Startseite Ausgabe 04 | Erreicht/Unerreicht – Welche Zielgruppen spricht Kirche heute noch an?
   
 
Text/Bilder: Martin Steffen
 
Martin Steffen ist Fotograf und arbeitet sowohl für Profit- als auch Nonprofit-Unternehmen.
 
   

 

 

 

„Wie beurteilen Sie die Entwicklung, dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt wird?“

Die Aufgabe der Fotografie in der Kommunikation hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Fotos werden in immer größerem Maße zu einem Vehikel des Imagetransfers. Und zwar nicht mehr nur in der Popkultur. Kunden wollen nicht mehr nur ein Foto als Dokument, sie wollen einen „Look“, möglichst einen eigenen. Agenturen basteln Moodboards, beim Briefing fallen Worte wie Tonalilty. Es geht nicht mehr nur um den Inhalt, sondern immer mehr auch um das, was mitschwingt. Das Miterzählte.

Ich begrüße diese Entwicklung, denn sie kommt dem Wesen der Fotografie nahe. Auch wenn er platt klingt: Der Satz mit dem Bild und den tausend Worten stimmt. Bilder transportieren Gefühle und Emotionen deutlicher als Worte. Ich denke, kirchliche Kommunikation kann und sollte sich dies zu Nutzen machen.

Bilder

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Die Fotografie in Deutschland wurde in den letzten Jahren bestimmt durch eine ausgeprägte Sachlichkeit. Die Bechers, Ruffs und Struths sind weltweit Bestseller in den Galerien. Wie ich finde, zu Recht. Die übergroßen, reproähnlichen Ruff-Portraits zum Beispiel wirken durch ihre extreme Sachlichkeit und Emotionslosigkeit. Aber natürlich nur in diesem Kunstzusammenhang. Und nur im Museum.

Werbung und redaktionelle Fotografie haben diese kühle, distanzierte Haltung leider häufig übernommen, für chic erklärt und in die Alltagskommunikation übertragen. Ich denke, kirchliche Kommunikation sollte dort eine andere fotografische Position einnehmen. Für mich sind hier die zentralen Inhalte, die mitschwingen und spürbar werden sollten, Menschlichkeit, Nächstenliebe, Solidarität und Engagement.

Bei meiner Arbeit und besonders bei der für Hilfsorganisationen möchte ich vor allem eines: solidarisch über Menschen berichten. Ich möchte die Lebensumstände der Menschen sehbar und erfahrbar machen. Meiner Meinung nach geht das nur durch eines: Nähe. Und das meine ich nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch rein physisch. Ich benutze fast nur ein 35mm Weitwinkelobjektiv. Dieses Objektiv zwingt mich, nah heranzugehen und diese Nähe spürt man in den Bildern. Heranzoomen aus großer Entfernung, auch wenn dies oft der leichtere Weg wäre, kann dies nicht schaffen.

Die Menschen, die ich fotografiere, müssen meine Nähe zulassen und ertragen. Das ist sicher oft nicht leicht. Das braucht Vertrauen und Zeit. Vorsichtiges Aufeinanderzugehen. Manchmal klappt das nicht: Dann pack ich die Kamera halt wieder ein.

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