| |
 |
 |
| Text: Dr. Christof M.
Beckmann |
|
| Dr. Christof M. Beckmann,
Jahrgang 1960, leitet seit 1995 die Redaktion „KIP-NRW
/ Katholische Kirche im Privatfunk Nordrhein-Westfalen“
in Oberhausen. Die gemeinsame Redaktion der (Erz-)Bistümer
Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn liefert
die Kirchenbeiträge für radio NRW, das Mantelprogramm
der 46 NRW-Lokalradios. |
|
| |
|
|
|
Kneifen gilt nicht: Die Botschaft
gilt allen
Sie wollen Menschen erreichen?
Sie wollen ihr Produkt unters Volk bringen, ihre Konsumenten
finden und binden? Treiben sie professionelle Marktanalysen, kümmern
sie sich um Produktpaletten und Investitionsplanung, entwerfen sie
Vertriebs- und PR-Strategien, zielen sie auf Effizienzsteigerung
und Gewinnoptimierung für ihre Share-Holder. Erarbeiten sie
sich zielgruppen- und milieuorientiert ihr Marktsegment, damit sie
ihre Nische besetzen und ausweiten, ihr Publikum erreichen. Und
verbinden sie neben Styling- und Designfragen zuletzt alles mit
einer Botschaft. Sie soll klar, eindeutig, omnipräsent und
sofort verständlich sein, smart klingen und angenehme Assoziationen
wecken. Und wenn die passende Medienkampagne „Kult“
wird, könnten sie sogar Marktführer werden...
Keiner der Apostel, niemand der Katakombenheiligen,
keiner der auf Säulen hockende Styliten der ägyptischen
Wüsten oder der in Sandalen durch die Wälder des Kontinents
streifenden iroschottischen Wanderprediger hätte daran nur
einen Gedanken verschwendet. Kein in den Ruinen des römischen
Imperiums schreibender Kirchenlehrer sinnierte über Designfragen,
kein gotischer Prachtbau wurde als Marketinggag begonnen. Benedikt,
Franziskus, Ignatius, Don Bosco: Keiner der Ordensgründer wollte
eine Marktnische besetzen. Und kein großes Orgelwerk wurde
komponiert, nur um eine Produktpalette zu präsentieren. Trotzdem
gilt die Kirche manchen faszinierten Werbestrategen unserer Tage
als Gigant unter den wirklichen „Global Playern“ aller
Zeiten und als Produkt einer einzigartigen und vorbildlichen PR-Mega-Kampagne.
Leicht in den Hintergrund tritt der eigentliche
und innerste Grund: Der Glaube an die Mega-Botschaft. Dem kirchlichen
Verständnis nach ist sie schlicht die Nachricht aller Nachrichten.
Sie macht die Kirche nicht nur zur ältesten Nachrichtenagentur
der Welt, sondern zugleich zum Ur-Medium und selbst zum lebendigen
Teil der Nachricht. Kirche ist damit Kommunikation im Vollsinn des
Wortes, ihr Daseinszweck ist nicht mehr und nicht weniger als „communicare“,
ihre Mission ist die gemeinschaftsstiftende Mitteilung. Dieses Kommunizieren
ist ihre Bestimmung - und das seit 2000 Jahren. Es hat die Welt
verändert, unsere Zivilisation geprägt. Zu allen Zeiten,
in jeder Epoche, auf allen Kontinenten, in allen Zeitzonen, allen
Sprachen, Lebensmilieus und Kulturen. Wie bislang niemand anderer.
Und es mag an vielen glaubwürdigen Zeugen Jesu liegen, vor
allem aber an der Botschaft selbst.
Das Entscheidende: Sie galt nie einem Special-Interest-Publikum,
nie einem exklusiven „inner circle“, sondern
jedem und jeder, in jeder Lebenslage, jeder Herkunft. Ohne Blick
auf Einkommen, Alter, Schulbildung, sozialen Stand – was immer
unterschiedliche Lebensmilieus kennzeichnet. Wenn die Kirche sich
in der Feier ihrer Hoffnung denen zuwendet, die auf der Suche, skeptisch,
offen oder ablehnend sind, wenn sie mit der blan-ken Information
beginnt, dann erfüllt sie ihre innerste Bestimmung. „Ite
missa est“ - in den Radiojargon gewendet heißt es: „Ihr
seid auf Sendung! – Selbst wenn ihr dabei immer wieder bei
Adam und Eva anfangen müsstet.“ Falls Kirche an dieser
Stelle kneifen würde, wäre sie am Ende. Ist sie aber nicht.
nach oben
|