Startseite Ausgabe 07 | brennen - dösen - Was zeichnet starke Glaubenszeugen aus?
   
 
Text: Claudia Lücking-Michel  
Dr. Claudia Lücking-Michel ist Generalsekretärin des Cusanuswerks und Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sowie Vorsitzende des Bundesjugendkuratoriums. Das Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland und vergibt staatliche Fördermittel an besonders begabte katholische Studierende aller Fachrichtungen.
 
   

 

 

 

„Was ist aus Ihrer Sicht und Erfahrung die zentrale Kompetenz von Menschen, die führen können und wollen?“

Das Wichtigste nennt die Frage zum Schluss: Wir brauchen Menschen, die führen wollen. Manch einer hätte die Talente, die nötigen sonstigen Ressourcen, will aber lieber seine Ruhe als sich auf eine anstrengende Aufgabe und einen offenen Prozess einzulassen. Stattdessen muss man ein Anliegen haben, das einen umtreibt. Die eigene Karriere, das zukünftige Einkommen – alles häufig anzutreffende Ziele. Wenn ich Leute treffe, die ein inhaltliches Anliegen haben, das über ihre privaten Belange hinausgeht, erscheint mir das viel nachhaltiger. Sie setzen sich kritisch mit einer Problemlage auseinander, entwickeln eigene Lösungsansätze und wollen dann auch selbst gestalten. Sie nehmen nicht die beliebten Plätze auf der Tribüne ein, wo sie als Zuschauer die Akteure in der Arena beschimpfen, sondern gehen selbst „runter“ und übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, in der sie leben.

Zu dem Wollen sollte dann möglichst das passende Können hinzukommen. Zeit-, Selbst-, und Projektmanagement, Teambuilding, Mitarbeiterführung – alles Instrumente, die zu beherrschen hilfreich ist. Doch zentrale Kompetenzen gibt es gerade nicht auf dem Markt der Führungskräfteschulungen zu erwerben.

Gute Führungskräfte „brennen“ für ihr Anliegen, wissen aber, dass sie dies nur gemeinsam mit ihren Mitarbeitern erreichen können – und zwar mit Mitarbeitern, die ebenso brennen. Deshalb heißt gute Führung für mich kommunikativ und gesprächsfähig zu sein. Erklären können; die anderen bei der Problemlösung ernsthaft einbeziehen, motivieren und zwar gerade dann, wenn es schwierig wird. Nicht, in dem sie so tun, als wäre ja alles nicht so schlimm oder die anderen sollten sich mal ja nicht „anstellen“, sondern in dem sie alle ins Boot holen und deutlich machen, dass das gemeinsame Ziel alle Mühe und allen Ärger lohnt. Gut, wenn man dafür selbst eine gewisse Gelassenheit und Nervenstärke mitbringt, sich selbst - gerade in Krisensituationen - in Griff hat und nicht nur kritikfähig ist, sondern auch die eigene gute Laune nicht so schnell verliert.

Als Christin weiß ich mich außerdem getragen von der Liebe Gottes. Seine Botschaft ist: „Zur Freiheit seid ihr berufen!“ Zur Freiheit, damit ihr selbst frei von übermächtigen äußeren Zwängen handeln könnt und im Vertrauen darauf, dass von Euch alles verlangt wird, was ihr könnt, aber nicht alles von Euch allein abhängt.

Das Cusanuswerk will diese zukünftigen Führungskräfte ermutigen und auf ihrem Weg begleiten. Es hat sich dabei immer so verstanden, dass es einen wichtigen Dienst der Kirche an der modernen Welt ermöglicht. Gefördert und ermutigt auf ihrem Weg werden deshalb von uns hochtalentierte junge Frauen und Männer, die ihre Fähigkeiten mit einer überzeugenden Persönlichkeit, einem reflektierten Glaubensweg und einer engagierten Kirchlichkeit verbinden.

nach oben