Startseite Ausgabe 07 | brennen - dösen - Was zeichnet starke Glaubenszeugen aus?
   
 
Text: Jens Albers  

Jens Albers, Jahrgang 1980, hat Kommunikationswissenschaft, katholische Theologie und Wirtschaftspolitik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster studiert. Derzeit arbeitet er als Freier Journalist für die Borkener Zeitung und als Chefredakteur für das unabhängige katholische Nachrichtenportal www.kath.de.

 
   

 

 

 

„Öffentlichkeitsarbeit – die Stärke liegt vor Ort“

Ein schlecht kopierter Handzettel hier; ein lieblos, bevorzugt mit der Schriftart Comic-Sans gestaltetes Plakat dort. So, oder zumindest so ähnlich nehmen vielen von uns kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in der heutigen Zeit wahr. Kirche erweckt oft den Eindruck, man halte es nicht für nötig, für seine Sache zu werben, weil es genüge, einfach zu informieren. Alles darüber hinaus, erweckt in vielen Augen schnell den Anschein, Mission zu sein. Nicht nur im Blick auf die aktuelle Mitgliederstatistik sollte jedoch jedem noch so im Misstrauen gegenüber kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit verwurzelten Entscheider eine Sache klar werden: Werbung tut Not -  und das gewaltig!

Einmal zu diesem Entschluss gekommen, erscheint in vielen Fällen schon wieder die nächste Hürde am Horizont. In oft schnell einberufenen Arbeitsgemeinschaften wird dann in meist zähen Sitzungen darüber diskutiert, welche Farbe das neue Logo haben soll, ob nun wirklich eine Internetseite nötig sei oder welches Plakatmotiv nun am besten alle Gemeindemitglieder erreicht. Genau an diesem Punkt erblickt ein oft gemachter Fehler das Tageslicht. Der Leitgedanke: „alle Menschen guten Willens“ erreichen zu wollen, ist sicher ein idealtypisches Ziel, führt in der Realität jedoch oft zum Scheitern einer Werbeaktion.

Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit kann sich mit einer einzelnen Aktion nicht an alle Menschen zu gleich richten, genau so wenig wie jede andere Werbekampagne dies anstrebt. Auch wenn die Botschaft – in meinen Augen eine verdammt gute Botschaft – die Gleiche ist, so muss die Verpackung doch immer wieder angepasst werden. Jedes soziale Milieu braucht seine eigene Verpackung und bevor die Botschaft verpackt wird, muss man sich klar darüber werden, in welches Milieu sie geliefert werden soll.

Hinzu kommt, dass sich kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in der heutigen Zeit nicht mehr primär als reine interne Kommunikation verstehen darf. Wenn es vor 50-70 Jahren noch ausreichte, über die kirchlichen Angebote zu informieren, so ist es in der heutigen Zeit zunehmend notwendig, Menschen nicht nur über das „Was“, sondern auch über das „Warum“ einer kirchlichen Aktion aufzuklären. Menschen müssen vielerorts nicht nur über die Kirche informiert werden, sondern an Kirche herangeführt werden. Diese Tatsache sollten Verantwortliche der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit jedoch nicht als Beleg dafür sehen, dass ihre Arbeit in der vergangenen Zeit keine Früchte getragen hat, sondern vielmehr als Chance begreifen, eine Öffentlichkeitsarbeit zu machen, die näher am Evangelium ist (siehe 1 Petr 3,15). Eine Chance, den Mut zu fassen, neue Wege einzuschlagen und sich abseits der traditionellen Darstellungsformen und der eingefahrenen Aktionen kreativ auszutoben. Warum nicht einmal ein provokatives Plakat an den Glockenturm hängen oder sich mit den Mitteln der modernen Kommunikation mit der Heiligen Schrift auseinander setzen? Der eingeschlagene Weg muss nicht jedem gefallen, aber Anschlusskommunikation ist in den meisten Fällen gewiss.

Ein Blick in die säkulare Werbelandschaft macht deutlich, wohin die Reise gehen kann. So sollte es nicht primäres Ziel einer kirchlichen Öffentlichkeitskampange sein, die Kirche als Institution plakativ in den Mittelpunkt zu stellen und diese als zu bewerbendes Produkt zu verstehen. Der christliche Glaube ist voll von wunderschönen Sinnbildern, welche sich hervorragend für eine werbewirksame Aktion eignen. Die säkulare Medienwelt nutzt diese reihenweise, wenn auch an mancher Stelle sehr zweckentfremdet oder inhaltlich entstellt. Also, warum lassen wir uns dieses wertvolle Gut aus der Hand nehmen und nutzen es nicht für uns.

Zudem verfügt die Kirche meiner Auffassung nach über ein weiteres, sehr wertvolles Charakteristikum, welches sich die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen machen sollte. In den Gemeinden sind zahlreiche Multiplikatoren vorhanden, die zielbringend in eine Werbeaktion integriert werden können. Hierbei sollte der Fokus in meinen Augen jedoch auf dem Wort „integrieren“ liegen. Durch das Plakatset, welches monatlich vom Generalvikariat per Post zugestellt wird, werden die Christen vor Ort nur in den wenigsten Fällen dazu animiert, Werbung für die christliche Botschaft zumachen. Zielführender ist es an dieser Stelle sicherlich, die Basis mit dem nötigen Know-How auszustatten und von der individuellen Kreativität vor Ort zu profitieren.

Und wenn der Mut gefasst wurde, neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit zu gehen, dann wird der Mut und das Vertrauen sicherlich auch auf Entscheidungsebenen wachsen, diese individuelle Werbung vor Ort -  auch wenn sie nicht immer den Kern der Sache aus Sicht mancher zu hundert Prozent trifft- „auszuhalten“.

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