Startseite Ausgabe 07 | brennen - dösen - Was zeichnet starke Glaubenszeugen aus?
   
 
Text: Marjan Rosetz  

Marjan Rosetz, Marjan Rosetz, geboren 1976 in Northeim/ Niedersachsen, hat ein Lehramtsstudium in Gießen und Frankfurt am Main absolviert. Während seines Studiums arbeitete er auch am Thema „Demokratie lernen durch Rituale und Regeln“.



 
   

 

 

 

„Können Kinder Demokratie durch Rituale erlernen?“

Die Thematik ritualisiertes Handeln erzeugt bei den meisten Menschen negative Assoziationen. Hauptsächlich verbindet die Mehrheit damit Verhaltensnormen, die die persönliche Freiheit einschränken und von außen oktroyiert werden. Man bedenke da nur das immer noch häufig praktizierte, allmorgendliche Aufstehen der SchülerInnen in der Schule, wenn die Lehrperson den Klassenraum betritt. Kann ritualisiertes Handeln jedoch auch das Gegenteil bewirken? Kann es Demokratieverständnis internalisieren und demokratische Strukturen im Zusammenleben fördern?

Ein wesentlicher Wert der Demokratie ist, dass jeder in einer Gemeinschaft an dieser partizipieren und seine Meinung äußern darf. Schaut man sich das Zusammenleben in kleinen, wie großen Gemeinschaften an, so scheint sich dieses jedoch meistens eher nach darwinistischen, als nach demokratischen Prinzipien zu vollziehen – ein paar dominante „Alpha-Tiere“ bestimmen das Geschehen und der Rest folgt und schweigt.

Ein in der Schule mittlerweile häufig angewendetes Ritual, um demokratische Kommunikation zu gewährleisten und zu internalisieren ist das des regelmäßig stattfindenden Gesprächskreises mit demokratischen Kommunikationsregeln.

In der Grundschule wird hierbei oft ein „Redestab“, oder „Redestein“ verwendet. Wer diesen hat, darf frei seine Meinung zu unterschiedlichen Thematiken äußern und niemand anderes darf dem „Stabhalter“ ins Wort fallen, oder Kritik äußern, so lange er diesen nicht weitergibt. Dies gewährleistet, dass auch die Schwachen und Schüchternen zu Wort kommen und an der Gemeinschaft partizipieren können, die sonst eher von den Wortführern klein gehalten werden.

Eine Ausweitung dieses Rituals ist, dieses mit regelmäßigen Klassenkonferenzen zu verbinden bei denen demokratisch abgestimmt wird, wie der weitere Unterrichtsverlauf in der nächsten Zeit sein soll.

So kann als Ritual zu Wochenbeginn jeden Montag eine solche Konferenz einberufen werden, bei der sich die SchülerInnen über die Unterrichtsgestaltung der kommenden Woche  mit der Lehrperson beraten und über diesen abstimmen. Es ist nämlich keineswegs so, dass der Unterricht  einzig und allein von der Lehrperson vorzugeben ist.

Zwar geben Lehrpläne Vorgaben über den fachlichen Inhalt des Unterrichts und eine Norm über den Wissensstand zum Ende jedes Schuljahres, jedoch können Lehrmethoden und Wochenverläufe durchaus innerhalb dieses Rahmens von den SchülerInnen selbst bestimmt werden (so fern die Schule dies zulässt…).

So können Rituale und ritualisiertes Handeln durchaus demokratisches Denken und Handeln fördern.

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