Startseite Ausgabe 06 | offen - heimlich - Wie kommuniziert man heute Liebe?
   
 
Text: Alexander Hahn
 
Alexander Hahn ist geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Satelliten Media Design in Hamburg, Markenexperte, Sprach- und  Trendforscher und Mitgründer des Online-Portals Slogans.de (www.slogans.de).  
   

 

 

 

„Viele Firmen (Edeka, Mini, McDonalds usw.) haben die Logik des‚emphatic marketing’ für sich entdeckt und produzieren Slogans mit dem Wortfeld ‚Liebe’. Warum ist das so und wie viele Liebe-Slogans finden sich unter slogans.de?“

Wir leben heute in einer Zeit der wirtschaftlichen Ungewissheit und des persönlichen Wertewandels. Langjährige Sicherheiten unseres Lebens brechen weg, Dogmen werden in Frage gestellt, und auch unsere  Heimat als Fixpunkt verliert durch die zunehmende Globalisierung ihre Funktion. So fühlen wir uns in unserer Identität mehr und mehr haltlos und suchen wieder Beständigkeit, Geborgenheit und Vertrauen.

Viele Markenunternehmen haben diese Situation erkannt und verleihen ihren Produkten durch betont emotionale Slogans eine deutliche Haltung, die polarisiert und unter die Haut geht. Durch das Wort "Liebe" in all seinen Varianten bieten Marken Orientierung, motivieren und signalisieren, das man sich mit ganzem Herzen für den Verbraucher einsetzt, für ihn da ist und ihn als Person wahrnimmt. Ob für Supermärkte: "Wir lieben Lebensmittel" (Edeka), Kreditkarten: "Liebe jeden Tag" (Visa), TV-Sender:"Wir lieben Kino" (Tele 5), Banken: "Leistung aus Leidenschaft" (Deutsche Bank), Städte: "Munich loves you" (München) oder auch Airlines: "Wir lieben Fliegen" (Condor) - das Thema Liebe macht vor keiner Branche halt und lässt auch technische Produkte emotionaler erscheinen: "Wir lieben Technik. Wir hassen teuer." (Saturn). So nehmen wir Unternehmen und Produkte nicht mehr nur als Waren und profitorientierte Dienstleister wahr, sondern ein neuer Glaube an Marken, ihr Qualitätsversprechen und die Menschen dahinter wird aufgebaut.

Mit der regelmäßigen Erfassung von Werbeslogans in unserer Online-Datenbank "Slogans.de" gehen wir den sprachlichen und thematischen 
Trends der Werbung als Spiegel der Gesellschaft auf den Grund. Die auffälligsten Entwicklungen werden in unserer Studienreihe "Werbetrends" jährlich statistisch erhoben und fixiert. Über 500 Markenslogans mit dem Wortfeld "Liebe", "Leidenschaft" oder verwandten Synonymen lassen sich aktuell in der Datenbank nachweisen, wobei insbesondere eine Häufung des Wortes in Branchen auffällt, die in der Vergangenheit eher konservativ und rational auftraten. "Liebe" wird so zum Impulsgeber und Hoffnungsträger für eine neue Kundennähe und Menschlichkeit in der Wirtschaft.

nach oben