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  Startseite Ausgabe 10 | glaubwürdig/skandalös – Krisenkommunikation als Chance für neue Anfänge.
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Text: Markus Richard Spiecker  

Markus Richard Spiecker M.A., MBA (44) ist sei 14 Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Immer wieder beriet er Kunden in den Bereichen Krisenkommunikation, Krisenprävention und Issues Management. Derzeit ist er als PR-Berater freiberuflich tätig.

 
   

 

 

 

„Wie erleben Sie die Steuerung der Kommunikation in der derzeitigen Missbrauchskrise durch die katholische Kirche?“

Vorab muss man feststellen: Für die katholische Kirche verläuft die Kommunikation in der gegenwärtigen Missbrauchskrise unter erschwerten Bedingungen. Sie ist nicht nur mit den Ereignissen an sich konfrontiert, sondern auch mit ihrem eigenen Anspruch. In der öffentlichen Wahrnehmung hat sie sich über Jahrhunderte als hervorgehobene, als einzige moralische Instanz aufgestellt. Für viele Menschen hat sie in dieser Rolle jedoch nicht erst mit der Missbrauchskrise kläglich versagt. Zudem muss die katholische Kirche eine Gratwanderung zwischen einer christlich gebotenen Vergebung und der unabdingbaren strafrechtlichen Verfolgung der Täter vollbringen.

Als die ersten Missbrauchsfälle durch Priester öffentlich wurden, war die Kirche bestrebt zunächst interne Sanktionen zu verhängen und kommunizierte rein reaktiv. Der Ruf nach strafrechtlicher Verfolgung und Berichte über das Leid der Opfer wurden scheinbar als Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten empfunden. Die Verantwortlichen übersahen, dass disziplinarische Maßnahmen wie die Versetzung des Täters in der Öffentlichkeit als Vertuschung wirkten. Hinzu kamen aus Kommunikationssicht grobe handwerkliche Fehler, wie zum Beispiel das voreilige Abstreiten von verabreichten Ohrfeigen durch den Sprecher von Bischof Mixa. Vielen der sehr traditionsbewußten katholischen Würdenträger war nicht klar, dass es bei Missbrauchsfällen durch exponierte Personen in der heutigen Kommunikationsgesellschaft nicht möglich ist, die Öffentlichkeit auszuschließen und dass die katholische Kirche kein Sonderrolle als in sich geschlossene Gemeinschaft in der Gesellschaft inne hat. .

Erst mit fortschreitender Krise gelang es der Deutschen Bischofskonferenz das Heft in die Hand zu nehmen. Mit der Einrichtung des „Büros für alle Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich“ und der Ernennung des jungen, offen kommunizierenden Bischof Ackermann zum Beauftragten begann die aktive Steuerung nicht nur der Kommunikation sondern auch der Krise. Das sichtbare Bemühen um Aufklärung und Ahndung der Straftaten führt zu einer ersten Glaubwürdigkeitsverbesserung der katholischen Kirche. Auch die öffentliche Kooperation mit Politik und Strafverfolgungsbehörden bei Missbrauchsfällen trägt dazu bei. Die Kirche rückte in den Augen ihrer Mitglieder langsam näher an die Realitäten unserer modernen Gesellschaft.

Die Kommunikation der katholischen Kirche wirkte zu Begin der Krise hilflos, ungesteuert und rein reaktiv. Erst nach und nach wurde das Bemühen deutlich, die Kommunikation und die Krise zu steuern, sowie verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Letzteres ist ein langer Weg.

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