Startseite Ausgabe 06 | offen - heimlich - Wie kommuniziert man heute Liebe?
   
 
Text: Stefan Schmortte
 

Stefan Schmortte, Jahrgang 1961, hat nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster studiert. Seit Juli 2002 ist er Chefredakteur des Playboy Deutschland.

 
   
 

„Sie verbinden in Ihrem Magazin Erotik mit Ästhetik. Vor diesem Hintergrund unsere Frage an Sie: Was hat Liebe mit Sex zu tun? Mit Schönheit? Mit Würde?“

Liebe und Sex haben zunächst einmal gar nichts miteinander zu tun. Im Laufe ihres Lebens erleben Menschen jede Menge Sex, aber nur selten tiefe Liebe. Sex hat schon eher etwas mit Begehren zu tun, und dieses Verlangen reicht manchmal eben nur für eine Nacht. Schönheit ist dabei fast immer im Spiel, aber die Würde bleibt am nächsten Morgen oft der Strecke.

Andersherum ist die Sache sogar noch komplizierter: Wenn Liebe da ist, aber der Sex zwischen den Beiden fad und langweilig. Dann wird auch diese Beziehung bald zerbrechen. Im besten Fall retten die Beiden ihre Freundschaft und Verbundenheit. Eine Liebe wie zwischen Bruder und Schwester. Immerhin: Die Würde bleibt in diesem Fall gewahrt.

Aber wenn beides zusammen kommt – die tiefe Liebe und der gute Sex – dann ist diese Verbindung kaum zu schlagen. Dann haben wir das wieder gefunden, was Platon in seinem „Gastmahl“ als verloren betrauerte. Dann ist der Kugelmensch wieder eins. Jenes ursprüngliche Wesen, das Zeus zur Strafe für seine Hochmut in zwei Teile spaltete und so die Sehnsucht in den Menschen pflanzte, auf die Suche nach seiner verlorenen Hälfte zu gehen. Nach dem passenden Mann, nach der passenden Frau.

Was im übrigen zu jeder Menge Missverständnisse im Laufe eines Menschenlebens führt. Wenn wir diese Hälfte aber gefunden haben, dann halten wir den Jackpot des Lebens in unseren Händen: Liebe, Sex, Würde und Schönheit.

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