehmen und sich bewusst zu machen. Das bedeutet nicht, dass man sozusagen seine Privatsphäre mit dem Login abgibt, sondern im Gegenteil: Der Begriff »privat« ist etwas anderes als »persönlich«. Der Unterschied muss klar sein. Denn dann ist es möglich zu überlegen, was und wie viel Persönliches auch öffentlich sein kann. Auch eine Lehrerin vor ihrer ersten Schulstunde und ein Diakon vor seiner ersten Predigt müssen sich in ähnlicher Weise entscheiden, und zwar wie es der eigenen Persönlichkeit entspricht. Und ob das dann stimmig ist, merkt man sehr schnell: Im Unterricht, in der Predigt und beim Bloggen. Umgekehrt stellt Persönliches Verbindung her, bietet Möglichkeiten anzudocken, einzuhaken, anzufragen.

Daher ist es mir auch wichtig nicht anonym oder pseudonym zu bloggen. Mein Blog soll mein Avatar in Schriftform werden und der Platz im Netz sein, an dem man mich, meine Gedanken und Fragen finden kann. Sowie ich beim Lesen von Blogs beginne deren Autoren kennenzulernen. Dass hierbei mein Christsein eine Rolle spielt, liegt auf der Hand: Ich bin als Christin erkennbar und erreichbar für Fragen. Da mein Blog viele andere Dinge von mir erzählt kommt es auch dazu, dass Fans des 1. FC Nürnberg, Webdesigner oder Rockmusik-Fans von den Dingen lesen, die zu meiner theologischen Seite gehören.

So erreiche ich Menschen, die mit dem großen Begriff Kirche »eigentlich« nichts (mehr) anfangen können.

Daran schließt sich aber wiederum gleich die Frage nach der kommunikativen Dimension an. Bloggen ist auch Fragen stellen, beantworten oder beantwortet bekommen. Das Netzwerk, das beim Schreiben, Lesen und Kommentieren entsteht, ist ein persönliches
und informatives. Es erzählt Geschichten und stellt Verbindungen her – auch über die virtuelle Welt hinaus. Das ist für mich ein großes Geschenk.

Etwas in dieser Art hätte ich auch (irgendwie) erreichen können, in dem ich ein Buch schreibe oder Gesprächskreise oder Zeitschriften gründe. Doch die Kultur, der ich mich zugehörig fühle ist eine andere. Ich lebe digital, bin Kind einer Generation, für die das Internet eine selbstverständliche Realität darstellt. Ein Blog zu schreiben gehört zu
meiner Arbeitsform ebenso dazu wie mein Arbeitsplatz in meinem Coworkingspace. Wenn ich so darüber nachdenke, hätte ich wirklich schon lange damit anfangen sollen. Aber dazu war ich bisher einfach zu ungeduldig.

Gerne lese ich in folgenden Blogs:
1.) Daniel Ehniss – www.danielehniss.de
2.) Kirche 2.0 – www.kirche20.at
3.) Pastor Sandy – www.pastorsandy.de
4.) Wolfgang Loest – www.erloest.wordpress.com
5.) Ralf Peter Reimann – www.theonetde.wordpress.com
6.) Nadia Bolz-Weber – www.sarcasticlutheran.com
7.) Maria Popova – www.brainpickings.org
8.) Seth Godin – www.sethgodin.typepad.com
9.) Third Wave – www.thirdwaveberlin.com/blog/
10.) Weitere Blogs und tolle Artikel entdecke ich über www.quote.fm

 

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