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Text: Pater Dr. Benno
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| Pater Dr. Benno Kuppler
SJ, SJ ist Diplom-Kaufmann, Diplom-Theologe und promovierte
in Sozialwissenschaften. Als Generalist berät er in Lebens-
als auch Wirtschaftsfragen und vermittelt in Vorträgen
sowie Seminaren seine Erfahrungen aus Seelsorge, Betriebswirtschaft
und Theologie. |
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Ein Vorstand, ein Bischof und der
Pater
Vom gegenseitigen Verstehen beim
miteinander Sprechen
Menschen ansprechen und für die biblische
Botschaft gewinnen wird im pluralistisch geprägten Surf- und
Zappzeitalter immer schwieriger. Muss die Kirche neue Wege bei der
Mitgliederansprache finden, so fragte mich eine Journalistin. Die
Sprache der Welt, besonders jene der Wirtschaft, und die Sprache
der Kirche und des Glaubens scheinen vielen Menschen nicht mehr
kompatibel. Es braucht Übersetzer, Traductoren oder Dolmetscher,
die in beiden Sprachwelten zu Hause sind: der Pater ist ein solcher.
Seit vielen Jahren laden sich der Vorstand
einer großen DAX notierten Aktiengesellschaft und der regionale
Bischof mit seinem Domkapitel, dem Geistlichen Rat des Bischofs,
wechselseitig zu einem Gespräch über gemeinsame Fragen.
Im Vorfeld wird eine Tagesordnung festgelegt. Einmal nun wurde auch
der Pater vom Bischof eingeladen, da er Experte in der katholischen
Soziallehre ist und gerade ein neues päpstliches Dokument zu
sozialen Fragen erschienen war.
Der Pater sollte den Herren des Vorstandes
dieses Dokument darstellen, für viele Mitglieder des Geistlichen
Rates auch eine spannende Erfahrung. Die Diskussion sprengte den
zeitlichen Rahmen und war sehr angeregt und kontrovers für
alle. Als scheinbar plötzlich der Pater zu einem Vorstandsmitglied,
einem Professor, bemerkte: Wenn Sie für Ihr berufliche Weiterbildung
so wenig getan hätten, wie Sie es offensichtlich in geistlichen
Tun halten, wären Sie heute arbeitslos.
Der Bischof, entsetzt über diese Aussage,
rief den Pater zur Raison, so könne man nicht mit einem Vorstandsmitglied
sprechen. Der Angesprochene reagierte souverän und authentisch:
Herr Bischof, Ihre Sprache verstehe ich nicht, der Pater spricht
meine Sprache.
Seitdem waren der Professor und der Pater
füreinander aufmerksame und wertgeschätzte Gesprächspartner.
Vor wenigen Wochen an einer Fachhochschule
in Bayern. Der Pater hielt eine Vorlesung “Einführung
in die Wirtschaftsethik” für BWL-Studierende, die im
Praxissemester waren. Diese junge Leuten beherrschen das Denglisch
der BWL perfekt, kannten die Fachbegriffe Corporate Citizenship,
Responsible Business, Corporate Philanthropy, Corporate Social Responsibility,
Shareholder Value, Stakeholder Value, Public Private Partnership,
Corporate Governance, Corporate Governance Kodex, Shareholder-Value-Management,
Stakeholder-Management, Compliance. Als der Pater fragte, was denn
diese Begriffe und Konzepte mit Ethik zutun hätten, war das
Schweigen unüberhörbar. Dann fiel das Wort “Korruption”,
denn die Medien berichteten über zahlreiche Fälle in der
deutschen Industrie in diesen Tagen. Ein Student meinte, “Korruption”
machten doch alle und sichere im Übrigen Arbeitsplätze
in Deutschland. Das sei doch moralisch in Ordnung. Da hatte der
Pater einen schwierigen Part. Denn wenn alle bestechen, Schmiergelder
zahlen, sei das ethisch wohl in Ordnung.
Jetzt musste der Pater erst einmal den Unterschied
zwischen Legalität und Moralität erklären und bei
den Studierenden um die Einsicht werben: Was ethisch geboten sei,
ist nicht eine Frage von Mehrheiten sei, sondern das Ergebnis ethischer
Reflexion und beanspruche “immer” Gültigkeit. Das
kann dann richtig teuer werden. Lion Feuchtwanger [1884 - 1858]
drückte dies so aus: “Von allen Lastern ist Anstand das
Kostspieligste.”
Ignatius von Loyola meldete sich jetzt bei
dem Pater: "Drittens: Ich wäre langsam im Sprechen, indem
ich das Hören für mich nutze; ruhig, um die Auffassungen,
Gefühle und den Willen derjenigen, die sprechen, zu verspüren
und kennen zu lernen, um besser zu antworten oder besser zu schweigen."
Und der Pater erinnerte sich der Geistlichen
Übungen, der Exerzitien, wo er in der Nummer 22 später
nachlas: [... Jeder muss bereitwilliger sein], die Aussage des Nächsten
zu retten, als sie zu verurteilen; und wenn er sie nicht retten
kann, erkundige er sich, wie jener sie versteht, und versteht jener
sie schlecht, so verbessere er ihn mit Liebe [...]. Die „goldene
Regel der ignatianischen Kommunikation" als persönlicher
Herausforderung.
Die Antwort auf die Frage der Journalistin
bin ich Ihnen noch schuldig:
Werte und Orientierung sind in unseren Gesellschaften
wieder gefragt. Dürfen wir alles, was wir technisch können?
Stichworte sind: Bilanzfälschungen, Klonen, Angriffskrieg.
Werte und Orientierung sind wesentliche Elemente der christlichen
Botschaft. Und diese gilt es zu übersetzen in die jeweilige
Zeit, gesellschaftlich und persönlich. Die Zielgruppe „Kirchenmitglieder"
ist keine homogene Gruppe, sie war es auch nie. Die Palette kirchlicher
Produkte darf neben aller Funktionalität der Angebote, die
persönliche Seelsorge als wichtigstes Produkt nicht vergessen
werden. Menschen, seien sie Kirchenmitglieder oder Suchende, schätzen
es, wenn die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Kirchen ihnen Aufmerksamkeit
und Zeit schenken. Zugleich gilt es, die Botschaft von der Würde
des Menschen und seiner Freiheit in die Gesellschaft und die Welt
hinein zu buchstabieren.
Die Fragen einer Verbesserung der Angebote
und der Qualitätssicherung sowie der Entwicklung neuer Strategien
stehen nicht im Gegensatz zu den Inhalten der christlichen Botschaft.
Die „Technologie" des Marketings darf aber nicht mit
den Inhalten verwechselt werden im Sinne von „Prüft alles,
und behaltet das Gute." [1 Thessalonicher-Brief 5, 21]
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