Startseite Ausgabe 11 | glaubwürdig/skandalös - Krisenkommunikation als Chance für neue Anfänge.
   
Text: Sven Odendahl  
Sven Odendahl, Jahrgang 87, lebt in Gelsenkirchen-Hessler. Odendahl studiert seit dem Wintersemester 2007 Geschichtswissenschaften und klassische Philologie. Er war bei den Weltjugendtagen in Köln, Valencia und Madrid. Ist mit der Ordensgemeinschaft der Amigonianer freundschaftlich verbunden.
 
   

 

 

 

„Warum würden Sie den Weltjugendtag 2011 als wichtig für die Katholische Kirche bezeichnen und was hat dich fasziniert beim Treffen mit dem Papst und zig Tausenden von Jugendlichen in Madrid?“

Der Weltjugendtag 2011 war wichtig für die katholische Kirche, da er eine Möglichkeit zum weltweiten kulturellen Austausch geboten hat. Religion war in diesem Zusammenhang nicht nur "graue Theorie", sondern ein greifbares Erleben, ein "Prozess des Betens". Der Weltjugendtag setzte sich sehr von den "normalen Gottesdiensten" ab und er war von seinen Teilnehmern selbstbestimmt und frei gewählt. Er bediente vor allem die Vorstellung einer freien, persönlichen Religiosität, die nicht an ein Haus oder eine Uhrzeit gebunden war. Die Jugendlichen konnte selbst bestimmen, wann, wo und mit wem er/sie beten wollten. Sie konnten ihre Religiosität in kreativer Form ausleben.

Auch die tiefen Grenzen und Zäsuren zwischen sprachlich abgetrennten Gruppen konnten überwunden werden. Ich habe es so empfunden, dass gerade die Multikulturalität ein besonders verlockender Faktor war. Es hat mich sehr bewegt, als verschiedene Menschen aus vielen sehr unterschiedlichen Nationen gemeinsam Messe feierten, aber auch bei einem Sportfest sich sportlich miteinander maßen. Die Amigonianer zum Beispiel organisierten einen Abend, bei dem Sport, Spiritualität und kultureller Austausch miteinander verbunden worden waren.

Es ist für mich immer noch erstaunlich, wie die Menschen, die sich vorher gar nicht kannten, friedlich miteinander umgegangen sind. Der Weltjugendtag bildete trotz aller Differenzen zwischen Demonstranten für und gegen die katholische Kirche eine Plattform des gegenseitigen Kennenlernens. Kirche war innovativ und bot auch den Raum zum Diskutieren über Glauben. Das Gemeinsame war eben das Besondere.

Beim Weltjugendtag habe ich gefühlt, dass die Menschen irgendwas mit mir verband und nicht nur mit mir alleine, es musste der Glaube sein, denn der hatte uns ja nach Madrid gerufen. Die tiefe Fröhlichkeit vieler Menschen von anderen Kontinenten hat das Fest zu etwas Besonderem gemacht. Ein weiterer Gesichtspunkt war die Modernität der Glaubensimpulse. Während die katholische Kirche im Allgemeinen als "verstaubt" wahrgenommen und als "verkrustet" beschrieben wird, war davon nichts zu spüren. Kirche wurde von Menschen für Menschen gestaltet und orientierte sich an deren Erwartungen. Gerade das Hinzuziehen junger Gläubiger und Pastoren machte es möglich, eine neue Perspektive in die Gestaltung mit einzubringen. Was in Jugendgottesdiensten verstärkt versucht wird, nämlich die junge Zielgruppe zu erreichen, ist beim Weltjugendtag gelungen. Der Papst symbolisierte auch Dialogbereitschaft mit der Jugend. Ein Zugehen auf die Jugend wurde deutlich und das fand ich sehr schön. Ich fand es sehr beeindruckend, dass der Papst sich mit den Jugendlichen zum Essen getroffen hat und sich auch seinen Kritikern gegenüber als herzlich und verständnisvoll gezeigt hat. Verständnis sowie moderne und emotionale Kirche, das waren die Stichwörter, die sich mir ins Gedächtnis eingebrannt haben. Die Herzlichkeit konnte siegen. Teilen war das Schlüsselwort. Ich möchte an dieser Stelle einem Amerikaner danken, der uns Schlafsäcke und Isomatten geschenkt hat, da er mit seiner Gruppe wieder zur Unterkunft zurückgefahren ist.

Vielen Dank!!

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