| |
 |
|
editorial
Sinnstiftermag – fünfte
Ausgabe
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss von
Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von einer
gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien.
Medien transportieren sinnhafte Inhalte
und sind in dieser medialen Funktion vor allem selbst sinnhaft.
Sie können gar nicht anders. Damit sind sie religionsproduktiv.
In Partnerschaft mit Akteuren aus Kommunikation und Kirche sucht
sinnstiftermag nach den Analogien religiöser und medialer Kommunikation.
weiter
» |
| |
|
|
|
|
| |
 |
|
Titelstory
Bilder überall
Das digitale Zeitalter hat eine kaum
mehr überblickbare Anzahl an Bildern. Bilder faszinieren und
Bilder wirken. Nicht nur Kulturpessimisten beklagen sich, dass wir
im digitalen Medienzeitalter in einer immer wieder rasch konstatierten
Bilderflut ertränkt werden und fordern ein neues Orientierungswissen.
Eine Kultur des kritischen Umgangs mit Bildern ist allerdings noch
kaum realisiert.
weiter
» |
|
| |
|
|
|
|
| |
 |
|
interview
„Bitte im iconic turn nicht
denkfaul werden…“
Der iconic turn ist nicht bedrohlich. Die
innere Spannung von Wort und Bild finden wir schon seit Beginn des
Philosophierens vor. Aber man muss man über bestimmte Gefahren
und Ambivalenzen sprechen, so Professor Klaus Müller. weiter
» |
| |
 |
|
statements
Meinungen
Was sagen Fotografen, Designer, Künstler
und Theologen zum Thema Iconic Turn? Wie groß schätzen
sie die Macht der Bilder ein? Größer als die Kraft des
Wortes? Neun Profis geben Antwort. weiter
» |
| |
 |
|
über
die autoren
Kurze biographische Notizen
Die Machen von sinnstiftermag bedanken sich
für Beiträge, Mitarbeit, Engagement und Meinung von Klaus
Müller, Orlando Budelacci, Tom Jacobi, Lars Henrik Gass, Patrik
Scherrer, Sabine Carter, Francesca D’Amicis, Oliver Jordan,
Johannes Röser, Martin Steffen, Julia Heinemann.
weiter »
nach oben |
| |
|
|
|
|
| |
Sinnstiftermag
ist ein:
– Magazin, das dreimal im
Jahr über Kirche und Kommunikation reflektiert
– Projekt im Schnittbereich kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit
und werblicher Kommunikation
– Radar zur Ortung interessanter Themen und Menschen im kirchlich-medialen
Umfeld |
|
| |
|
|
|
|
| |
 |
 |
| Bild: photocase.com |
|
Die sechste Ausgabe von sinnstiftermag
erscheint
demnächst.
Klicken Sie sich wieder ein! |
|
| |
|
|
|
Wort/Bild - Die großen Kirchen
im harten Wettbewerb um visuelle Aufmerksamkeit
Die fünfte Ausgabe von sinnstiftermag
Keine Frage: Unsere Gesellschaft ist eine
Bildgesellschaft. Wer heute überzeugen will, muss ein gutes
Bild abgeben – sei es im Bereich der Politik, der Wirtschaft,
sogar der Wissenschaft. 'Iconic turn' nennen das die Fachleute.
Wie bewährt sich das Christentum als
eine Religion des Wortes in einer Gesellschaft der Bilder? Das ist
in dieser Ausgabe des sinnstiftermag unsere Frage. Ist in den Kirchen
die Herausforderung des iconic turn angekommen? Das Wort ist ja
Fleisch geworden – kann es auch Bild werden?
So ein Thema verlangt natürlich selbst
danach, ein gutes Bild abzugeben. Darum bietet die Nr 5 auch eine
längere Bildstrecke (Statement
Martin Steffen). Aber wir hatten auch sehr interessante Gesprächspartner:
Wortkünstler wie den Philosophen Klaus Müller, der der
Kirche mutigere Bildauftritte empfiehlt. Und Bildkünstler wie
Oliver Jordan, der über die Sehnsucht nach Bildern schreibt:
„Der Mensch sehnt sich nach Dauer und lehnt sich gegen das
tägliche Verschwinden des Sichtbaren auf.“
Lesen und schauen Sie rein!
Ihre sinnstiftermag-Redaktion
nach oben |
| |
 |
 |
Text: Dr. Orlando
Budelacci, eikones
Bild: Martin Steffen/Adveniat
|
|
|
|
| |
|
 |
| |
 |
 |
Der Nationale Forschungsschwerpunkt
(NFS) «Bildkritik», «eikones»,
der über 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
unterschiedlicher Disziplinen an der Universität Basel
vereint, verfolgt die Leitfrage, welche Macht und Bedeutung
Bilder haben. Wie Bilder ihren Sinn erzeugen, wurde bisher
nur ungenügend behandelt. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher
Disziplinen (Philosophie, Kunstgeschichte,
Literaturwissenschaft, Ägyptologie, Informatik, Naturwissenschaften
etc.) an gemeinsamen Frage-stellungen wird in diesem weltweit
einmaligen Forschungszentrum das Bild als universelles Symbolsystem
erforscht.
Der NFS «Bildkritik» verbindet Grundlagenforschung
mit Einzelfallstudien und integriert andere Universitäten,
Fach- hochschulen, Museen und Sammlungen zu einem innovativen
interdisziplinären Forschungszentrum mit inter-nationaler
Ausstrahlung. In ihm untersuchen kreative Grenzgänger
der Disziplinen, was sie denn sind – die Bilder.
|
|
| |
|
 |
 |
 |
 |
| Dr. Orlando Budelacci war
Assistent und Oberassistent am interdisziplinären Europainstitut
der Universität Basel (bei Prof. Dr. Georg Kreis) und danach
Fakultäts- und Studiengangmanager der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Luzern. Er ist wissenschaftlicher
Geschäftsführer des Nationalen Forschungsschwerpunktes
eikones „Bildkritik“. |
|
| |
|
|
|
Bilder überall
Ein eigener Zugang zur Welt
Bilder
sind omnipräsent. Sie begegnen uns nicht nur in der
Tagespresse, am Fernseher, im Internet, im Warenhauskatalog, im
Kino, auf Überwachungskameras, im Theater und beim Museumsbesuch,
sondern auch in Wissenschaft und Technik. Das digitale Zeitalter
hat eine kaum mehr überblickbare Anzahl an Bildern hervorgebracht,
die in unserem Alltag einen bedeutenden Stellenwert eingenommen
haben.
Bildern wird
eine auratische und teilweise magische Kraft zugeschrieben. Es scheint
unbestritten, dass sie sich besonders dazu eignen, die Aufmerksamkeit
ganz auf sich zu ziehen: Bilder faszinieren und Bilder wirken. Ein
Beispiel aus der Literatur mag dies stellvertretend für andere
verdeutlichen: Dostojewski befasst sich in seinem Roman „Der
Idiot“ nachdenklich mit dem Bildnis des toten Christus, das
im Kunstmuseum Basel hängt und das Dostojewski bei seinem Aufenthalt
in der Schweiz sehr beeindruckt hat. Er lässt den Fürsten
Myschkin im Roman sagen: „Dieses Bild! Vor diesem Bild kann
noch mancher seinen Glauben verlieren.“ Das Beispiel aus dem
Fundus der Literaturgeschichte mag illustrieren, welche bedeutsame
Macht den Bildern zugeschrieben wird. Sie können nicht nur
Glauben stiften, sondern ihn auch nehmen. Sie erfüllen den
Raum mit ihrer gesteigerten Gegenwart; sie beeinflussen, irritieren
und überzeugen.
Das
gilt sowohl für den privaten Kontext des Glaubens,
wie das Beispiel Dostojewskis zeigt, aber auch für weitere
Formen des privaten Bildgebrauchs. Die Fotos unserer Liebsten bewahren
wir sorgsam im Fotoalbum oder neuerdings auf der Festplatte des
Computers auf und manchmal gehen wir so mit ihnen um, als ob die
Fotos die Personen selbst wären. Das bewusste Entfernen eines
Fotos aus der privaten Bildersammlung korrespondiert zumeist mit
einem emotionalen Aufräumen und einer veränderten Rolle,
welche die dargestellte Person im eigenen Leben spielen soll. Bilder
werden hier als Stellvertreter der Personen anerkannt, die auf ihnen
festgehalten sind.
Ein anderes Beispiel
aus dem persönlichen Umfeld: Das freudige Ereignis einer bevorstehenden
Geburt eines Kindes wird erst dann vollumfänglich verstanden,
wenn das ungeborene Kind auf den Ultraschall-Aufnahmen gesehen und
Bekannten und Verwandten gezeigt wird: „Seht her, das ist
das Kind.“ Bildgebende Verfahren in der Naturwissenschaften
machen uns zudem sichtbar, was wir mit eigenen Augen und ohne informationstechnische
Visualisierung nicht sehen könnten: Unsichtbares wird sichtbar.
Oder denken sie etwa an das Hubble-Weltraumteleskop, das höchstempfindliche
Aufnahmen zum Studium der Entwicklung von Galaxien geliefert hat.
Und in der Politik? Im öffentlich-politischen Raum stehen Bilder
unter Manipulationsverdacht und die Geschichte der Politik ist reich
an Versuchen, mittels Ausblendung und Blickverschiebung eine bestimmte
Wirklichkeit herzustellen. Bilder werden politisch gesetzt, damit
sie eine bestimmte Wirkung erzielen.
Nicht nur Kulturpessimisten beklagen
sich, dass wir im digitalen Medienzeitalter in einer immer
wieder rasch konstatierten Bilderflut ertränkt werden und fordern
ein neues Orientierungswissen. Eine Kultur des kritischen Umgangs
mit Bildern ist allerdings noch kaum realisiert. Die suggestive
und verführerische Wirkung der Bilder, die jedem unmittelbar
einleuchtet, bedarf einer Bildkompetenz, die dazu anleitet, ihre
rhetorischen und psychologischen Mechanismen aufzuschlüsseln.
Das Feld der Bildanalyse wurde bisher fast exklusiv den Kunsthistorikerinnen
und Kunsthistorikern überlassen. Ihnen vertrauen wir noch immer,
wenn wir mit Audioguides ausgestattet eine Ausstellung besuchen
und uns über
sprachlich artikulierte Seh-Anweisungen die Augen öffnen lassen.
Das kritische Differenzierungswissen im Umgang mit Bildern ist weit
über den Museumsbesuch hinaus zu einer notwendigen Kompetenz
geworden, denn die digitale Revolution und die globale Live-Verfügbarkeit
von Bildern hat neue Bildermengen erzeugt, die unseren medialen
Alltag prägen. Hierzu drei Beispiele:
1. Die Live-Übertragung
der Bilder von der ersten Mondlandung hat das überwältigende
Ereignis 500 Mio. Zuschauern auf der Welt direkt in die Wohnstube
gebracht und war eines der medialen und technologischen Schlüsselereignisse
des 20. Jahrhunderts, denn die Bilder selbst waren hier das Ereignis.
Das globale Dorf ist der simultane Schauplatz des Spektakels oder
wie es Willibald Sauerländer formuliert hat: „Die neue
Macht der Bilder schwingt zwischen anbetender Isolationshaft und
ortloser Öffentlichkeit“.
2. Jacques Derrida
bemerkte im Hinblick auf die Ereignisse vom 11. September, dass
der Krieg der Bilder und Diskurse immer schneller verläuft
und gleichzeitig Wahrheit immer schneller verstellt und ausgespart
wird. Auf der Ebene der Bilder wurde hier der 11. September zum
„archaischen Theater der Gewalt, das die Imagination treffen
sollte“. Die Symbolkraft des World Trade Centers war auch
deshalb so gross, weil es zugleich ein Angriff auf eine Ikone war,
welche Amerika symbolisierte. Das lokale Ereignis wurde durch die
weltweite Live-Übertragung erst zu einem globalen Medienereignis.
Die Welt sah zu, wie zwei Türme in Manhattan und zugleich ein
amerikanisches Symbol zerstört wurden. Aus der sicheren Distanz
des Zuschauers konnte man das schreckliche Ereignis als ästhetisches
Faszinosum beobachten.
3. Visuelle Inszenierung
von Politik: Wer global-medial über Bilder verfügt, kann
in einer gegebenen Situation die Bilder entsprechend einsetzen.
Bei der Gefangennahme Saddam Husseins gingen die Bilder seiner Höhle
und seiner ungepflegten Erscheinung um die Welt. Die Absicht war
klar und damit wurde eine bewährte – auch sprachliche
– Rhetorik bemüht. Wer in Höhlen wohnt und zivilisatorisch
verwildert ist, ist kein Mensch. Wer kein Mensch ist, sondern beast,
den muss man nicht nach den Regeln der menschlichen Moral behandeln.
Die Bilder sind hier Teil einer Strategie politischer und moralischer
Selbstlegitimierung. Mittels ihrer Hilfe wird versucht, rechtliche
und moralische Regeln ausser Kraft zu setzen. Das unterstreicht
einmal mehr, dass Bilder eingesetzt werden, weil man ihnen viel
zutraut. Sie verkaufen eine Botschaft, die man glauben und nicht
hinterfragen soll.
Die Beispiele verdeutlichen,
ohne sich der Klage eines Zuviel an Bildern anzuschliessen,
dass wir verstehen müssen, wie Bilder funktionieren, um ihrer
suggestiven Kraft nicht unkritisch gegenüberzustehen. Vielleicht
kann man im Anschluss an Hegels Diktum, dass die Philosophie ihre
Zeit in ihre Gedanken fasst, Folgendes formulieren: Wer die Welt
und sich selbst zu begreifen sucht, kann nicht darauf verzichten,
zu wissen, was die Bilder sind und welche Macht und Bedeutung sie
haben. Was in einer digital revolutionierten Welt, in der Bilder
ortlos geworden sind, fehlt, ist ein analog zur Sprache breit etablierter,
kritischer Umgang mit ihnen: eine ikonische Alphabetisierung.
Bilder erklären sich nicht selbst. Ihre Komplexität steht
im Widerspruch zur Naivität, mit der man ihnen allzu oft begegnet.
Wer die Augen öffnet und sieht, hat nicht notwendigerweise
die bildanalytischen Fähigkeiten erworben, Bilder zu „lesen“.
Der iconic turn hat die bisher im Schatten der Sprache stehenden
Bilder ins Licht gerückt:
Sie eröffnen einen eigenen
Zugang zur Welt.
nach obeN
|
| |
 |
 |
Im Interview:
Prof. Klaus Müller
Foto: photocase.com © F.Weißenstein
|
|
|
|
| |
|
 |
 |
 |
 |
| Professor Dr. Dr. habil.
Klaus Müller, geb. 1955 in Regensburg, hat Katholische
Theologie und Philosophie in Regensburg, Rom, München und
Freiburg studiert. Seit 1996 ist er Universitäts-Professor
und Direktor des Seminars für Philosophische Grundfragen
der Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster. |
|
| |
|
|
|
„Bitte im iconic turn nicht denkfaul
werden…“
Interview mit Prof. Klaus Müller
Klaus Müller ist ein Denker. Als Religionsphilosoph
an der Universität Münster betreibt er eine Grundlagenforschung
ganz eigener Art. Ihn interessieren die intellektuellen Tiefenströme
der modernen Kultur, das Bedenken ihrer Bedingungen und Folgen.
Klaus Müller hat sich intensiv mit den Phänomen der Cyberreligion,
der Mythik der neuen Medien und den Standards der Bildkommunikation
auseinandergesetzt. Sinnstiftermag wollte wissen: Wie denkt ein
solcher Profi des Wortes über den iconic turn?
Wann und
wie ist Ihnen der Begriff des Iconic turn zum ersten Mal begegnet
und was hat er in Ihnen ausgelöst?
Begegnet ist mir der Begriff im Rahmen
der Beschäftigung mit dem Thema des jüdisch-christlichen
Bilder-Verbots. Der Terminus iconic turn hat mich sofort elektrisiert,
weil für mich mit 'turn' philosophisch zwei andere wichtige
Einschnitte in der abendländischen Philosophie verbunden sind:
die Wendung zum Subjekt bei Kant und die Wendung zur Sprache, zum
Wort in der abendländischen Philosophie der 20er Jahre bei
Wittgenstein und anderen. Mich interessiert, ob mit der Behauptung
eines iconic turn kulturell-philosophisch ein ähnlicher Anspruch
verbunden ist.
Wie würden
Sie auf der Straße jemandem erklären, was der iconic
turn ist?
Wir fassen mit diesem Begriff die offenkundige
Wendung unserer kulturellen Kommunikation zu den Bildern. Dies ist
nicht absolut, aber dass die Bildkommunikation deutlich im Vormarsch
ist, das ist für alle wahrnehmbar, die ein bisschen bewusst
durch die Welt gehen.
Als Philosoph
sind Sie ein Profi des Wortes: Ist der Iconic turn eine Entwicklung,
die Sie als bedrohlich empfinden?
Bedrohlich? Nein. Natürlich muss
man über bestimmte Gefahren, Ambivalenzen sprechen. Aber zunächst
ist wichtig, dass wir die innere Spannung von Wort und Bild schon
seit Beginn des Philosophierens vorfinden. Da ist das optische Paradigma,
etwa bei Platon, der von der Schau der ewigen Ideen spricht, verbunden
mit Licht und Schatten. Und da ist das akustische Paradigma, etwa
bei Pythagoras. Der bringt eine Harmoniephilosophie der Töne,
die man als Mensch hört, vernimmt. Das akustische Paradigma
hat dann eine besondere Rolle in der Entstehung der großen
Monotheismen übernommen, die zu Religionen des Wortes heranwachsen.
Denken Sie etwa an das im Judentum konstitutive
Sch'ma Israel, das "Höre Israel", mit dem Jahwe sein
auserwähltes Volk anspricht. In der Philosophie und der Geschichte
finden wir dauernd das Ringen zwischen beiden Paradigmen, welches
Paradigma gewissermaßen die Leitfigur wird für eine bestimmte
Epoche des Denkens. Man muss sagen, lange Phasen der christlichen
Theologie und der Metaphysik ist auch das optische Paradigma durchaus
führend gewesen. Aber es gab eben immer wieder darauf folgend
diese Querschüsse der Hörphilosophie und auch der Theologie
des Wortes, also des Hinhörens. Etwa Heideggers Philosophie
ist eine typische Philosophie des Hinhörens. Heute scheint
es so zu sein, dass das optische Paradigma wieder übernimmt.
Wo ist der
Unterschied von Wort und Bild? Und ist dieser Unterschied strukturell?
Ja, das meine ich schon. Es sind zwei
sehr verschiedene Eigenlogiken. Das Wort stimuliert Fantasie, während
das Bild eher festlegt. Dagegen erlauben Bilder eine sehr viel unmittelbarere,
konkretere Kommunikation. Die Wahrnehmungspsychologen sagen uns,
dass das Rezipieren von Bildern relativ schnell an Grenzen stößt,
weil unsere offenkundige Verarbeitungsfähigkeit doch sehr begrenzt
zu sein scheint.
Die permanente Überlastung oder auch
Überflutung durch Fremdbilder, Außenbilder, kann das
eigene Bildrepertoire überlagern und sogar vertrocknen lassen.
Dazu kommt, dass das massenhafte Konsumieren von z.B. TV-Bildern
nicht ohne Einfluss auf die sprachlichen Kompetenzen etwa gerade
von Kindern und Schülern bleibt. Da scheint mir was dran zu
sein.
Aber als
die Menschen noch nicht lesen und schreiben konnten, war doch das
Bild dominierend. Trotzdem soll ein Zuviel an Bildern den Menschen
überfordern können?
Man muss sehen, dass die Bilder der Menschen
in der Zeit vor der Verschriftlichung sehr viel stärker ins
Erzählen eingebettet waren. Sie waren Verdichtungen, Chiffren
für große, identitätsstiftende Erzählungen.
Heute aber treten die Bilder an die Stelle der Worte.
Hängt
der iconic turn auch mit dem zusammen, was Zeitdiagnostiker als
'Krise des Wortes' oder gar der Rationalität an sich bezeichnen?
Ja, es ist prekär geworden, sich
mit Begriffen und differenzierten Sprachketten zu verständigen.
Ich sehe auch noch weiter ausgreifende Ursachen, die alle die Bildkommunikation
vor der des Wortes zu begünstigen scheinen. Da ist zum einen
der Durchbruch der technischen Möglichkeiten der Wissensgesellschaft,
PC, Handy, GPS usw., der unsere Kommunikation internationalisiert,
mediatisiert und über die ikonischen Benutzeroberflächen
auch intensiv visualisiert.
Sicherlich hat etwa die Konjunktur der
Bildkommunikation viel zu tun mit dem Versuche einer lingua franca,
also einer für alle verständlichen Kommunikationsform
und einer Vereinfachung von Kommunikation. Das ist angesichts der
Internationalisierung unserer sozialen Beziehungen und ihrem gegebenen
Sprachenwirrwarr ein sicher notwendiges Projekt.
Nehmen wir als Beispiel die Piktogramme
von Otl Aicher zu den Olympischen Spielen in München 1972 –
was für geniale, faszinierende Bilder! Die Klarheit, die Farbigkeit,
die durch sie ermöglichte Navigation, die bis heute gilt. Und,
man muss das wissen, der Aicher hatte im Hintergrund einerseits
die japanische Grafik, auf der anderen Seite die Thesen von Wittgenstein,
nach der die Abbildfunktion der Sprache mit Wörtern nicht umgesetzt
werden kann. Aber mit Piktogrammen. 1972, das waren poetische Piktogramme,
von einer Qualität, die die heutige emotical communication,
z.B. in der Benutzerführung im Internet so nicht erreicht.
Übrigens ist heute ein großer Tag, heute feiert der Smiley
seinen 25 Geburtstag. Auch so ein Element der lingua franca.
Aber können
denn Piktogramme, Symbole, Bilder die Last der ganzen heutigen Kommunikation
schultern?
Eben nicht, und das ist die Ambivalenz.
Sehen Sie, diskursive Kommunikation ist immer sehr differenziert,
durch den Einsatz von Nebensätzen usw. Insofern wirken optische
Kommunikationen entdifferenzierend. An vielen Stellen aber darf
gerade diese Differenzierung nicht verloren gehen.
Nehmen Sie meinen Beruf. Ich habe lange
darüber nachgedacht, ob ich nicht das Programm Powerpoint für
Philosophie-Vorlesungen verwenden soll. Ich habe mich entschieden,
das nicht zu tun. Zwar verstehe ich jeden Kollegen, der das tut
und z.B. im Fach Kirchengeschichte graphische Bebilderung von geographischen
Verteilungen anbietet. Das geht. Aber differenzierte Gedankenführungen
kann man nicht wirklich in dieser Technik darstellen.
Ich sag immer etwas polemisch, das gebe
ich zu, dass Powerpoint etwas sehr Autoritäres an sich hat.
Man muss die Dinge beschränken, auf fünf bis sechs Zeilen.
Die Leute sehen das, sie schreiben es ab und das war's. Ein wirkliches
Hineinverstricken in einen Diskurs, in die Anstrengung einer Gedankenbildung,
scheint mir dadurch erschwert. Und da liegt das Problem: Wir dürfen
auch im iconic turn nicht denk- und differenzierungsfaul werden.
Ein Phänomen
wurde noch nicht benannt, das sicher den iconic turn auslöst
und ausdrückt: jene großen, dramatischen Ereignisse,
zu deren Zeugen wir weltweit über die Medien werden. Ein wichtiges
Beispiel ist das Attentat auf das World Trade Center am 11.9.2001.
Hier brennen sich Bilder buchstäblich
ins Bewusstsein. Die Fernsehsender ließen den Flug des zweiten
Flugzeugs in die Türme in der Endlosschleife laufen. Ungläubiges
Staunen war die Folge: Das muss ein Fake sein. Und man denkt, das
Fake ist völlig normal, weil diese Differenz zwischen Sein
und Schein, zwischen Virtualität und Realität, ja ein
Kennzeichen unserer Sehkultur heute ist.
Fictum und Verum sind nicht mehr so unbedingt
zu trennen. Übrigens war das ja auch so beim Attentat auf den
Papst 1981. Auch dieses wurde weltweit über Stunden und tagelang
mit den Originalbildern kommuniziert und hat absolute Schockerfahrungen
ausgelöst. Oder denken Sie an den Mord an J.F. Kennedy, an
die Mondlandung, die Beerdigung von Prinzessin Diana.
Der 11.9.2001
ging ja auch stark in die politologische Diskussion ein. Man merkt,
dass die Hoheit über das Bild ebenso wie über das Argument
zur Managementaufgabe des politischen Geschäftes wird. Wenn
wir das mal verallgemeinern und uns als Nutzer der Gesellschaft
betrachten; als Nutzer von Politik, Wirtschaft usw. Brauchen wir
dann so etwas wie ein neues Lernen des Sehens, ein neues Dechiffrieren
von Medien? Hat die Philosophie hier eine neue Aufgabe bekommen?
Mit Sicherheit. Der Punkt ist der, dass
ich die Stimmigkeit von Argumenten im Prinzip schon dann überprüfen
kann, wenn ich zum Denken fähig bin. Die Bilder kann ich im
Prinzip nicht prüfen. Ich muss mich darauf verlassen, dass
mir kein Fake gezeigt wir. Und wenn Sie die Möglichkeiten der
digitalen Foto- und Filmmontage sehen, oder wenn sie sehen, welches
politische Interesse hinter welchem TV-Sender steckt, dann stellt
sich sowohl für Produzenten wie für Rezipienten die Frage
nach einer kommunikativen Ethik auf ganz neue Weise.
Hier sind ganz neue Herausforderungen
zu beachten. Ich nenne nur das Problem, dass heute in den neuen
Medien, Web 2.0 usw., die klassische Asymmetrie zwischen Emittenten
und Rezipienten aufgehoben ist. Denn jeder kann prinzipiell senden.
Was heißt in so einer Situation Authentizität, Nachprüfbarkeit
oder gar Wahrheit?
Welche Halbwertzeit
haben eigentlich Bilder? Die Polizei setzt etwa vielerorts Bildmotive
ein, um Verkehrssünder abzuschrecken, fürchterliche Bilder
von verstümmelten Unfallopfern usw. Das geht für den Moment,
aber hält nicht lange vor. Ähnliches ist ja auch für
die Verpackung von Zigaretten geplant.
Hier sind wir an einem sehr wichtigen
Punkt. Ich denke, dass zur Herausforderung einer Medienethik auch
die Frage der Medienaskese gehört, der Bildaskese. Der permanente
Konsum auch eindrücklicher Bilder führt eindeutig zu Abstumpfungen.
Wir sehen das etwa an solchen Portalen wie youtube, in denen oft
schockierende Bilder frei zugänglich sind. Da wird ein Gewohnheitseffekt
hergestellt. Die Bilder nutzen sich schnell ab.
Anders gesagt: Unsere Rezeptionsgrenzen
sind plastisch, ganz offensichtlich. Und das gilt auch für
das Wort, allerdings wohl nicht so schnell. Auch mit eindringlichen
Rhetoriken können Sie Abstumpfungen erzeugen. So etwas behandeln
wir theologisch in der Predigtlehre.
Sie erwähnen
die Theologie: Ist das Thema des iconic turn in der Theologie überhaupt
schon angekommen?
Doch, auf jeden Fall. Viele Kolleginnen
und Kollegen arbeiten daran. Allerdings findet man oft einen bestimmten
Akzent, nämlich einen kulturkritischen, den man aus dem jüdisch-christlichen
Bilderverbot bezieht. Dieses wird meiner Meinung nach zu schnell
theologisch- metaphysisch in Anspruch genommen.
Was ist denn
überhaupt der Sinn des Bilderverbotes?
Der ursprünglich theologische Sinn
des Bilderverbotes ist faktisch ein Götzen-Verbot. Man will
verhindern, dass das Göttliche verfügbar wird im Sinne
eines Sich-Bemächtigens. Es geht darum, das Göttliche
das Göttliche sein zu lassen, und dies ist ein Abgrenzungskriterium
gegen die Götzen-Kulte der umliegenden Religionen.
Allerdings heißt das nicht, dass
man eine Grundreserve gegen Bilder und Inszenierungen aufbauen muss.
Schließlich behauptet schon der Schöpfungsbericht in
der Genesis, dass der Mensch Ebenbild Gottes sei, und im Neuen Testament
ist Jesus die sichtbare Repräsentanz des Vaters. Die Pointe
ist die, dass man einerseits die Bildhaftigkeit des Christlichen
mit den Grenzen des Bildförmigen an sich zusammenbringen muss.
Trotz Bilderverbot haben wir darum in der katholischen und in der
orthodoxen Ostkirche durchaus ein klares Votum für Bildkommunikation.
Und dies nicht nur didaktisch, sondern auch in der Überzeugung,
dass sich in Bildern Präsenz ereignet.
Auch andere
Weltreligionen tun sich schwer und leicht zugleich mit dem Bild.
Gibt es ein typisch religiöses Verhältnis zum Bild?
Das ambivalente Verhältnis zum Bild
in den Religionen hat immer zu tun mit der Frage der Repräsentation.
Kann ich das, was religiös das Weltumgreifende heißt
oder der letzte Grund allen Seins, kann ich das innerhalb der Welt
vergegenwärtigen? Kann ich es bannen? Kann ich mich seiner
bemächtigen?
Etwa die Höhlenmalerei, das hatte
ja etwas zu tun mit der Beschwörung der zu jagenden Tiere.
Die Vergegenwärtigung durch das Bild macht das Göttliche
in einer bestimmten Weise verfügbar, und hieran kondensiert
sowohl die Faszination wie die Abwehr der Religionen gegenüber
dem Bild.
Profitieren die Religionen vom iconic turn oder schwächt er
sie?
Dort wo es einen sehr kompetenten Umgang
mit Bild und Inszenierungen gibt, ist es zurzeit jedenfalls ein
Vorteil. Ich denke jetzt an den Katholizismus. Die großen
Inszenierungen, das Begräbnis von Johannes Paul II. und auch
das ganze Umfeld der letzten Papstwahl, das waren richtige Medienhypes.
Und die lebten aus der Stimmigkeit einer uralten Bildgrammatik:
die Mahlfeier, die Anbetung, die Farben, all das hatte eine tiefe
Eindrücklichkeit und Eigenbotschaft. Es darf weder pompös
noch überladen noch verkitscht sein, sondern es muss eine gewisse
Askese herrschen. Dann, so denke ich, kann der iconic turn dem Christentum
sehr nützen.
Das heißt,
Sie stehen den großen Medienevents der Kirchen positiv gegenüber?
Ja. Doch auch hier muss man differenziert
urteilen. Die Gefahr ist immer die Überwältigung –
was auch für verbale Kommunikation gilt. Wenn das vermieden
wird und man die Freiheit des Rezipienten achtet und fördert,
bin ich hier durchaus aufgeschlossen. Denn die Bildkommunikation
hat ein Eigenrecht, weil Bilder eine emotionale Tiefenschicht anrühren,
die genuin zum Menschen und zum Religiösen gehört.
Wie gehen
junge Leute heute mit dem Vormarsch der Bilder um?
Jugendliche sind zunächst einmal
heute mit Inszenierungen sehr viel mehr vertraut als wir Ältere.
Das ist für sie sehr viel alltäglicher: Videoclips etwa,
sind ja nichts anderes als musikalische Inszenierungen. Was vielleicht
ein Problem ist, ist die Geschwindigkeit, der Zeitfaktor in ihrer
Kommunikation. Die modernen Inszenierungen sind alle auf Aktivität
angelegt: schneller Wechsel der Schnitte, dauernder Input. Auf der
anderen Seite finde ich verblüffend, dass Kinofilme wie "Die
große Stille" auch bei Jüngeren Erfolg hatten. Da
war nicht viel Aktivität zu sehen, da war Stille gefilmt, und
auch diese ruhigen Bilder waren der jungen Generation durchaus zugänglich.
Christentum
ist ja nicht nur Theologie, sondern auch Lebensweisheit: Was können
wir heute vom christlich-weisheitlichen Umgang mit Bildern lernen?
Zwei Dinge: Einmal dieses Moment des
Asketischen, der Reduktion auf das Wesentliche. Und das andere:
Die Fähigkeit, die anthropologischen Tiefenschichten zu treffen.
Ich nenne ein Beispiel: Mich haben die Fotos von Oliviero Toscani
fasziniert, dem Fotografen von Benetton. Er hat mit Kirche gar nicht
viel zu tun, kennt aber das Christentum und hat meiner Meinung nach
geniale christliche Kunstwerke geschaffen. Sie wissen, was ich meine:
Das Bild vom sterbenden Aidskranken, das Hemd mit dem Durchschuss,
der Kuss von Priester und Nonne.
Er sagt, diese Motive sind doch viel authentischer
und menschlicher als die dümmlichen Pausbackbabys in irgendwelchen
Anzeigen. Diese Bilder haben etwas Ikonisches an sich, das so stark
ist, dass ich sie sogar schon einmal verwenden konnte, als ich Ordensschwestern
Exerzitien gegeben habe. Die Schwestern konnten damit beten. Sie
erkanten ihre Themen in den Bildern wieder, so etwa die Pieta in
der Mutter des Aidskranken.
Und es befremdet
Sie gar nicht, dass mit solchen Motiven Kommerz gemacht wird?
Zuerst schon. Aber die Lektüre der
Interviews von Toscani und dann seiner Monographie hat mich von
anderem überzeugt. Er sagt, die größte Kommunikationsfläche
der Welt ist die Werbung. Das ist auch so. Die zahlt es ja auch.
Er sagt, ich kann da etwas kommunizieren über die Wahrheit
des Lebens. Dass nicht alles chanel ist, hipp ist und hübsch
und fitt, sondern dass der Mensch erst voll erfasst ist mit seinen
ganzen Schmerzlichkeiten und allem Drum und dran, das habe ich ihm
abgenommen.
Da sind wir
jetzt schon sehr gut im dritten Teil unseres Gespräches gelandet,
dem mehr praktischen. Wir vom sinnstifter-Magazin sagen, dass die
Relevanzkrise der Kirche im iconic turn heute stark daher rührt,
dass die Kirchen sich zu wenig um ihre faktische Wahrnehmbarkeit
kümmern. Kirche kommt an den öffentlichen Treffpunkten,
wo die relevanten Kommunikationen stattfinden, häufig nicht
vor, und wenn, dann macht sie sich oft unter Preis ansichtig. Teilen
Sie unsere Wahrnehmung?
Ich würde so sagen: In der öffentlichen
Kommunikation der Kirche, ihrer Bilderkommunikation, ist das Hauptproblem
der Kitsch. Nicht bei den Großereignissen, über die wir
schon gesprochen haben. Sondern im Alltag. Da herrscht zu oft eine
Entfernung von den normalen Standards. Und das hat zu tun mit einer
Entfremdung zwischen den modernen Künsten und den Kirchen.
Wir hatten ja gerade in Köln in den
letzten Wochen diese Debatte um das Domfenster von Gerhard Richter.
Man kann da nicht einfach sagen, wir machen jetzt eine figürliche
Darstellung, wie man das im 19. Jahrhundert gemacht hat. Es fehlt
der Mut zur Bildsprache der Gegenwart. Und so kommt es zum Kitsch.
Kitsch entsteht immer dann, wenn man hinter einem Wahrnehmungsangebot
eine strategische Absicht verbirgt. Das stößt die Leute
ab. Sie merken: Die Kirche will mich packen, ihr ästhetischer
Auftritt ist nur Mittel zum Zweck.
Sie geben
das Stichwort: Mut. Ist es für Sie denkbar, Kirche optisch
inmitten von Claudia Schiffer und einer Kampagne für Halbfettmargarine
zu bewerben?
Durchaus. Es war immer das Selbstverständnis
des Christentums, auf den Aeropag, auf den Markt zu gehen und dort
auch präsent zu sein. Paulus etwa war einer der großen
Kommunikatoren seiner Zeit. Mitunter sieht man das ja auch, oft
bei der evangelischen Kirche, aber neulich auch im Kontext des Papstbesuches
in Bayern oder zum Weltjugendtag.
Da gab es auch so richtig große
Plakatwände mit sehr pointierten Sätzen und den Fotos
des Papstes auf den Bahnhöfen. Das fand ich gar nicht schlecht.
Das war nicht aufdringlich, das stand für eine Marke, für
selbstbewusste Identität. Zum Beispiel zum Advent sollte die
Kirche an das erinnern, was sie eigentlich meinen, wenn sie Weihnachten
feiern, etwa in der Bildersprache eines Toscani – und das
auch ruhig in der Nachbarschaft von Claudia Schiffer und Margarine.
Was müsste
aus dem iconic turn für kirchliche Öffentlichkeitsarbeit
folgen?
Zunächst einmal eine Kompetenzbildung
bei den kirchlichen Funktionsträgern. Für alle, die irgendwas
zu tun haben mit Glaubensverkündung oder Religionspädagogik
müsste Medienkompetenz mit zur Ausbildung gehören. Eigentlich
wäre das heute ein Thema der Systematischen Theologie insgesamt.
Das ist heute so wichtig wie das Erlernen sozialer Kompetenz. Funktionsträger,
Priester und Laien, im liturgischem Dienst etwa, müssten dringend
Kompetenz erwerben hinsichtlich ihrer Kleidung. Das ist ein ganz
heißer Punkt. Was es da an Kitsch gibt!
Aber warum
tut sich die Kirche so schwer mit ästhetischer Kommunikation?
Ich glaube, da hat man einfach über
lange Zeit gedacht, dass sich das von selber erledigt. Und die Debatte
hat sich auch in bestimmten Klischees festgefressen. Dass man mit
neuen Formen experimentiert, das hat seit den 70er Jahren zu wenig
Platz gehabt. Es war auch nicht opportun, für Stil und Ästhetik
Geld auszugeben. Das fand sofort die radikale Kritik seitens sozial
engagierter Jugendlicher. Ihr Anliegen war ja auch völlig berechtigt.
Nur wurde dadurch die konkrete Wahrnehmungsgestalt der Gemeinde,
der Kirche vernachlässigt. Wenn etwa ein Künstler ein
Messgewand entwirft, dann kann man den doch nicht mit € 500,00
abspeisen, das ist ein Witz.
Also echte
Ressentiments gegenüber einer Verbesserung der Wahrnehmbarkeit?
Wenn es sie gibt, dann im Kontext des
Stichwortes Macht. Da ist ja auch eine gewisse Vorsicht geboten.
Man spricht ja schon davon, etwa im amerikanischen Kontext, religiöse
Profile wie starke Marken zu positionieren, um die Leute zu überzeugen.
Da steht dann schnell die fundamentalistische Versuchung im Raum.
Ich meine auch, dass man nicht zu schnell die ökonomische Logik
auf religiöse Phänomene überträgt.
Es gibt aber noch einen Vorbehalt, nämlich
in Teilen kirchlicher Funktionsträger ein gewisses Ressentiment
gegen das Intellektuelle. Das ist sehr viel stärker heute,
als es in den 60er oder 70er Jahren war. Heute sagen viele, Religion
liegt jenseits von Vernunft, sei das Ganz andere oder so. Es gibt
einen anti-intellektualistischen Trend, auch bis tief in die Theologie
hinein.
Dass die Kirche sich auf dem Aeropag zu
behaupten hätte, ist durchaus nicht theologischer Konsens.
Ich bin da froh, dass der gegenwärtige Papst – bei allen
strittigen Punkten – das so betont, dass der Glaube die Vernunft
braucht, und zwar konstitutiv. Der Anti-Intellektualismus, das ist
auch ein Bereich, den ich eher in einer fundamentalistischen Intention
lokalisiere. Was uns heute fehlt, ist das Bewusstsein, das in unserer
spätmodernen westlichen Gesellschaft eigentlich nur noch das
Realität ist, was in den Medien vorkommt. Was da nicht vorkommt,
gibt’s einfach nicht.
Eine persönliche
Frage: Wie würden Sie für Kirche werben: eher laut oder
eher leise?
Ich glaube, ich würde eher einen
Kontrast suchen zu den in der Regel sehr lauten Kommunikationsformen
der Gegenwart. Ich würde eher zu leisen Tönen kommen.
Wo ich nicht überwältigt werde, sondern eher überrascht,
z.B. durch eine Stille, die reich gefüllt ist.
Wir fragen
unsere Interviewpartner am Ende unserer Gespräche immer nach
den Quellen Ihrer mentalen Kraft. Woher beziehen Sie Ihre Kraft?
Und inwiefern hat diese Kraft was mit Kirche zu tun?
Ich lebe aus zwei Quellen. Die eine,
die tiefere noch, ist die bayrisch-katholische Tradition, mit der
ich aufgewachsen bin. Da hatte ich großes Glück. Ich
bin in einer Familie und in einer Gemeinde groß geworden,
in der das Sinnliche, Mediale, das Gelebte alles sehr stimmig war.
Das hat etwas sehr Tragendes bis heute. Damit ist auch beantwortet,
was das mit Kirche zu tun hat. Nennen wir diese Quelle "Jerusalem",
als Sinnbild für die Heimat im Christlichen.
Die zweite Quelle wäre dann
sozusagen "Athen", als Sinnbild für das Denken und
Philosophieren. Die Beschäftigung mit den Dingen; das Erleben,
dass ein stimmiger Gedanke etwas Beglückendes hat. Das sind
meine beiden Quellen, aus denen ich mein Alltagsgeschäft betreibe:
Athen und Jerusalem.
nach oben |
| |
|
|
|
|
| |
„Wie
beurteilen Sie die Entwicklung, dass Kommunikation immer deutlicher
vom Bild statt vom Wort bestimmt wird?“
Wie beurteilen Insider den Wettstreit
von Wort und Bild? Und was heißt das für ihre tägliche
Arbeit? Glauben sie, dass Bilder Sinn stiften können? Neun
Profis geben Antwort. |
|
| |
|
|
|
|
| |
 |
|
STATEMENT
Tom Jacobi, Chefredakteur
der Zeitschrift View
„Ich begrüße es. In einer
auch medialen Überflussgesellschaft besinnen sich zunehmend
viele Leser auf die schnelle und emotionale Informationsaufnahme
durch ein Bild. Das hat bei uns Menschen durchaus Tradition. ...“
weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Dr. Lars Henrik Gass, Festival
Director
„Ich bezweifele, dass dieser Befund
zutrifft. Sollte es zutreffen, so wäre der Befund um die akustische
Dimension zu erweitern. Haben Sie einmal versucht, an einem Flughafen
ein Buch zu lesen?! "Kommunikation" interessiert mich
ohnedies nur in einem sehr reduzierten Sinne. ...“ weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Lic. theol. Patrik Scherrer, bildimpuls.de
„Wir leben in einem Zeitalter, das
durch die einfache Vervielfältigung der Bilder geprägt
ist. Ein Bild ist mit der Digitalkamera schnell aufgenommen. Am
Rechner ist es mit einem Mausklick kopiert oder per Email an Hunderte
von Menschen verteilt. Waren die Bilder früher an ein festes
und dauerhaftes Trägermaterial gebunden, können sie heute
durch die digitale Verarbeitung ...“ weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Sabine Carter, Diplom-Designerin
„Um es gleich vorwegzunehmen, ich
bin ein visueller Mensch. Text fällt mir schwer. Mein eigenes
geschriebenes Wort könnte mich nie richtig zufrieden stellen
(so wird es mir wahrscheinlich auch mit diesem Statement gehen).
Als Grafik-Designerin arbeite ich mit Bildern und überlasse
das Schreiben lieber den Textern ...“
weiter » |
| |
 |
|
STATEMENT
Martin Steffen, Fotograf
„Die Aufgabe der Fotografie in der
Kommunikation hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Fotos
werden in immer größerem Maße zu einem Vehikel
des Imagetransfers. Und zwar nicht mehr nur in der Popkultur. ...“
weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Francesca D'Amicis, Autorin
„Um Gottes Willen, keine „talking
heads“! Das galt viele Jahre als oft unausgesprochene Regel
der Redaktionen. Zumindest, wenn das Publikum, das man mit „Dokumentationen“
ansprechen wollte, Zuschauer des Massenmediums Fernsehens war und
nicht Festival- oder Kinobesucher. Man wolle immer mehr sehen, und
immer weniger hören, ...“ weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Oliver Jordan, Künstler
„Die Malerei beschäftigt sich
mit dem Sichtbaren. Die Ergebnisse nennen wir, ob gegenständlich
oder ungegenständlich und unabhängig was zur Anschauung
gelangt, Bilder. Im Gegensatz zur Fotografie oder zum Filmemachen
kommt bei der Malerei der Aspekt des Werdens hinzu, ...“ weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Johannes Röser, Chefredakteur
„Ohne Bilder gibt es keine Kommunikation.
Die Frage ist nur, wodurch Bilder erzeugt werden, vor allem die
inneren Bilder. Verlassen wir uns weitgehend aufs optische Sehen
oder bilden wir sie ebenso durch Erzählen, Hören, Meditieren,
Beten, über die Langsamkeit schweigender Wahrnehmung? ...“
weiter
» |
| |
 |
|
STATEMENT
Julia Heinemann, Gallery Porfolio
Director
„Ich denke das liegt daran, dass Bilder
uns im Herzen berühren, während Worte dazu tendieren,
an unseren Verstand zu appellieren. Die technischen Möglichkeiten,
ein aussagekräftiges Bild herzustellen sind zudem sehr weit
entwickelt. Es ist nahezu unglaublich, wie sehr die Bildwelten heute
an die Realität heranreichen. ...“ weiter
» |
| |
 |
 |
| Text: Tom Jacobi,
view |
|
Tom Jacobi, Jahrgang
1956, ist seit Oktober 2005 ist Tom Jacobi in Personalunion
stern-Art Director und Chefredakteur der Zeitschrift View.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird?“
Ich begrüße es. In einer auch
medialen Überflussgesellschaft besinnen sich zunehmend viele
Leser auf die schnelle und emotionale Informationsaufnahme durch
ein Bild. Das hat bei uns Menschen durchaus Tradition. Die ersten
Versuche sich medial mitzuteilen, die etwa 20.000 Jahre alten Höhlenmalereien
– wenn Sie so wollen, eine Art VIEW der Neandertaler –
es waren Bilder. Die ersten Schriften unserer Urahnen, von den Hieroglyphen
über die Keilschrift bis zu den Runen, es waren Bilderschriften.
Die Kommunikation durch Bilder ist dem Menschen genetisch in die
Wiege gelegt worden. Erst gab es das Bild, dann folgte das geschriebene
Wort.
Zweifelsfrei stiften Bilder auch Sinn. Ob
gemalte oder fotografierte Meisterwerke, sie alle sind wie kein
anderes Kommunikationsmittel in der Lage, unabhängig vom Kulturkreis
sämtliche menschlichen Emotionen zu wecken. Man braucht keine
Sprache, um durch Bilder berührt zu werden. Diktatoren haben
Bilder ausgenutzt und wurden von ihnen gestürzt. Globale Missstände
und Katastrophen setzen sich in unseren Köpfen als Bilder fest,
nicht als geschriebener Text. Bilder können uns Kraft und Zuversicht
geben, sei es das Marienbild in der Kirche oder die Fotografie eines
geliebten Menschen auf dem Schreibtisch. Sinnstiftung fängt
auch schon im kleinen an.
nach oben
|
| |
 |
 |
| Text: Dr. Lars Henrik
Gass |
|
| Dr. Lars Henrik Gass,
Festival Director und Managing Director der Internationalen
Kurzfilmtage Oberhausen |
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird?“
Ich bezweifele, dass dieser Befund zutrifft.
Sollte es zutreffen, so wäre der Befund um die akustische Dimension
zu erweitern. Haben Sie einmal versucht, an einem Flughafen ein
Buch zu lesen?! "Kommunikation" interessiert mich ohnedies
nur in einem sehr reduzierten Sinne. Was die ästhetische Produktion
anbelangt, so wäre
eine Dichotomie zwischen Bild und Wort kaum haltbar.
Glauben Sie, dass Bilder Sinn stiften können?
Das kommt darauf
an, welchen Sinn sie haben sollen und welchen Sinn Sie meinen. Bereits
Höhlenmalerei hatte die Aufgabe, Sinn zu stiften, Gemeinschaft
zu erzeugen, und dies keineswegs gegen das Wort, sondern mit ihm.
nach oben
|
| |
 |
 |
| Text: Lic. theol. Patrik
Scherrer |
|
| Lic. theol. Patrik Scherrer
hat in Fribourg/Schweiz katholische Theologie studiert und ist
in München in der Behinderten-seelsorge tätig. In
seiner Freizeit beschreitet er mit seiner Website www.bildimpuls.de
seit Herbst 2003 neue Wege der Glaubens-verkündigung. |
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird?“
Wir leben in einem Zeitalter, das durch die
einfache Vervielfältigung der Bilder geprägt ist. Ein
Bild ist mit der Digitalkamera schnell aufgenommen. Am Rechner ist
es mit einem Mausklick kopiert oder per Email an Hunderte von Menschen
verteilt. Waren die Bilder früher an ein festes und dauerhaftes
Trägermaterial gebunden, können sie heute durch die digitale
Verarbeitung in unfassbaren Mengen gespeichert und über die
moderne Datentechnik jederzeit und praktisch an jedem Ort der Welt
wieder abgerufen werden. Eine ähnliche Entwicklung ist beim
Film zu beobachten. Immer kürzere Sequenzen multiplizieren
die Bilder und fordern die Wahrnehmung zu Höchstleistungen
heraus.
So äußert sich unsere schnelllebige
Zeit in einer wahren Bilderflut, die meines Erachtens an Dramatik
zunimmt. Denn der Wettbewerb ist globaler geworden. Zunehmend mehr
Anbieter kämpfen mit immer verführerischeren Bildern um
die Aufmerksamkeit von Käufern. Diese sind der Bilderfülle
mehr oder weniger hilflos ausgesetzt, nehmen wir doch über
die Augen um die 80% aller Informationen auf, die größtenteils
ungefiltert durch den Verstand unser Denken und Handeln beeinflussen.
Ein Bruchteil einer Sekunde kann genügen, dass ein Bild wahrgenommen
und „gespeichert“ wie ein „Virus“ versteckt
in uns zu wirken beginnt. So schnell und umfassend lassen sich Botschaften
mit Wörtern nicht übertragen.
Denn Bilder sind komplexe Abbilder von erlebter
Wirklichkeit. Mit ihren Linien, Farben, Formen und Kompositionen
vermittelt jedes von ihnen eine ganz eigene Geschichte. Wie Symbole
mit mehr oder weniger gezielten Anknüpfungspunkten geladen
sind, vermögen die Bilder denjenigen, mit dem sie in Kontakt
kommen, je nach Aufmerksamkeit mehr oder weniger intensiv „anzusprechen“
und ihm ihre umfassende Botschaft mitzuteilen. Damit die Bilder
erfolgreich ankommen, werden von den Werbefachleuten dauernd neue
Bilder erfunden und auf uns losgelassen.
Dieser moderne Bilderstreit tobt glücklicherweise
außerhalb der Kirche. Ich beobachte die Kirche wie eine Insel
in dieser Schlacht um die Gunst der Menschen. Auch wenn hier und
dort in den letzten Jahrzehnten noch ein neues Kirchengebäude
entstanden ist und der Papst eine wachsende Medienpräsenz hat,
verharrt die Kirche im Großen und Ganzen in ihren symbolgeladenen
traditionellen Bildern und Riten.
Dadurch hat sie den kurzlebigen Bildern unserer
Zeit viel voraus. Sie kann sich wie ein Fels in der Brandung verhalten.
Dennoch frage ich mich, ob nicht auch ihr im großen Stil neue
und zeitgemäße Bilder gut tun würden: Bilder, die
aktuelle Werte vermitteln, Orientierung und Anhaltspunkte geben.
Bilder, die in der alltäglichen Flut von Eindrücken mitschwimmen
und auf erfrischende Weise die Botschaft Jesu den Menschen nahe
bringen. Schnell und unkompliziert. Ich wage zu sagen: Der Mensch
braucht am Anfang das Bild. Ein starkes, prägendes Bild. Das
Wort mag dann erklärend und verdeutlichend folgen. Diesen Ansatz
versuche ich auf meiner Website www.bildimpuls.de
mit zeitgenössischen Bild-Impulsen zum christlichen Glauben
zu verwirklichen.
Glauben Sie, dass Bilder Sinn stiften können?
Ja, als Träger einer Botschaft können
Bilder Sinn stiften. Ich glaube aber, dass es nicht die Bilder selber
sind, die Sinn stiften, sondern die ihnen zu Grunde liegende Wirklichkeit,
die der Fotograf oder Künstler als „Ausschnitt“
eines größeren Ganzen festgehalten hat. Je treffender
ihm dies gelungen ist, umso kraftvoller wird diese Momentaufnahme
durch die Zeit transportiert und vermag sie Menschen zu berühren,
anzusprechen und für den Dialog zu öffnen.
Die Wahrnehmung und Erfahrung des Betrachters
spielen dabei eine wesentliche Rolle. Geprägt durch viele innere
und äußere Bilder, entscheidet er auf dieser Grundlage
über den Sinn oder Unsinn eines Bildes. Ja, ich glaube, dass
Bilder wesentlich dazu beitragen können, dem Leben positive
Impulse zu geben und es zu stärken. Denn sie vermögen
vielschichtige Inhalte in einer Offenheit zu vermitteln, die das
codierte Wort so nicht fertig bringt. Die im Gedächtnis eingeprägten
Bilder und ihre Geschichten können zudem über das Erinnerungsvermögen
immer wieder anschaulich abgerufen werden. Dadurch verbinden Bilder
in vielfältiger Weise, fördern sie auf einfache Weise
das Verständnis für die komplexe Wirklichkeit der sichtbaren
und der unsichtbaren Welt, für den Menschen, die Schöpfung
und für Gott in der Zeit und Ewigkeit.
Nach oben
|
| |
 |
 |
Text: Sabine Carter
|
|
| Sabine Carter,
Diplom-Designerin, arbeitet seit über 15 Jahren als freiberufliche
Grafik-Designerin. Sie lebt seit Ende 2006 mit ihrer Familie
in Australien. |
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird? Und was heißt das für Ihre tägliche Arbeit
als Designerin?“
Vom gegenseitigen Verstehen beim
miteinander Sprechen
Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin ein
visueller Mensch. Text fällt mir schwer. Mein eigenes geschriebenes
Wort könnte mich nie richtig zufrieden stellen (so wird es
mir wahrscheinlich auch mit diesem Statement gehen). Als Grafik-Designerin
arbeite ich mit Bildern und überlasse das Schreiben lieber
den Textern mit der Bitte, sich kurz zu fassen, denn:
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!
Zumindest behauptete dies u. a. Kurt Tucholsky,
und schrieb: "(...) von der Reklame bis zum politischen Plakat
schlägt das Bild zu, boxt, pfeift, schießt in die Herzen
(...)". Zugegeben, auch Worte können zu Herzen gehen,
müssen aber erst gelesen und verstanden werden, was einer zunehmenden
Zahl von Menschen nachweislich immer schwerer fällt. Jeder
fünfte Deutsche hat in diesem Jahr noch kein Buch gelesen,
verbringt dafür 13 Stunden die Woche vor dem Fernseher, soweit
die aktuelle Statistik.
Möchte man den Menschen etwas mitteilen,
sollte man dies nicht in ein Buch packen, so scheint es jedenfalls
(es sei denn man heißt Eva Hermann). Das Angebot an visueller
Information wächst, der Konsum von Bildern wird immer schneller
und hastiger. Da wird es für mich als Gestalterin immer schwieriger
die Aufmerksamkeit des Kunden zu erregen, geschweige denn ihn aus
dem Fernsehsessel zu locken.
Was hilft gegen die Bilderflut und die Übersättigung?
Die einen versuchen noch heftiger zu boxen, zu pfeifen und zu schießen
und arbeiten mit allen Tricks, die ihnen die bunte Medienwelt zur
Verfügung stellt. Die anderen kämpfen wie Don Quijote
auf fast verlorenem Posten für ästhetische Qualität
mit dem Anspruch an Sinn und Verstand.
Für diese stellt sich die unvermeidbare
Frage nach der Zielgruppe, denn wer etwas Neues und Niveauvolles
gestalten möchte, läuft oft Gefahr, nur noch einen sehr
begrenzten Personenkreis anzusprechen. So mache ich mich also auf
die Suche nach Kunden, für die weniger mehr ist und versuche
Zielgruppen zu erreichen, die sich noch nicht satt gesehen haben.
Denn obwohl ich Tucholsky recht geben muss, lehne ich zuschlagende
Reklame aus tiefstem Herzen ab und mal ganz ehrlich, wenn mir mal
alles zu viel wird, dann ziehe ich mich am allerliebsten mit einem
guten Buch aufs Sofa zurück - ganz ohne Bilder.
nach oben |
| |
 |
 |
Text/Bilder: Martin
Steffen |
|
Martin Steffen
ist Fotograf und arbeitet sowohl für Profit- als auch Nonprofit-Unternehmen.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird?“
Die Aufgabe der Fotografie in der Kommunikation
hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Fotos werden in
immer größerem Maße zu einem Vehikel des Imagetransfers.
Und zwar nicht mehr nur in der Popkultur. Kunden wollen nicht mehr
nur ein Foto als Dokument, sie wollen einen „Look“,
möglichst einen eigenen. Agenturen basteln Moodboards, beim
Briefing fallen Worte wie Tonalilty. Es geht nicht mehr nur um den
Inhalt, sondern immer mehr auch um das, was mitschwingt. Das Miterzählte.
Ich begrüße diese Entwicklung,
denn sie kommt dem Wesen der Fotografie nahe. Auch wenn er platt
klingt: Der Satz mit dem Bild und den tausend Worten stimmt. Bilder
transportieren Gefühle und Emotionen deutlicher als Worte.
Ich denke, kirchliche Kommunikation kann und sollte sich dies zu
Nutzen machen.
<
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
>
Die Fotografie in Deutschland wurde in den
letzten Jahren bestimmt durch eine ausgeprägte Sachlichkeit.
Die Bechers, Ruffs und Struths sind weltweit Bestseller in den Galerien.
Wie ich finde, zu Recht. Die übergroßen, reproähnlichen
Ruff-Portraits zum Beispiel wirken durch ihre extreme Sachlichkeit
und Emotionslosigkeit. Aber natürlich nur in diesem Kunstzusammenhang.
Und nur im Museum.
Werbung und redaktionelle Fotografie haben
diese kühle, distanzierte Haltung leider häufig übernommen,
für chic erklärt und in die Alltagskommunikation übertragen.
Ich denke, kirchliche Kommunikation sollte dort eine andere fotografische
Position einnehmen. Für mich sind hier die zentralen Inhalte,
die mitschwingen und spürbar werden sollten, Menschlichkeit,
Nächstenliebe, Solidarität und Engagement.
Bei meiner Arbeit und besonders bei der für
Hilfsorganisationen möchte ich vor allem eines: solidarisch
über Menschen berichten. Ich möchte die Lebensumstände
der Menschen sehbar und erfahrbar machen. Meiner Meinung nach geht
das nur durch eines: Nähe. Und das meine ich nicht nur im übertragenen
Sinne, sondern auch rein physisch. Ich benutze fast nur ein 35mm
Weitwinkelobjektiv. Dieses Objektiv zwingt mich, nah heranzugehen
und diese Nähe spürt man in den Bildern. Heranzoomen aus
großer Entfernung, auch wenn dies oft der leichtere Weg wäre,
kann dies nicht schaffen.
Die Menschen, die ich fotografiere,
müssen meine Nähe zulassen und ertragen. Das ist sicher
oft nicht leicht. Das braucht Vertrauen und Zeit. Vorsichtiges Aufeinanderzugehen.
Manchmal klappt das nicht: Dann pack ich die Kamera halt wieder
ein.
nach oben |
| |
 |
 |
Text: Francesca D'Amicis
|
|
Prof. Francesca D'Amicis,
Jahrgang 1966, wurde geboren in Bozen. Nach dem Abitur in
Bozen studierte sie in Mailand zunächst Englisch und
Deutsch. Nach dem Diplom nahm sie an der Universität
Mailand ein Studium der Politikwissenschaft auf.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
dass Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird?“
Um Gottes Willen, keine „talking heads“!
Das galt viele Jahre als oft unausgesprochene Regel der Redaktionen.
Zumindest, wenn das Publikum, das man mit „Dokumentationen“
ansprechen wollte, Zuschauer des Massenmediums Fernsehens war und
nicht Festival- oder Kinobesucher. Man wolle immer mehr sehen, und
immer weniger hören, wurden Dokumentarautoren von
Fernseh-Redakteuren belehrt.
Diesem Bedürfnis kommt seit ein paar
Jahren auch die moderne Technologie entgegen. Sie erlaubt es, „Re-Produktion“
von Bildern zu immer günstigeren Kosten - vor allem, wenn man
bereit ist, bei der Qualität der Bilder Abstriche zu manchen
– zu erstellen und durch immer feinere Special Effects Bilder
gänzlich zu erfinden. Wenn Bilder vormals oft „Bildteppich“
für den Text waren, sind sie heute immer öfter der „Text“
selbst.
Abgesehen vom der Sparte Reportage, wo klassischerweise
die Kamera die Realität „sehen“ lassen will - zumindest
jene Realität, die Kameramann und Autor am Drehort wahrnehmen,
und jene Realität, die im Schnitt ausgewählt und rekombinert
wird - hat die Bild-Gläubigkeit einen Wandel im Dokumentarbereich
erzwungen.
Während der Autor früher gerne
große Teile seiner Aussage den Interviews mit Experten, Zeitzeugen,
Betroffenen, Menschen überlassen hat (bisweilen ohne all zu
viel Rücksicht auf die Verständlichkeit zu nehmen), so
werden im Zeitalter des Iconic Turn Autoren zu einer phantasievolleren
Auseinandersetzung mit der Dramaturgie gezwungen. Vor allem die
Darstellung von eher abstrakten Themen wird zur Hauptbeschäftigung:
Welche Geschichten „verbildlichen“ das Thema, welche
thematischen Metaphern lassen sich zu Bildern und Szenen machen?
Welche Situationen oder Bilder funktionieren überhaupt als
visuelle Metapher?
So gewinnt der Drehort eine erweiterte Bedeutung.
Vermieden werden die klassischen Locations für Interviews.
Bücherregal heißt: Achtung, unser Interviewpartner ist
ein Intellektueller (oder gibt vor, einer zu sein - was immer noch
die aussagekräftigere Variante wäre). Weißer Kittel
heißt: Achtung, Arzt oder Wissenschaftler! Mehr nicht.
Zusätzlich zu den herkömmlichen
Fragen – Wer ist der Experte oder ein interessanter Zeuge
auf dem Gebiet? Was will ich von ihm wissen? – entstehen für
den Autoren neue Aufgaben: Wo drehe ich das Interview? Die Drehorte
sind plötzlich nicht unbedingt jene, an denen sich der Alltag
der Film-Protagonisten abspielt, sondern Orte, die einen Aspekt
des Themas symbolisieren, stilisieren.
Besonders wichtig wird dementsprechend die
technische Umsetzung der Aufnahmen: Welche Kamera kann bestimmte
Eigenschaften des Bildes am besten hervorheben, mit welcher Optik
und mit welchem Licht? Natürlich ist der Iconic Turn nur dann
eine Ressource, wenn Bilder den Autor zur Essenz des Themas zwingen:
Ansonsten sind oberflächlich emotional starke Bilder oder schöne,
oder wunderschöne Bilder einfach nur noch Bilderüberflut.
Was der puristische Dokumentarfilmer klassischen
Zuschnitts zu solchen beinahe didaktischen Überlegungen sagt,
ist eine ganz andere Frage. Denn die Inszenierung der „talking
heads“ (und anderer Film-Elemente) entrücken die Dokumentation
ein weiteres Stück von ihren Ursprüngen.
nach oben |
| |
 |
 |
Text: Oliver Jordan
|
|
Oliver Jordan,
wurde 1958 in Essen geboren und lebt heute in Köln und
in der Bretagne.
Der Künstler zählt zu den führenden Portraitisten
des Landes.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,dass
Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort bestimmt
wird? Was heißt das für Ihre Arbeit? Glauben Sie, dass
Bilder Sinn stiften können?“
„Der Pinsel ist dazu da, die Dinge
vor dem Chaos zu retten“
Tao Chi, chinesischer Landschaftsmaler aus dem
17. Jahrhundert
Die Malerei beschäftigt sich mit dem
Sichtbaren. Die Ergebnisse nennen wir, ob gegenständlich oder
ungegenständlich und unabhängig was zur Anschauung gelangt,
Bilder. Im Gegensatz zur Fotografie oder zum Filmemachen kommt bei
der Malerei der Aspekt des Werdens hinzu, d.h. die Gestaltung und
Entwicklung vom weißen Hintergrund ausgehend bis hin zur subjektiv
bestimmten, auch künstlerisch genannten, Fertigstellung.
Vor diesem Hintergrund bezieht die Malerei
unabhängig von Handarbeit und Talent, einen Teil ihrer Faszination.
Das Bild ist die Summe aller zuvor erbrachten „Leistungen“,
d.h. in jedem zur Angesicht gelangenden Bild ist die Erfahrung des
Werdens und des Beobachtens mit subsumiert und beeinflusst auf komplexe
Art und Weise die Lesbarkeit, Präsenz und Strahlkraft des Bildes.
Ein komplexes Wahrnehmungsverfahren auf höchst evolutionärem
Niveau liegt dem Entschlüsselungsprozess der Bilddaten zugrunde.
Diese kulturelle Entwicklung scheint nicht irreversibel!
Heute wimmelt es von Bildern. In keiner Epoche
der Menschheit wurde so viel abgebildet und betrachtet, wie in der
des 21. Jahrhunderts. Der Zugriff auf Bilder ist zu jeder Tag- und
Nachtzeit möglich. Im Technorhythmus werden in allen Himmelsrichtungen
auf unserem Planeten (und hinaus) Bildinformationen bis zur Unkenntlichkeit
beschleunigt. Im Mittelpunkt steht die Bild-verarbeitung, -manipulation,
-vermittlung, -verbreitung und der Bildhandel.
Die technologischen Innovationen machen es
leicht, das Erscheinende vom Existierenden zu trennen. Was wir gewahr
werden sind Trugbilder. Das Existierende verschwindet. Das Bild,
einst Gegenstand der kontemplativen Betrachtung und ein Zeugnis
von Anwesenheit ist im Begriff diese Bedeutung zu verlieren. Es
muss sich dem Bedürfnis nach dem Flüchtigen und dem Unverbindlichen
unterwerfen, es muss ein Passepartout für die Botschaften der
Werbeindustrie sein.
Das Anschauen von Bildern ist Teil eines
sinnentleerten Spektakels. Ein Spektakel aus leeren Masken und ungetragenen
Kleidern. Die Geschwindigkeit verdichtet die Bildräume zu einer
einzigen austauschbaren Schleifspur ohne Identität und Notwendigkeit.
Heute, gestern und morgen schrumpfen zu einer Kakophonie ohne Ort
zusammen.
Das was wir Kunst nennen und mit Kunstszene
verwechseln ist von der gleichen Ortlosigkeit angesprungen und scheint
im Wirbel des Spektakels zu verdampfen. Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen
aus welchem Impuls heraus die Sehnsucht nach Bildern entsteht, dann
kommen wir der Tragödie, die unserem aktuellen Umgang mit Bildern
ausmacht, nahe.
Der Mensch sehnt sich nach Dauer und lehnt
sich gegen das tägliche Verschwinden des Sichtbaren auf. Hieraus
entsteht der Impuls zum Bilden und zum Malen. Das Festhalten und
die Verkündung „ich habe dies gesehen“ stehen im
Mittelpunkt eines sysiphusähnlichen Dramas. Das Wissen um die
Vergänglichkeit unseres Seins ist der Lohn und führt zur
Entwicklung eines hohen Bewusstseins, das die sensibilisierte Wahrnehmung
für die andere große Verkündung des Carpe Diem (nutze
den Tag) mit einschließt.
„Der Pinsel“ schrieb Tao Chi,
der große chinesische Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts
„ist dazu da, die Dinge vor dem Chaos zu retten“. Als
Anker in der Flut des sich ewig Wandelnden und auch als Anker in
der Bilder- und Informationsflut unseres Jahrhunderts wird das gemalte
Bild, wenn es in der Lage ist wieder das Existierende zu malen,
nicht nur ein Akt des Widerstandes sein, der Hoffnung verbreitet,
sondern auch mit dieser Hinwendung sinnstiftend sein.
nach oben |
| |
 |
 |
Text: Johannes Röser
|
|
Johannes Röser,
geboren 1956, Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Christ
in der Gegenwart“ (Freiburg im Breisgau). Schwerpunkte:
Religion, Theologie, Gesellschaft, Naturwissenschaften, Lateinamerika
und Afrika.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
daß Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort
bestimmt wird?“
Ohne Bilder gibt es keine Kommunikation.
Die Frage ist nur, wodurch Bilder erzeugt werden, vor allem die
inneren Bilder. Verlassen wir uns weitgehend aufs optische Sehen
oder bilden wir sie ebenso durch Erzählen, Hören, Meditieren,
Beten, über die Langsamkeit schweigender Wahrnehmung? Es war
ein aufregender Prozeß der Hirnentwicklung, daß der
Homo sapiens fähig wurde, sich von der puren Unmittelbarkeit
der Anschauung zu lösen, daß er fähig wurde zur
Abstraktion, zur Tanszendenz - und so zur Kommunikation über
das zuvor Nicht-Denkbare: das Heilige, Gott. Der Gipfel der Transzendierung
ist für mich die Offenbarung des JHWH-Namens an Mose in abstrakten
Buchstaben, in dürren Linien. Die Menschen konnten sich darüber
verständigen. Bedeutendste Bilder entwickelten sich also ohne
Bild. Aber nicht ohne das Wort. Die wachsende Bedeutung von Bildern
und bildgebenden Verfahren bewerte ich positiv. Sie ersetzen ja
nicht das Wort, sie beschleunigen das Wort. Denn jedes Bild braucht
die erklärende Deutung - in Wissenschaft, Kunst wie Glaube.
Glauben Sie, daß Bilder Sinn stiften
können?
Bilder stiften Sinn, oft genug auch Unsinn.
Dennoch sind sie in einer unübersichtlichen Welt, in der wir
oft fremd neben Fremdem stehen, eine erste Hilfe zur Verständigung,
wo uns übersetzende Worte noch fehlen. Über Bilder haben
wir teil an Welten, die uns sonst verschlossen blieben.
Warum setzt die Wochenzeitschrift „Christ
in der Gegenwart“ kaum Fotos ein?
Weil unsere Leserinnen und Leser lesen wollen
- und lesen können. Sie wollen sich selber ein Urteil bilden
über Gott und die Welt - und redlich ein modernes religiöses
Leben führen. Sie suchen dazu Anregung, nicht Belehrung. Wörter
nehmen weniger gefangen als Bilder. Man hat teil und gibt Anteil
am mühsamen Ringen um Verstehen, Nachdenklichkeit, Wahrheit.
Worte geben frei, ermöglichen Distanz. So versteht sich „Christ
in der Gegenwart“ als Hebamme einer selbstbestimmt lesenden
sokratischen Suchbewegung nach Glauben in einem offenen, weiten
Horizont. Trotzdem verzichten wir nicht völlig auf Fotos, weil
sie Teil unseres Lebens sind. Einmal im Monat haben wir eine Bildbeilage.
Ein Foto veröffentlichen wir stets auf der ersten Seite von
„Christ in der Gegenwart“, weil sich die Lesegewohnheiten
vor allem im jüngeren Publikum gewandelt haben. Das ist der
Grund, warum „Christ in der Gegenwart“ im neuen Jahr
- im sechzigsten Jahrgang - mit einem freundlicheren Layout erscheinen
und in Farbe gedruckt sein wird. Die bisher gesonderte Bildbeilage
wird dann einmal im Monat ins Stammblatt integriert, ebenfalls in
Farbe.
nach oben |
| |
 |
 |
Text: Julia Heinemann
Foto: Lumas New York |
|
Julia Heinemann ist
Gallery Porfolio Director bei Lumas und für die PR des
Unternehmens verantwortlich. Unter dem Namen Lumas wird hochwertige
Fotokunst von Newcomern als auch etablierten Künstlern
zum Kauf angeboten.
|
|
| |
|
|
|
„Wie beurteilen Sie die Entwicklung,
daß Kommunikation immer deutlicher vom Bild statt vom Wort
bestimmt wird?“
Ich denke das liegt daran, dass Bilder uns
im Herzen berühren, während Worte dazu tendieren, an unseren
Verstand zu appellieren. Die technischen Möglichkeiten, ein
aussagekräftiges Bild herzustellen sind zudem sehr weit entwickelt.
Es ist nahezu unglaublich, wie sehr die Bildwelten heute an die
Realität heranreichen.
Was muss man tun, um visuelle Aufmerksamkeit
zu erlangen?
Starke Bildkompositionen leben von kräftigen
Farben, Licht und Schatten. Visuelle Aufmerksamkeit erreicht man
aber nicht nur durch eine offensive Kompositionen. Wichtig ist auch
der Bildinhalt, der beispielsweise durch künstlerische Verfremdung
Aufmerksamkeit erregen kann. Auch zurückhaltende, aber wohl
platzierte Bilder können Aufmerksamkeit erlangen.
Welchen Stellenwert geben Sie heute noch
dem Wort?
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte heißt
es. Das Wort allerdings spricht in Bildern, die wir uns nur vor
dem inneren Auge machen können. Insofern ist das Wort nicht
ersetzbar.
nach oben |
| |
 |
|
TITELSTORY
Dr. Orlando Budelacci
Studium der Philosophie, Kunst- und Rechtswissenschaften
an der Universität Basel. Forschungsaufenthalte in Cambridge
(UK) und Oxford. Die Dissertation zur politischen Philosophie Immanuel
Kants (2002) situiert das kantische Friedensprogramm im Kontext
seiner praktischen Philosophie. Orlando Budelacci war Assistent
und Oberassistent am interdisziplinären Europainstitut der
Universität Basel (bei Prof. Dr. Georg Kreis) und danach Fakultäts-
und Studiengangmanager der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen
Fakultät der Universität Luzern. Er ist wissenschaftlicher
Geschäftsführer des Nationalen Forschungsschwerpunktes
eikones „Bildkritik“. zum Text » |
| |
 |
|
INTERVIEW
Prof. Klaus Müller
Professor Dr. Dr. habil. Klaus Müller,
geb. 1955 in Regensburg, hat Katholische Theologie und Philosophie
in Regensburg, Rom, München und Freiburg studiert. 1982 promovierte
er zum Dr. phil. in Rom, zwei Jahre später wurde er zum Priester
geweiht und war anschließend als Pastor in Gemeinden und der
JVA-Seelsorge tätig.
1992 war Klaus Müller Lehrbeauftragter
für Homiletik (Predigtlehre) in Regensburg, 1994 habilitierte
er für Fundamentaltheologie und Religionsphilosophie in Freiburg
im Breisgau. Seit 1996 ist er Universitäts-Professor und Direktor
des Seminars für Philosophische Grundfragen der Theologie an
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2003
hat-te er eine Gastprofessur an der Leopold-Franzens-Universität
in Innsbruck, 2005 eine Gastprofessur am St. Augustine Millenium
Seminary (Dep. Legon University Accra) Tamale (Ghana).
Die Forschungsschwerpunkte von Klaus Müller
sind Subjekttheorie, Sprach- und Cyberphilosophie, Monismusforschung
(Lehre von der All-Einheit) und Religionskritik (bes. Verhältnis
Vernunft-Glaube). zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Tom Jacobi
Jahrgang 1956, arbeitete zunächst
für die Fotoagentur Sven Simon, bevor er fast zehn Jahre lang
ausschließlich für die Zeitschrift stern
in den Bereichen Reportage und Mode fotografierte. Als freier Magazin-
und Werbefotograf reiste Jacobi danach 15 Jahre um die Welt. Nach
einem Buch über die großen Weltreligionen kam er im Mai
2000 zurück zum stern und entwickelte das Magazin View. Seit
Oktober 2005 ist Tom Jacobi in Personalunion stern-Art Director
und Chefredakteur der Zeitschrift View.
„Bilder,
die man nicht vergisst“ lautet der Claim von View. Das Magazin
aus der stern-Familie präsentiert eine Zusammenfassung des
Monatsgeschehen in großformatigen Fotos, gespickt mit kompakten
Texten und Interviews, und baut konsequent auf die Faszination spektakulärer
Momentaufnahmen. „Die Zeit war reif für View“,
so Tom Jacobi, „weil es immer mehr Menschen gibt, die besonders
auf bildorientierte Medien ansprechen.“ zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Lars Henrik Gass
geboren 1965 in Kaiserslautern, ist seit
Oktober 1997 Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen.
Er studierte Literatur- und Theaterwissen-schaften sowie Philosophie
und schrieb seine Dissertation über die französische Schriftstellerin
und Filmemacherin Marguerite Duras.
Von 1996 bis 1997 war er Geschäftsführer des Europäischen
Dokumentarfilm Instituts in Mülheim an der Ruhr und Redakteur
der Buchreihe "Texte zum Dokumentarfilm" im Verlag Vorwerk
8. Er verfasste zahlreiche Artikel und Aufsätze zu Fotografie
und Film und lehrte an verschiedenen Hochschulen.
Die Kurzfilmtage in Oberhausen – 1954 gegründet und damit
das älteste Kurzfilmfestival der Welt – sind heute eine
der angesehensten Filmveranstaltungen der Welt. Ein Ort, wo FilmemacherInnen
und KünstlerInnen wie Martin Scorsese, George Lucas, Roman
Polanski, Alexander Kluge oder Werner Herzog und in jüngerer
Zeit Ulrike Ottinger, Romuald Karmakar, Pipilotti Rist, Jean-Pierre
Jeunet oder François Ozon ihre ersten Filme präsentierten.
zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Lic. theol. Patrik Scherrer
hat in Fribourg / Schweiz katholische Theologie
studiert und ist in München in der Behindertenseelsorge tätig.
In seiner Freizeit beschreitet er mit seiner Website www.bildimpuls.de
seit Herbst 2003 neue Wege der Glaubensverkündigung. Jede Woche
stellt er zusammen mit einer hinführenden Betrachtung ein zeitgenössisches
Kunstwerk als Impuls zum christlichen Glauben ins Netz. Zur Zeit
bilden über 175 Kunstwerke und Betrachtungen eine einzigartige
Sammlung für die persönliche Betrachtung als auch die
Gruppen- oder Gemeindearbeit. 2005 erschien von ihm im Verlag Schnell
& Steiner das Buch: „Gott in Sicht? – 33 Impulse
zum christlichen Glauben aus der Pinakothek der Moderne“.
zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Sabine Carter
Diplom-Designerin, arbeitet seit über
15 Jahren als freiberufliche Grafik-Designerin. Sie lebt seit Ende
2006 mit ihrer Familie in Australien.
zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Martin Steffen
38, ist Menschenfotograf und arbeitet
sowohl für Profit- als auch Nonprofit-Unternehmen. Nach einer
Ausbildung beim Lette-Verein in Berlin war er Assistent von Jim Rakete
in Berlin. Anschließend assistierte er bei dem Fotografen Jean-Pierre
Godot in Paris. Martin Steffen lebt in Bochum. zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Francesca D'Amicis
Jahrgang 1966, wurde geboren in Bozen. Nach
dem Abitur in Bozen studierte sie in Mailand zunächst Englisch
und Deutsch. Nach dem Diplom nahm sie an der Universität Mailand
ein Studium der Politikwissenschaft auf.
Viel beachtet wurde 2002 ihr colourFIELD-Film
"Erschießt alle!" (ZDF, „37 Grad“) über
die merkwürdige Welt der Computerkrieger und das kontroverse
Online-Spiel "Counterstrike". 2006 wurde ihr Film „Wenn
Mütter nicht lieben können“ in der renommierten
ZDF-Reihe „37 Grad“ ausgestrahlt. 2007 erhielt sie als
Autorin (zusammen mit Petra Höfer und Freddie Röckenahaus)
des ARD-Zweiteilers „Blut und Spiele – Die Dopingfalle“
den Deutschen Fernsehpreis. Sie arbeitet zurzeit am colourFIELD-Projekt
„Virus Empire“ mit und an einem Film über Südtirol
im Faschismus.
D‘Amicis lebt in Mailand und Dortmund
und arbeitet seit 1997 als Redakteurin und Filmemacherin für
colourFIELD. Unter anderem war sie Co-Autorin und Mitarbeiterin
mehrerer Folgen der Reihen "Mondän!" und "California
Dreamin‘" (beide ZDF) und leitete 2003 die Redaktion
des Lifestyle-Magazins "Der kleine SNOB" auf Arte, für
das sie eine lange Reihe von Beiträgen beisteuerte. 2004 war
sie an der Sendung "Das Große Lesen" (ZDF) beteiligt.
2005 wirkte sie als Senior Producer em an dem sehr erfolgreichen
Mehrteiler "Expedition ins Gehirn" (ARD /Arte) mit.
Francesca D‘Amicis hat als Autorin
unter anderem schrieb daneben für verschiedene italienische
Zeitungen und Zeitschriften wie "il manifesto", „il
diario“, "Marie Claire" und "Elle", arbeitete
als Redakteurin für das private italienische Frühstücksfernsehen
"Buongiorno Lombardia" und produzierte Magazinbeiträge
für verschiedene deutsche Programme, wie das "Europamagazin"
der ARD und "Aspekte" im ZDF.
Beim WDR in Köln absolvierte sie ein
Praktikum bei der Redaktion "ZAK". Außerdem war
sie regelmäßig als Übersetzerin für wissenschaftliche
Buchverlage tätig und arbeitete in den Bereichen Film, Medien,
Mode und Politikwissenschaft für das Goethe-Institut in Mailand.
Francesca D‘Amicis ist unter anderem für internationale
Co-Produktionen zuständig. zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Oliver Jordan
wurde 1958 in Essen geboren und lebt heute
in Köln und in der Bretagne. Der Künstler zählt zu
den führenden Portraitisten des Landes. Seit 1982 hat er zahlreiche
nationale u. internationale Projekte realisiert: Portraits, Stadtlandschaften,
Landschaften. Sein Malstil ist sein Markenzeichen: expressiv, zerfurcht,
realistisch in der Fernsicht, abstrakt in der Nähe, ein gekonnt
ausbalanciertes Spiel mit der Wahrnehmung. Für internationale
Aufmerksamkeit sorgten nicht nur seine Portraits bekannter Persönlichkeiten
wie Berthold Beitz, Anne Sophie Mutter, Kent Nagano, Helmut Rahn
u.a., sondern auch der Gestaltungsauftrag, den er 2002 für
die Philharmonie in Dortmund realisierte. Darunter ein 8 x 9 m großes
Triptychon mit Gustav Mahler, Igor Strawinsky und Arnold Schönberg.
Jordans Bilder befinden sich in zahlreichen internationalen öffentlichen
u. privaten Sammlungen.
zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Johannes Röser
geboren 1956, Chefredakteur der Wochenzeitschrift
„Christ in der Gegenwart“ (Freiburg im Breisgau). Schwerpunkte:
Religion, Theologie, Gesellschaft, Naturwissenschaften, Lateinamerika
und Afrika. Nach Studium der Theologie in Freiburg und Tübingen
seit 1981 Journalist. Autor und Herausgeber verschiedener Bücher
zur religiösen Frage, zuletzt: „Mut zur Religion - Erziehung,
Werte und die neue Frage nach Gott“, „Was sag ich Gott?
- Jugendgebete und Gedanken“ (Verlag Herder). zum Text » |
| |
 |
|
STATEMENT
Julia Heinemann
ist Gallery Porfolio Director bei Lumas
und für die PR des Unternehmens verantwortlich. Unter dem Namen
Lumas wird hochwertige Fotokunst von Newcomern als auch etablierten
Künsltern zum Kauf angeboten. Lumas hat Filialen in New York,
Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, München, Frankfurt
und Stuttgart. zum Text » |
| |
|
|
|
|
| |
Wer
steckt hinter sinnstiftermag?
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss
von Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von
einer gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien.
Medien transportieren sinnhafte
Inhalte und sind in dieser medialen Funktion vor allem selbst sinnhaft.
Sie können gar nicht anders. Damit sind sie religionsproduktiv.
In Partnerschaft mit Akteuren aus Kommunikation und Kirche sucht
sinnstiftermag nach den Analogien religiöser und medialer Kommunikation.
|
|
| |
|
|
|
|
| |
 |
|
Marketing, Kommunikation, Fundraising
Dieter Rehmann
Jahrgang 1957, arbeitete nach dem Publizistikstudium und einer Ausbildung als Konzeptioner und Texter 15 Jahre als Kreativdirektor in einer großen Werbeagentur. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur 31M und als Dozent für Marketing, CI, PR und Fundraising tätig.
|
| |
 |
|
Mediengestaltung, Webdesign
Daniel Bürger
Jahrgang 1980, schloss seine Ausbildung zum Mediengestalter als NRW-Jahrgangsbester ab. Danach studierte er Grafikdesign an der FH Düsseldorf. Für seine Diplomarbeit erhielt er den Red Dot Award im Bereich Communication Design. Bei 31M ist er für Design und Konzeption verantwortlich.
|
| |
 |
|
Werbung, PR
Michael Jochim
Jahrgang 1954, Mitbegründer und geschäftsführender
Gesellschafter der 1985 in Essen gegründeten BJS Werbeagentur
hat zahlreiche Kontakte und Verbindungen zu Organisationen, Verbänden
und Einrichtungen im Nonprofit-Bereich. Michael Jochim arbeitet
ehrenamtlich in kirchlichen Einrichtungen mit.
|
| |
 |
|
Theologie, Soziologie
Matthias Sellmann
Jahrgang 1966, promovierter Theologe und
Soziologe. Seine Profession ist die Analyse und Bewertung gesellschaftlicher
Sinn- und Weltanschauungstrends. Wenn Schalke 04 eine Kapelle ins
Stadion baut, Fußballspieler Jesus-T-Shirts tragen, Bundespräsidenten
Weihnachtsansprachen halten oder Scientologen Gerichtsverfahren
anstrengen, ist Matthias Sellmann mit Interesse dabei. Intensive
Beratungs-, Vortrags- und Autorentätigkeit.
|
| |
 |
|
Fotografie
Martin Steffen
Jahrgang 1968, ist Menschenfotograf und
arbeitet sowohl für Profit- als auch Nonprofit-Unternehmen.
Nach einer Ausbildung beim Lette-Verein in Berlin war er Assistent
von Jim Rakete in Berlin. Anschließend assistierte er bei
dem Fotografen Jean-Pierre Godot in Paris. Martin Steffen lebt in
Bochum.
nach oben |
| |
|
|
|
|
| |
Impressum
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss
von Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von
einer gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien. |
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
Anschrift der Redaktion
sinnstiftermag-Redaktion
31M Agentur für Kommunikation GmbH
Agentur für Kommunikation GmbH
Walter-Sachsse-Weg 17
45133 Essen
T +49 (0)201.43 77-290
F +49 (0)201.43 77-299
Internet: www.sinnstiftermag.de
E-Mail:
|
| |
|
|
Programmierung, Web-Administration
dpb-media.de
Daniel Bürger
Bövinghauser Str. 73
44388 Dortmund
T +49 (0)177-38 610 45
E-Mail:
|
|