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Text: Georg Frericks  

Georg Frericks, Jahrgang 63, hat in Bonn und München Katholische Theologie studiert. Nach Stationen im Verlagsbereich (so bei Herder und Weltbild) ist er seit 2008 als Unternehmensberater bei der MDG Medien-Dienstleistung GmbH in München tätig. Dort verantwortet er u.a. die Markt- und Grundlagenforschung und in dieser Funktion den MDG-Trendmonitor „Religiöse Kommunikation 2010“. Um zielgruppenspezifische Kommunikation auch zukünftig zu gewährleisten, führt die MDG derzeit eine Untersuchung zu den religiösen und kirchlichen Orientierungen in den aktualisierten Sinus-Milieus durch, die Ende des Jahres erscheinen wird.


 
   

 

 

 

„Wie kann und wie sollte kirchliche Kommunikation Kirchenaustrittswahrscheinlichkeiten thematisieren? Was kann sie beitragen, Kirchenaustritte zu verhindern?“

Entwarnung? Kann die Kirche zur Tagesordnung übergehen, nur weil die Kirchenaustrittszahlen von 181.000 im annus horribilis 2010 auf 126.000 im vergangenen Jahr zurückgegangen sind? Wohl kaum. Es kann niemanden kalt lassen, wenn seit 20 Jahren pro Jahr eine Großstadt an Katholiken ihrer Kirchen den Rücken kehrt. Land auf, Land ab macht sich eher Rat- und Hilflosigkeit breit, wie auf diese Situation zu reagieren sei.

Aus Untersuchungen (wie dem MDG-Trendmonitor 2010) wissen wir sehr genau, welche Menschen in welchen Lebenssituationen und -welten es sind, die eher zu einem Kirchenaustritt neigen als andere. Mit diesen sollte die Kirche gezielt kommunizieren. Blöd nur, dass diese Katholiken ihrerseits wenig Interesse an religiösen Fragen und kirchlichen Themen haben. Heißt also: Anstrengungen verdoppeln! Mit den klassischen Kommunikationskanälen von der Kirchenzeitung bis zur Bistumshomepage werden diese Zielgruppen nicht erreicht, weswegen die Kirche nicht um neue zielgruppenorientierte mediale Angebote (Print wie Online) umhinkommen wird.

Bedenklich finde ich, dass manche Kirchenvertreter ein schwieriges Verhältnis zu den säkularen Medien haben. Damit verbaut die Kirche sich viele Chancen. Mit geeigneten PR-Maßnahmen kann natürlich versucht werden, aufzuklären, was beispielsweise die Kirche mit dem lieben Geld macht, aber PR steckt immer in einer Glaubwürdigkeitsfalle, wenn ihre Themen nicht in der Presse aufgegriffen und quasi „objektiviert“ werden.

Wenn das wichtigste „retardierende Moment“ bei einer Kirchenaustritttsneigung die eigene familiäre kirchliche Sozialisation darstellt, ist die Kirche gut beraten, sich um ihre Familien zu bemühen: Ein nachlassendes Engagement in KiTas, Schulen, Familienbildung und -beratung, Frustration bei der Vorbereitung und Feier der Sakramente wären ein fatales Signal. Angesichts zurückgehender (personeller) Ressourcen sind sicher Prioritäten neu zu verhandelt; hier wären sie definitiv gut investiert.

Einen großen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen einen Kirchenaustritt stellt die Wahrnehmung dar, dass die Kirche einem Hoffnung gibt. Wenngleich dies zu bejahen schon Ausdruck der eigenen Kirchenverbundenheit ist, stellt sich aber die Frage an unsere personale Kommunikation und die Botschaften unserer Medien, welche Hoffnung uns als Katholiken trägt und antreibt. Hand aufs Herz: Könnten wir uns ehrlichen Herzens eine Kampagne wie die der Volks- und Raiffeisenbanken trauen? (http://www.was-uns-antreibt.de/) Wenn wir die Frage, was uns als Kirche im Innersten antreibt nicht beantworten können, wird’s eng. Ich würde mir wünschen, dass wir manchen Ballast aus Grabenkämpfen, Nabelschau, Verwaltung und Theologiegeschichte über Bord werfen könnten.

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