Startseite Ausgabe 06 | offen - heimlich - Wie kommuniziert man heute Liebe?
   
 
Text: Margit Haupt  
Margit Haupt ist seit 1998 als Psychotherapeutin selbstständig. Die Psychologin arbeitet seit vielen Jahren als Studio-Therapeutin verschiedener ProSieben Formate und als Beraterin von Partner.de.  
   

 

 

 

„Sie unterstützen die Partnersuche von tausenden von Menschen und erleben hautnah die Wünsche nach Beziehung und Liebe. Was sagen Sie aus Ihrer professionellen Erfahrung heraus: Wie kann man anderen Menschen am besten zeigen, dass man den Wunsch nach Liebe hat?“

Das Bedürfnis nach Liebe, Nähe und Partnerschaft lebt durch alle Zeiten, Kulturen und Lebensformen unverändert und tief verwurzelt im Menschen fort. Während in früheren Zeiten die Partnerwahl  durch Gruppenzugehörigkeiten und gesellschaftliche Normen stark reglementiert war und eher pragmatische Züge trug, treten  heute  romantische und idealisierte Liebeswünsche einen heimlichen Siegeszug an. Hochzeiten in Weiß sind in Mode und die Gründung einer Familie nimmt wieder einen festen Platz in der Lebensplanung ein.

Das Internet ebnete den Weg für ganz neue Formen der Kommunikation und viele Partnersuchende bedienen sich heute dieser Möglichkeit. Der Zulauf an Anmeldungen bei Matchmaking-Portalen wie neu.de und partner.de bestätigt diesen Trend. Die Möglichkeit, die eigentliche Identität hinter der Anonymität eines Online-Profils zu verbergen, bietet Raum für Idealisierungen. Die Rolle, die man bewusst nach außen hin einnimmt, kann hier für einen Moment abgelegt werden und das innere Wesen sucht sich Ausdrucksformen. Hinter dem Heimlichen, dem Verdeckten kann auch der zaghafte Versuch stehen, diese inneren Wesenswelten lebendig werden zu lassen. Der Wunsch und die Sehnsucht nach Liebe und Partnerschaft kann hier noch gefahrlos geäußert werden.

Die Coaching-Arbeit bei partner.de hat aber gezeigt, dass diese scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der Kontaktanbahnung die Betreffenden auch vor ein Problem stellen, nämlich dann, wenn es darum geht, den anfänglichen, rein geistigen Austausch in die reale Welt zu transferieren. Dies geschieht immer dann, wenn man sich mit einem potentiellen Partner verabredet. Je weiter die äußere Identität oder die Rolle eines Menschen von seinem inneren Wesen entfernt ist, desto mehr gerät er in Schwierigkeiten, sich zu öffnen und sich zu zeigen. Auch die gleichzeitige Idealisierung eines anderen Menschen, der Wunsch nach dem „Traumpartner“ führt an dieser Stelle oft zu Enttäuschungen. Die konkrete Erfahrungsebene, bei der auch die sinnlichen Empfindungen eines Menschen mit angesprochen werden, lässt wenig Raum für Träume.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma kann sein, dass man sich vergegenwärtigt, inwieweit eigene Rolle und Wesen im Einklang sind und inwieweit Idealisierungen das Partnerbild überfrachten. Eine aufrichtige Selbstbetrachtung und -einschätzung ist die Voraussetzung für eine funktionierende Partnerschaft.

Das Bedürfnis nach Liebe und Nähe offen zu äußern, birgt auch immer die Gefahr der Zurückweisung in sich. An dieser Stelle sind viele Menschen, zum Teil aufgrund frühkindlkindlicher Erfahrungen, äußert verwundbar. Die Ahnung um diese Verletzlichkeit führt oft unbewusst dazu, die tatsächliche Begegnung hinauszögern oder gar zu vermeiden. Anderen Menschen zu zeigen, dass man den Wunsch nach Liebe hat, setzt auch voraus, dass man den Mut aufbringt, sich seiner Gefühlswelt zu stellen und das Risiko einer Zurückweisung und die damit verbundenen Schmerzen anzunehmen. 

Wenn man sich entschließt, über ein Online-Portal auf Partnersuche zu gehen, empfiehlt es sich, ehrlich zu sein bei der Darstellung seiner Person. Das eigene Profil und das Foto sollten möglichst die Realität wiedergeben. Die Gefahr einer Zurückweisung reduziert sich damit enorm, weil der andere vorher weiß, wem er begegnen wird. Und ganz gleich, in welcher Welt wir aufeinander zugehen, der Wunsch nach Liebe und menschlicher Nähe ist uns allen zueigen und schon ihn zu zeigen, heißt, einander begegnen.

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