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editorial
Sinnstiftermag – vierte
Ausgabe
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss von
Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von einer
gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien.
Medien transportieren sinnhafte Inhalte
und sind in dieser medialen Funktion vor allem selbst sinnhaft.
Sie können gar nicht anders. Damit sind sie religionsproduktiv.
In Partnerschaft mit Akteuren aus Kommunikation und Kirche sucht
sinnstiftermag nach den Analogien religiöser und medialer Kommunikation.
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Titelstory
Kirchliche
Kommunikation durch Zielgruppenmodelle?
Religion vergesellschaftet sich seit
einiger Zeit grundlegend neu. Religiöse Praxis wird, wie vieles
andere, in die Freiheit des Einzelnen gegeben. Das hat folgenschwere
Konsequenzen für die kirchliche Kommunikation. Zwischen der
Hierarchie und den Gläubigen walten de facto Tauschbeziehungen
zwischen Anbietern und Nachfragern. Doch nicht nur dieser Machtverlust
stresst die Kirche. Mindestens genauso ungewohnt für sie: Die
Kirche steht nicht einem, sondern einer Vielzahl differenter Milieus
gegenüber. weiter
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interview
Fragen an Walter Erlenbach, Geschäftsführer
von microm
Die Verknüpfung von Theologie und Soziologie
fällt vielen Verantwortlichen in der Kirche schwer. Es verspricht
aber Erfolg, so Manfred Erlenbach, wenn Kenntnisse über die
Strukturierung unserer Gesellschaft nicht nur unter dem theologischen
Gesichtspunkt betrachtet werden. weiter
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statements
Meinungen zur zielgruppengerechten
Kommunikation
Wie denken Insider über die Zielgruppen-Kommunikation
der Kirche? Was meinen Außenstehende aus Unternehmen und Wissenschaft?
Wo gibt es Optimierungspotential, wo Hindernisse und Widerstände?
Sieben Profis geben Antworten. weiter
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über
die autoren
Kurze biographische Notizen
Die Macher von sinnstiftermag bedanken sich
für Beiträge, Mitarbeit, Engagement und Meinung von Rainer
Bucher, Walter Erlenbach, Manfred Becker-Huberti, Antje Hundhausen,
Franz Walter, Benno Kuppler, Ekkehardt Oehmichen, Christof M. Beckmann
und Christof Vetter.
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Sinnstiftermag
ist ein:
– Magazin, das dreimal im
Jahr über Kirche und Kommunikation reflektiert
– Projekt im Schnittbereich kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit
und werblicher Kommunikation
– Radar zur Ortung interessanter Themen und Menschen im kirchlich-medialen
Umfeld |
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Die fünfte Ausgabe
von sinnstiftermag erscheint im Spätsommer 2007.
Titel: Wort/Bild. Die großen Kirchen im harten Wettbewerb
um visuelle Aufmerksamkeit.
Klicken Sie sich wieder ein!
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Erreicht/Unerreicht – Welche Zielgruppen
spricht Kirche heute noch an?
Die vierte Ausgabe von sinnstiftermag
Das Instrumentarium ist vorhanden, die Daten
liegen auf dem Tisch. Dennoch: Viele Verantwortliche in der Kirche
tun sich schwer mit Werbung, Milieustudien und Umfrage- Ergebnissen.
Vorbehalte sind verständlich, Vorurteile und Verurteilungen
nicht.
Es gibt viel, was Kirche von Unternehmen
und aus Erkenntnissen lernen kann, die ursprünglich zu kommerziellen
Zwecken gewonnen wurden. Zum Beispiel: zielgruppengerechte Kommunikation.
Was bei der Optimierung kirchlicher Kommunikation
durch Zielgruppenmodelle geht und was nicht, analysiert Professor
Rainer Bucher in unserer Titelstory. Wie detaillierte Informationen
über Zielgruppen – zum Beispiel Gläubige –
über ihre Ansichten, Einstellungen und Grundorientierungen
Kommunikation verbessern können, darüber gibt Walter Erlenbach
vom Unternehmen microm Auskunft.
Sieben Statements runden das Thema unserer
vierten Ausgabe ab und inspirieren Sie vielleicht zu einem eigenen
Kommentar. Wir freuen uns drauf.
Ihre sinnstiftermag-Redaktion
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Text: Prof.
Dr. Rainer Bucher
Bild: photocase.com
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| Prof. Dr. Rainer Bucher
ist seit 2000 Professor für Pastoraltheologie
an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität
Graz und derzeit dort Dekan. Er promovierte 1986 bei Elmar Klinger
(Würzburg) mit einer Arbeit über das Spätwerk
Nietzsches und 1996 bei Ottmar Fuchs über Prozesse der
Kirchenbildung in der deutschen katholischen Kirche der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. |
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Was geht und was nicht geht.
Zur Optimierung kirchlicher Kommunikation
durch Zielgruppenmodelle
I)
Religionen
organisieren sich sehr unterschiedlich. Das gilt selbst
für die katholische Kirche. Das frühmittelalterliche germanische
Eigenkirchenwesen war etwas anderes als die stolze Kirche des Hochmittelalters
und der Josephinismus des 18. Jahrhunderts etwas recht anderes als
die Papstkirche der Pianischen Epoche von 1850 bis ungefähr
1960. Die konkrete Sozialgestalt der Kirche hat epochale Wechsel
hinter sich. Es scheint so, als ob in unseren Breiten wieder einmal
ein solcher Wechsel bevorsteht, besser: sich gerade vollzieht.
Der Grund dafür
liegt außerhalb kirchlicher Verfügungsmacht: Religion
vergesellschaftet sich seit einiger Zeit grundlegend neu. Religiöse
Praxis wird, wie vieles andere, in die Freiheit des Einzelnen gegeben.
Innerhalb der Freiheitsgeschichte der Moderne geschieht das übrigens
ziemlich spät, lange nach der Freigabe beruflicher Selbstbestimmung
etwa und ungefähr zeitgleich mit der Verflüssigung der
Geschlechterrollen. Religion als das Verhältnis zur obersten
Macht und die Geschlechterrolle als das Verhältnis zum eigenen
Körper sind offenbar ausgesprochen prekäre Relationen
der menschlichen Existenz. Sie blieben lange massiv reguliert, nun
aber geraten auch sie in den Freiheitsspielraum des Einzelnen.
Besonders für
Katholiken und Katholikinnen ist das etwas ziemlich Neues. Sie wurden
noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein von ihrer
Kirche fürsorglich geführt. Diese Versuche gibt es natürlich
auch heute noch, aber die Entscheidung, ob man ihnen folgt, liegt
nun beim Einzelnen. Für die katholische Kirche bedeutet das
eine revolutionäre Neukonstellation: Sie gerät in ihrer
konkreten Existenz plötzlich unter den Zustimmungsvorbehalt
ihrer eigenen Mitglieder und wurde von einer religiösen Schicksalsgemeinschaft
zu einer von vielen Anbieterinnen auf dem Markt von Religion und
Lebenssinn.
II)
Das hat folgenschwere Konsequenzen
für die kirchliche Kommunikation. Zwischen der Hierarchie
und den Gläubigen walten denn auch de facto – Angestellte
und Priester ausgenommen – nicht mehr Herrschaftsbeziehungen
zwischen Anweisenden und Ausführenden, sondern Tauschbeziehungen
zwischen Anbietern und Nachfragern. Man geht wegen spezifischer
Bedürfnisse in die Kirche, nicht mehr der Norm wegen –
und sei es das Bedürfnis nach Norm. Wenn die Gatter der „kirchlichen
Herde“ offen sind, ändert sich auch die Situation für
jene, die in ihnen bleiben: Sie tun es nämlich ab sofort freiwillig.
Das ist die unhintergehbare Rahmenbedingung kirchlicher Kommunikation
heute. Für die Kirche, gerade die katholische, ist sie ebenso
neu wie immer noch ein wenig ungewohnt.
Doch nicht nur dieser Machtverlust stresst
die Kirche. Mindestens genauso ungewohnt für sie: Die katholische
Kirche steht nicht einem, gar „dem“ modernen Milieu
gegenüber, sondern einer Vielzahl differenter Milieus mit unterschiedlichen,
teilweise konträren Erwartungen an sie. Schärfer noch:
Die Kirche selbst ist in das Spannungsfeld differenter Milieus geraten
und kann sich gerade noch, wie die Sinusstudie zeigte, auf drei
Milieuschollen halten, während die anderen schon mehr oder
weniger weit aus ihrer Reichweite abgedriftet sind. Diese unterschiedlichen
Milieus, wie immer man sie sozialwissenschaftlich „schneidet“,
repräsentieren ästhetisch-lebenskulturelle Vergemeinschaftungs-
und Orientierungsmuster und stellen an Religion (und Kirche) höchst
differente, teilweise konträre Ansprüche. Offenkundig
gelingt es etwa der katholischen Kirche nur noch in wenigen, näherhin
in den eher konservativ-(klein-)bürgerlichen dieser Milieus,
halbwegs dauerhaft präsent zu sein.
Sozialpsychologisch drohen in solchen Entmachtungs-
und damit Demütigungskonstellationen zwei fatale, in sich scheinbar
konträre Reaktionsweisen: Zielgruppenopportunismus und reaktive
Selbsteinschließung. Beide versprechen das Gleiche: die Schmerzen
des Umbaus zu lindern. Das eine Mal, weil man hofft, den eigenen
Depotenzierungsprozess durch Zielgruppenmarketing stoppen zu können,
das andere Mal, indem man die eigene Demütigung durch Denunziation
der verstockten Außenwelt kompensiert. Beides ist irgendwie
verständlich, aber eben auch fatal. Freilich sind die Dinge
komplizierter, als man auf den ersten Blick meinen könnte.
Vor allem, weil die Kirche keine Produkte verkauft und doch auf
ihre Adressaten existentiell angewiesen ist.
III)
Es fällt vielen in der Kirche
schwer zu akzeptieren, dass die Kirche auf den Markt und damit unter
die Marktmacht der Kunden geraten ist. Diese Position gibt
es übrigens in einer konservativen, institutionsstolzen wie
in einer progressiven, kapitalismuskritischen Variante. Und es stimmt
ja: In ihrem Selbstverständnis ist das, was Kirche anzubieten
hat, kein beliebiges, gar austauschbares „Produkt“.
Diese Abwehrreaktion ist also durchaus verständlich.
Zumal das Christentum in seiner langen Geschichte noch kaum Erfahrungen
mit einer solchen Marktsituation hat, sein kollektives Gedächtnis,
besser: seine konfessionsspezifischen kollektiven Gedächtnisse
erinnern eben eher Macht- als Marktkompetenzen. Das Christentum
ist seit langem, spätestens seit der „Konstantinischen
Wende“ des 4. Jahrhunderts gewohnt, sich im Wesentlichen über
gesellschaftliche Herrschaftsprozesse zu realisieren. Übrigens
mit einer bemerkenswerten Ausnahme, der man meistens das Gegenteil
zuschreibt, manchmal zu Recht, aber eben bisweilen auch zu Unrecht:
der Mission.
Theologisch ist es erst einmal überhaupt
kein Problem, dass die Kirche in die Ohnmachtsposition der Kundenabhängigkeit
geraten ist. Mit Blick auf ihren Gründer, Jesus, der bekanntlich
in einer dramatischen Ohnmachtssituation starb, ist dies eigentlich
sogar die kirchliche Normalposition. Was ist dann aber das Problem?
Dass natürlich stimmt: Die Kirche verkauft tatsächlich
keine „Ware“. Sie verkauft überhaupt nichts, denn
der Kern ihrer Botschaft ist kostenlos, oder im theologischen Jargon
gesagt: Gnade. Was sie zu kommunizieren hat, ist Gottes Gnade, näherhin:
Gottes Gnade als Voraussetzung der Umkehr.
Ob sie das tut, darüber hat die Kirche
nicht zu entscheiden. Das ist ihr vorgegeben, sie kann über
nichts anderes reden, sich für nichts anderes einsetzen –
zumindest solange sie sich auf Jesus Christus berufen will. Theologie
übrigens gibt es, um darüber zu streiten, ob sie in dem,
was sie tut, genau dies tut. Da es in diesem Streit um ziemlich
viel geht, wird er auch bisweilen so hart geführt. Die Kirche
kann nicht ihr Produkt einfach modifizieren, wenn es nicht mehr
absetzbar ist, und sie kann es auch nicht einfach milieuspezifisch
designen, wie Autokonzerne ihre PKWs länderspezifisch auslegen.
Nun spräche das erst einmal für
die stolze Nicht-Anpassung an „Zielgruppenmilieus“.
Wenn nicht der Kirche nun ausgerechnet das dazwischenkäme,
was ihrer Veränderungskompetenz entzogen ist und auch den Rezeptionswünschen
der Adressaten: die eigene Botschaft. Ausgerechnet sie verweist
die Kirche weg von sich auf jene, mit denen sie es zu tun hat, auch
und gerade, wenn sie nicht zu ihr gehören.
Es ist nämlich christlich, vielleicht
sogar spezifisch christlich, dass in der eigenen Botschaft die ZuhörerInnen
eine doppelte Rolle spielen. Sie sind ihre AdressatInnen, aber auch
ein wesentlicher Teil ihres Inhalts. Denn die christliche Rede vom
gnädigen Gott, der unsere Erlösung will, auch jene von
unseren eigenen kleinen Erlösungsvorstellungen, spricht nicht
auf von irgend einem radikal transzendenten Gott ohne Nähe
zu uns, sondern sie redet vom befreienden Gott der Menschen, genauer
sogar: vom befreienden Gott dieser konkreten Menschen heute.
Mit anderen Worten: Die „Zielgruppen“
christlicher Verkündigung sind Teil ihres Inhalts. Nicht der
einzige, denn dann hätte christliche Verkündigung nichts
wirklich Neues zu sagen, aber ein wichtiger. Denn der christliche
Gott ist kein beziehungsloser Gott irgendwo, sondern jener Gott,
der diese konkreten Menschen erlösen will, erlösen kann
und erlöst. Die Kirche kann also gar nicht „ihren“
Gott an jenen Menschen vorbei verkünden, an die sie sich wendet.
Denn sie hat ihn ja als deren Gott zu erweisen.
Wenden aber muss sich die Kirche an alle,
und auch das wegen ihrer Botschaft. Denn Gottes Heilswillen ist
universal und reicht im Übrigen auch weiter als die Kirche
und ihre Kommunikationsmöglichkeiten. Die Kirche ist auf den
Gott Jesu verpflichtet, der aber ist der Gott aller Menschen und
will das Heil aller. Und deshalb braucht die Kirche „Zielgruppenkenntnisse“.
Nicht, um ihre Botschaft zu adaptieren, sondern um mit allen Kulturen
heute, den globalen wie den lokalen, gemeinsam auf die Entdeckungsreise
zu gehen, was es denn bedeuten könnte, an diesen Gott des Jesus
zu glauben. Die Kirche weiß das nämlich nicht von vorneherein,
wenn sie auch manchmal so getan hat. Sicher: Sie hat bestimmte Erfahrungen
in diesen Entdeckungen, sie sind in Theologie und Frömmigkeit,
christlicher Kunst und auch in den Dogmen festgehalten. Aber welches
Lebens sie heute aus sich entlassen, das muss immer neu entdeckt
werden.
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst
der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten
aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger
Christi“ (GS 1). So beginnt das markanteste Dokument des letzten
großen Konzils. Das Leben des Christen und jenes der Kirche,
sie sind keine triumphalen Siegesgeschichten, sondern immer ziemlich
gewagte Entdeckungsgeschichten dessen, woran man zu glauben hofft.
Was sie wert sind, wird sich erst herausstellen, das christliche
Dogma dafür ist die „Lehre von den Letzten Dingen“.
IV)
Das
Zentrum des Christentums ist der Glaube, dass sich Gott
in Jesus von Nazareth in seiner Liebe für uns erniedrigt hat,
dass er Mensch geworden und bis in den Tod hinab gestiegen ist,
nur zu einem Zweck: um allen Menschen eine Chance auf Erlösung
zu geben. Unsere Antwort darauf aber soll sein, den gleichen Weg
zu gehen, den Weg der Nächstenliebe und der Demut, der Hoffnung
und der Liebe, denn das ist der Weg zum Leben, zu uns, zu Gott.
Die Kirche und
alle und alles in ihr haben allein einen Zweck: diese Geschichte,
diese Wahrheit, diese Erfahrung zu verkünden. Sie tut es in
der Geschichte der Menschheit und also unter den Bedingungen menschlicher
Existenz, in der Sündhaftigkeit, die nie weicht, und in der
Unvollkommenheit unserer sozialen Verhältnisse und institutionellen
Strukturen.
Die Kirche hatte
ihre Aufgabe unter den Bedingungen der spätantiken religionspluralen
Gesellschaft ebenso zu erfüllen wie im feudalen Mittelalter,
als sie ein Teil der gesellschaftlichen Macht war, und sogar der
entscheidende. Und sie hat sie heute zu erfüllen, wo sie wieder
entmachtet wurde und tatsächlich auf den (religiösen)
Markt gekommen ist.
Das braucht sie
überhaupt nicht zu bedauern. Es steht sowieso nicht in ihrer
Verfügungsgewalt, in welchem Kontext sie den Gott Jesu zu verkünden
hat. Sie muss sich einfach darauf einstellen. Der Markt hat außerdem
viele Vorteile für die Religion, vor allem beraubt er sie der
selbstverständlichen Herrschaft über die Einzelnen und
das tut ihr nur gut. Auch macht er möglich zu kontrollieren,
ob Behauptung und Inhalt, Personen und Botschaft halbwegs übereinstimmen
– und auch das ist nur gut. Der Markt hat aber auch viele
Nachteile: Zum Beispiel neigt er zu Unverbindlichkeit und Konsumhopping,
das ist in den wichtigen Dingen des Lebens aber selten ratsam. Und
er hat eine merkwürdige Tendenz zum Niveauverlust.
Vor allem aber
verführt er dazu, sich um des Markterfolgs willen zu radikalisieren.
Auf den globalen Märkten des Glaubens gewinnen die Anhänger
von angeblich ganz besonders „rechtgläubigen“,
in Wirklichkeit aber nur latent oder offen gewalttätigen Religionsvarianten
an Boden. Diese Form der globalen religiösen Markenbildung
wird uns noch viel zu schaffen machen.
Die katholische
Kirche und überhaupt das Christentum hat sich zu profilieren,
aber eben damit, womit sich etwa Johannes Paul II weltweit profiliert
hat und was im Konzil grundgelegt wurde: mit der Stimme der Menschenrechte,
mit dem Glauben an einen Gott, dessen Heiliges nicht die eigene
Macht, sondern die eigene Ohnmacht um der Liebe willen ist, und
sie hat sich zu profilieren mit der konkreten Tat für all das.
Dafür
hat sie zu stehen. Welche Zielgruppe sollte das nicht brauchen?
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Literaturhinweise:
R. Bucher,
Die Provokation annehmen. Welche Konsequenzen sind aus der
Sinusstudie zu ziehen?, In: HerderKorrespondenz 60 (2006) 450-454
Ders., Die Provokation der Krise.
Zwölf Fragen und Antworten zur Lage der Kirche, 2. Aufl.
Würzburg 2005
Ders., Neuer Wein in alte Schläuche?
Zum Innovationsbedarf einer missionarischen Kirche, in: M. Sellmann
(Hrsg.), Deutschland Missionsland? Zur Überwindung eines pastoralen
Tabus, Freiburg/Br. 2004 (Quaestiones disputatae 206), 249-282
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Im Interview:
Walter Erlenbach, Diplom-Geograph, Geschäftsführer
Foto: photocase.com |
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Walter Erlenbach hat
Geographie, Mathematik sowie Wasserwirtschaft und Ethnologie
studiert. Statistische Verfahren und ihre Anwendungen
waren Schwerpunkte seines Studiums. 1993 wurde er microm-Mitarbeiter,
seit Anfang 2003 ist er einer von zwei Geschäftsführern
des auf Zielgruppen- und Geomarketing spezialisierten Neusser
Unternehmens. |
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Kirche und Marktforschung
Interview mit Walter Erlenbach
Walter Erlenbach ist Geschäftsführer der
microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH. Er ist zuständig
für den Bereich räumliche und inhaltliche Datenerstellung, Methodik
sowie projekt- und kundenbezogene Anwendung. Während in der Wirtschaft
große Unternehmen seit Jahrzehnten mit Zielgruppentypologien arbeiten,
"fangen wir", so Erlenbach, "in der Katholischen Kirche mit dem
Sammeln von Erfahrungen ja erst an."
Als Geschäftsführer von microm
bieten Sie Ihren Kunden detaillierte Informationen über Zielgruppen,
deren Ansichten, Einstellungen und Grundorientierungen. Wie kommt
ein Unternehmen wie das Ihre zu solchen Informationen?
Microm kommt aus der Microgeographie.
Wir aggregieren kleinräumig und dem Datenschutz genügend
anonymisierte, nicht personenbezogene Daten aus unterschiedlichen
Quellen, wie z.B. unserer Muttergesellschaft Creditreform und vielen
anderen, zu verschiedenen Wohnumfeldinformationen. Unser Slogan
„Wir kennen jedes Haus“ mag in Einzelfällen nicht
immer ganz richtig sein, trifft aber ansonsten unseren flächendeckenden
Daten- und damit Analyseanspruch.
Marktforschung im eigentlichen Sinne wird
bei Sinus Sociovision betrieben. Jahr für Jahr werden inzwischen
über 33.000 Personen befragt, nach Einstellungen, Lebensstilen
und -zielen, nach Werten und natürlich auch nach Konsumgewohnheiten.
Ergebnis sind die Sinus Milieus®, die führende Zielgruppentypologie
in Deutschland. In insgesamt 10 Milieus werden jeweils Menschen
zusammengefasst, die sich in Lebensweise und Lebensauffassung ähneln,
das heißt verwandte Wertprioritäten, soziale Lagen und
Lebensstile haben.
Ihr Unternehmen arbeitet eng mit Sinus Sociovision
zusammen...
microm und Sinus Sociovision verbinden
seit 1998 erfolgreich ihre beiden unterschiedlichen Schwerpunkte
und Ergebnisse. Beide Unternehmen kannten durch ihre internationalen
Partner und Kunden die – vor allem in den angelsächsischen
Ländern – seit vielen Jahren übliche Verzahnung
von Marktforschung und Microgeographie.
Wir waren und sind von deren Sinn sowie
wirtschaftlichem Mehrwert überzeugt. Und das schon zu einem
Zeitpunkt, an dem sich die – methodisch sehr fundierte und
höchst professionell arbeitende – deutsche Marktforschung
noch vor einer Zusammenarbeit mit der Microgeographie scheute, die
zugegebenermaßen zu diesem frühen Zeitpunkt auch noch
nicht die Datenfülle und -tiefe hatte wie heute.
Sinus Sociovision und microm haben in
Deutschland als Erste diesen Schritt der Zusammenarbeit getan, und
bis heute nicht bereut. Ergebnis sind die MOSAIC Milieus®, eine
lizenzierte Adaption der Sinus Milieus®, die flächendeckend
für ganz Deutschland und inzwischen auch Österreich und
Schweiz vorliegen. Aber, um uns nicht mit falschen Federn zu schmücken:
Die Marktforscher sitzen bei Sinus Sociovision in Heidelberg
Die katholische Kirche nutzt erst seit kurzem
solche Informationen auch für ihre Arbeit. Ist es nicht viel
zu spät dafür?
Die Studie von Sinus Sociovision über
„Religiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus®
2005“, das so genannte Milieuhandbuch, ist doch überhaupt
mal ein Ansatz, die Probleme, die die katholische Kirche mit immer
weniger werdenden Mitgliedern, Gläubigen, hat, aus dem Blickwinkel
der Soziologie zu betrachten.
Die Verknüpfung von Theologie und
Soziologie fällt vielen Verantwortlichen in der katholischen
Kirche bestimmt nicht leicht. Ich halte es jedoch für erfolgversprechend,
und zwar für unterschiedliche Fragestellungen, wenn die vorhandenen
Kenntnisse über die Strukturierung unserer Gesellschaft auch
unter einem anderen Blickwinkel als nur dem theologischen betrachtet
werden.
Spät ist es, sowohl mit Blick auf
diejenigen, die ausgetreten sind, als auch auf diejenigen, die nicht
reingekommen sind. Zu spät? Nein, bestimmt nicht, denn es ist,
wie der Volksmund richtig sagt, nie zu spät, wenn auch selten
zu früh. Die Frage ist: Hätte es in der katholischen Kirche
überhaupt zu einem früheren Zeitpunkt eine Akzeptanz für
die Nutzung der Milieuerkenntnisse gegeben?
Welche Erkenntnisse kann Kirche aus solchen
Daten ziehen?
Die Sinus Studie zeigt auf, welche Milieus
unter den Kirchenmitgliedern, auch unter den Ehrenamtlern und sonstigen
Aktiven, besonders stark vertreten und welche unterrepräsentiert
sind. Das betrifft erst mal den Status Quo. Ich bin überzeugt,
dass manche dieser Erkenntnisse die Verantwortlichen in der katholischen
Kirche nicht wirklich überrascht, aber in ihrer Deutlichkeit
erschrocken gemacht haben.
Aus der Erfahrung mit der Umsetzung solcher
Erkenntnisse wissen wir, dass die verschiedenen Milieus nicht nur
unterschiedliche Werte und Lebensziele haben – und es hilft
sehr, diese, wenn auch nur ansatzweise, zu kennen und anzusprechen
– sondern auch unterschiedliche Kommunikations-wege und -vorlieben.
Die Affinität zu Internet ist ja
heute nicht mehr nur eine Frage des Alters, schon gar nicht des
Einkommens oder sonstiger soziodemographischer oder sozioökonomischer
Merkmale allein. Aber die Milieus differieren hier deutlich. Und
ich denke, die Frage, wie Personen, die nicht zur Kirche kommen,
trotzdem angesprochen werden können, ist auch und gerade für
eine Kirche, deren „Produkt“ die Botschaft ist, wichtig.
Auf Basis Ihrer Daten können Sie Ihren
Kunden auch sagen, wo welche milieuspezifische Zielgruppe wohnt,
und somit helfen, Werbung punktgenau zu platzieren. Sind solche
Daten der
geographischen Marktanalyse auch für Kirche nutzbar und sinnvoll?
Punktgenau – der Mathematiker sagt:
in Näherungswerten. Wir Microgeographen sind schon möglichst
genau, aber immerhin haben wir in Deutschland auch einen Datenschutz,
der personengenaue Aussagen durch Sammlung und Speicherung von personenbezogenen
Daten durch Dritte, die nicht in einer direkten Kundenbeziehung
mit diesen einzelnen Personen stehen, untersagt.
So können von uns alle Personen,
die in einem Haus, unter einer postalischen Adresse, leben, auch
nur mit der gleichen Information näherungsweise versehen werden
– jeder von uns weiß, welche unterschiedlichen Wertvorstellungen
und Lebensziele schon in einer Familie auftreten können. Und
mehr noch, beim Aufbau der anonymen microgeographischen Daten müssen
immer mindestens fünf Haushalte zusammengefasst werden, die
möglicherweise auch in verschiedenen Häusern leben.
Andererseits hat gerade die Sozialisierung
in der Familie und dem näheren Umfeld für viele von uns
maßgeblichen prägenden Einfluss. Und es gilt in Deutschland,
wieder mehr denn je, die Devise: „Gleich und gleich gesellt
sich gern.“ Also sogenannte Wohnumfeldinformationen sind sehr
wichtig. Und dieses alles erleichtert nicht nur die genaue Verortung
der Milieus sehr, sondern trägt auch zu hoher Treffergenauigkeit
bei.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Die Sinus
Studie liegt ja noch nicht so lange vor. Trotzdem sind erste Erfahrungen
sehr positiv. Wenn die Einladungen für bestimmte Veranstaltungen
der katholischen Kirche plötzlich sehr viel mehr Erfolg zeigen,
nachdem im Wesentlichen die Angehörigen von bestimmten Milieus
angesprochen worden sind, wenn sich erste Erfolge bei der Zielgruppen
genauen Positionierung von Angeboten einstellen, dann lässt
das noch weit mehr erhoffen.
Für eine genaue Response- und Wirksamkeitsanalyse
ist es wohl noch etwas zu früh, aber ich bin sicher, dass wir
in ein, zwei Jahren nachprüfbare Ergebnisse haben werden, die
den Wert dieser Daten und die Nachhaltigkeit der Vorgehensweise
und darauf basierender Aktionen beweisen werden.
Ihre Fachleute beraten Kunden auch bei Text
und Gestaltung von Mailings, damit diese, wie Sie sagen, „den
Nerv“ der Zielgruppen treffen. Sind Mailings und das Abstimmen
der milieuspezifischen Ästhetik auf die jeweilige Zielgruppe
auch etwas für die Kirche?
Auf jeden Fall ja. Von Herrn Dr. Becker-Huberti
habe ich den Bibel-Beleg erfahren: „Den Griechen Grieche und
den Römern Römer zu sein“. Das ist doch –
auch für die christliche Botschaft – natürlich genau
das Eingehen auf die Sprache, aber auch auf die Kultur der Gesellschaft,
auf das, was einzelnen Gruppen der jeweiligen Gesellschaft wichtig
ist.
Und gibt es nicht in der langen Geschichte
der katholischen Kirche genug Beispiele von Personen, die mit ihrer
Botschaft und genau mit ihrer Ansprache ihre Zuhörer auch erreicht
haben – so lange sie wussten, zu wem sie predigten.
Mailings, im Sinne von Werbebriefen, stellen
doch nur eine spezielle Art der Kommunikationsmittel dar. Ein Medium,
das, allgemein gesprochen, eine ausgewählte Gruppe von Menschen
auf ein spezielles „Produkt“ hinweist. Ein gutes Mailing
verdeutlicht dem Empfänger erst mal, dass er zu dieser ausgewählten
Gruppe dazu gehört. Wichtig ist darüber hinaus, dass es
zum richtigen Zeitpunkt ankommt – am besten, wenn beim Empfänger
ein gewisser Bedarf besteht. Und es muss den Empfänger ansprechen
– also in seiner Ästhetik, in Form und Stil. Letztendlich
muss das Produkt natürlich einen Nutzen, einen Vorteil versprechen.
Von politischen Parteien, von Sport-,
Kultur- und anderen Vereinen werde ich – oft unabhängig
von der Mitgliedschaft und über die allgemeinen, meist periodischen
Mitgliederbriefe hinausgehend – auf viele gesonderte Veranstaltungen
hingewiesen und persönlich eingeladen.
Wer hofft, die Menschen mit unpersönlichen,
allgemeinen Hinweisen an Orten, an denen sie diese Hinweise meist
gar nicht wahrnehmen, für etwas, vielleicht auch noch Neues,
gewinnen zu können, irrt. Ob meine Haltung gerechtfertigt sein
mag oder nicht, ist nicht die Frage. Es gilt zu konstatieren, dass
sie besteht und dass ich nur so „erreichbar“ bin. Warum
sollte gerade die Kirche mich nicht dort abholen, wo ich gerade
stehe?
Was meinen Sie: Ist Kirche heute noch für
alle da?
Ketzerisch zurück gefragt: War die
Kirche jemals für wirklich alle da? Ich meine nicht in ihrem
theologischen Anspruch, sondern in ihrer realen Arbeit, in ihrer
„Politik“ und in der Wahrnehmung der Menschen. Werden
nicht immer dann, wenn die Kirche für eine zum Beispiel benachteiligte
Bevölkerungsgruppe eintreten und Stellung beziehen will und
muss, andere Gruppen angeprangert oder gar ausgegrenzt?
Vielleicht sollten wir uns auf den gemeinsamen
Nenner verständigen, dass die Kirche, wie früher, auch
heute und in Zukunft den Anspruch nicht aufgeben sollte, für
alle offen zu sein, für alle bereit zu stehen, für alle
ein Angebot zu suchen – auch wenn sie es heute noch nicht
hat.
Wir sind doch im 21. Jahrhundert, zumindest
hier in Mitteleuropa, so individualisiert, dass auch die Kirche
akzeptieren sollte, ob und wann der Einzelne dieses Angebot annimmt.
Geschieht das zu selten, ist es folgerichtig, dass sich die Kirche
fragt, ob das Marketing – also Art, Zeitpunkt, Präsentationsform
des Angebotes – immer und überall das richtige ist.
Oder ob nicht doch differenzierter auf
die unterschiedlichen Zielgruppen und die unterschiedlichen Bedürfnisse
eingegangen werden sollte und muss. Dass Kindergottesdienst nicht
im Seniorenheim stattfindet, wissen wir alle, aber es wird ein „standardisierter“
Gottesdienst für meist heterogen zusammengesetzte Gemeinden
angeboten.
Kann Kirche heute als „Großanbieter“,
der für alle ein standardisiertes Angebot hat, noch im Wettbewerb
um Aufmerksamkeit bestehen? Oder müssen nicht auch die Angebote
selbst exakt auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sein?
Kennen Sie aus dem institutionellen oder
gewerblichen Bereich einen anderen Großanbieter, der für
alle ein Angebot hat und langfristig erfolgreich
ist? Jede Firma bietet eine Produktpalette an, wie zum Beispiel
Autos von klein bis groß, von sparsam bis sportlich, vom Cabrio
bis zum Kombi. Alles sind aber Autos, die dem einzigen (Auto-Enthusiasten
mögen mir verzeihen) Zweck dienen, von A nach B zu gelangen.
Warum haben gerade die großen Verlage
die unterschiedlichsten Titel? Sie erreichen bestimmte Personen
anscheinend nur über viele Bilder und wenig Text, andere aber
über jede Menge Hintergrundinformationen. Ziel ist, zu informieren.
Ich bin überzeugt davon, dass der
Pfarrer in einer Gemeinde inmitten eines innerstädtischen sozialen
Brennpunktes die Gläubigen, mit ihren Problemen und Lebenszielen,
anders ansprechen und woanders abholen muss als der Kollege im Professorenviertel
der gleichen Stadt.
Die Milieubetrachtung ist hier nur eine
konsequente Weiterentwicklung. Denn zwischen Konservativen und Traditionsverwurzelten
auf der einen Seite und zum Beispiel Experimentalisten und Hedonisten
auf der anderen Seite gibt es nicht nur grundlegende Unterschiede
in der Art und dem Inhalt des zuzuschneidenden Angebotes, sondern
auch im Zugang zu diesen Milieus. Gerade Personen, die heute nicht
zur Kirche kommen – wenn ich sie erreichen will, muss ich
mich, konkret wie im übertragenen Sinne, zu ihnen hin begeben.
Wie erleben Sie kirchliche Auftritte in
Ihrem beruflichen und in Ihrem privaten Erlebnisraum: zielgruppenspezifisch
oder zielgruppenunspezifisch?
Beruflich erst seit sehr kurzer Zeit,
in der Folge der Sinus Studie. Und hier, wenn auch zwangsläufig
noch in geringerem Ausmaße, sehr positiv. Die ersten Aktionen,
und vor allem die Akteure, die mir bis heute in diesem Rahmen begegnet
sind, haben die Möglichkeiten, ja die Notwendigkeiten erkannt,
zielgruppenspezifisch vorgehen zu müssen, wenn mehr erreicht
werden soll als bisher. Ich bin manchmal erstaunt, auf welche Einsatzmöglichkeiten
die Partner vor Ort kommen, und welche Erfolge auch schon kurzfristig
erzielt worden sind.
Privat erlebe ich beide christlichen Kirchen
sehr unspezifisch, was Zielgruppen im Sinne von Milieus betrifft.
Soziodemographische Gruppen zu berücksichtigen ist gut und
richtig, Kindergottesdienste und Gottesdienste in Altenheime gibt
es, auch Angebote für Eltern und für Singles und so weiter.
Wo aber sind zum Beispiel die Angebote, die Botschaft der Kirche
vor dem naturwissenschaftlichen heutigen Erfahrungshintergrund zu
diskutieren und – mehr noch – nahegebracht zu bekommen?
Wie bewerten Sie diese Auftritte aus Ihrer
professionellen Sicht als Marktforscher?
Wirklich professionell, was diese eben
angesprochenen kirchlichen Mitarbeiter betrifft, die die Sinus Studie
verwenden und umsetzen. Es ist ihnen sehr zu wünschen, dass
sie mit ihrer Vorgehensweise Erfolg erzielen und möglichst
viele weitere kirchliche Akteure überzeugen können. Es
ist ebenfalls zu wünschen, dass Zielgruppenbetrachtungen auf
alle möglichen Einsatzfelder angewendet werden.
Aber professionelles Marketing kann nicht
von jetzt auf gleich kommen, vieles dabei ist trotz genauer Planung
und viel Erfahrung eben nicht exakt vorhersehbar, vieles sollte
auch ausgetestet werden.
Sehen Sie bei den großen Kirchen die
transparente Kommunikationslinie? Oder anders gefragt: Sollte es
sie bei der Kirche überhaupt geben?
Wenn ich jetzt behaupte, dass ich sie
nicht sehe, muss ich fairer Weise auch betonen, dass mir der Über-
und der fundierte Einblick in die heutigen kirchlichen Kommunikationswege
und -formen fehlt. Bei der Fülle der Kommunikationsangebote
der beiden Kirchen, ihren hierarchischen Gliederungen, die alle
– und auch manchmal widersprüchlich – präsent
sind, wäre meines Erachtens auch eine einzige Kommunikationslinie
fehl am Platze.
Und wenn wir fordern, auf unterschiedliche
Milieus, unterschiedliche Nachfragen und vor allem unterschiedliche
Anforderungen an die Kommunikation eingehen zu wollen, dann kann
dies meiner Meinung nach nicht mit einer zwanghaften Corporate Identity
geschehen, wie sie manchmal von großen Firmen vorgeschrieben
und durchgeführt wird.
Welche Erfahrung machen Sie mit Zielgruppentypologien
in der Wirtschaft? Und welche in der Kirche?
In der katholischen Kirche fangen wir
mit dem Sammeln von Erfahrungen ja erst an. Die Wirtschaft dagegen,
und hier vor allem die werbetreibende, arbeitet seit Jahrzehnten
damit, auch schon seit fast 30 Jahren mit den Sinus Milieus®,
die ein kontinuierlich angepasstes Bild der sich ständig ändernden
gesellschaftlichen Gruppen darstellen. Und wenn diese Arbeit nicht
– vor allem auch monetär nachvollziehbaren – Erfolg
gezeitigt hätte, würden wir heute nach anderen Kriterien
und Verfahren arbeiten.
Marketing bedeutet zum einen, Produkte
bekannt zu machen, ein positives, vorteilhaftes Image aufzubauen,
zum anderen aber auch, für den Kauf dieses Produktes, dieser
Dienstleistung, einer Mitgliedschaft oder Ähnlichem genau die
Personen anzusprechen, die dieses Produkt kaufen können und
wollen. Je genauer ich diese Zielgruppe kenne und treffe, umso höher
ist der Erfolg: Ich habe den Streuverlust der Werbung minimiert,
also Werbekosten gespart, möglichst keinen potenziellen Käufer
nicht angesprochen, also keinen sogenannten entgangenen Gewinn erzeugt,
möglichst keinen Nichtkäufer angesprochen, weil das zum
einen wieder unnötige Werbekosten erzeugt hätte, zum anderen
aber auch Unmut hervorrufen kann, Werbemüdigkeit, auch negative
Prägung für eine spätere Produktaffinität. Näherungsweise.
Sind Zielgruppentypologien eins zu eins
auf Kirche zu übertragen?
Aus der Sinus Studie erfahren wir, dass
eine ganze Reihe von Fragestellungen in der katholischen Kirche
mit den Milieukenntnissen angegangen werden kann: die Grundorientierung
der Kirchenmitglieder und Gläubigen, der Ehrenamtlichen lässt
sich mit Hilfe der Sinus Milieus gut segmentieren.
Wir erfahren, dass die Wünsche und
Forderungen an die katholische Kirche innerhalb der einzelnen Milieus
oft sehr ähnlich artikuliert worden sind, sich von den Aussagen
der anderen Milieus aber stärker unterschieden. Gerade diese
Homogenität innerhalb des Clusters, des Typs, und die Heterogenitäten,
also Unterschiede, in der Typenlandschaft ist ein – auch methodisch
gefordertes – Kennzeichen einer guten, brauchbaren Typologie.
Es geht hier meines Erachtens weniger
um die theoretische Frage, was eins zu eins übertragbar ist,
sondern um die Hilfestellung, wobei welche Milieuerkenntnisse wichtig
und hilfreich sind. Es werden sich auch immer Fragen ergeben, für
die die Typologie keine Antwort findet. Es werden andere Fragen
auftauchen, die sinnvoll beantwortet werden können, wenn Milieus
nochmals unterteilt werden, wie zum Beispiel die Frage nach der
Positionierung der katholischen Kirche in Deutschland, wo konservatives
und traditionsverwurzeltes Milieu in einen konservativen und erzkonservativen
Zweig unterteilt wurden.
Ohne die Milieus und die Zielgruppentypologien
abwerten zu wollen: Sehen wir sie doch einfach als eine Methodik,
als ein erfolgversprechendes Mittel, unterschiedliche Menschen zu
erreichen. Wenn die Erfolge – in umfangreicher Gesamtbetrachtungsweise
– eintreten, können diese Mittel nicht falsch gewesen
sein.
Wo sind die Grenzen und wo die Chancen solcher
Typologien?
Typologien sind generalisierte und damit
zwangsläufig grobe Unterteilungen der Gesellschaft. Bei bestimmten
Fragestellungen sind andere Klassifizierungen erforderlich, wie
die Frage nach dem Potenzial an Familien mit Kindern, wenn es um
Kindergottesdienst geht. Wird aber als nächstes die Frage gestellt:
“Wer schickt sein Kind denn zum Kindergottesdienst?“,
dann sind bei der Beantwortung die Milieus wieder sehr hilfreich,
weil dies eine Einstellungsfrage ist.
Nicht jedes Individuum verhält sich
– Gott sei Dank – immer milieu- oder gruppenkonform.
In bestimmten Punkten entscheiden wir doch alle mal so, mal anders,
keiner ist komplett berechenbar. Diese, manchmal auch situative
Individualität, lässt sich mit Milieutypologien schwer
abfangen – außer dass bestimmte Milieus mehr dazu neigen
– die Hedonisten zum Beispiel – und andere konservative
weniger.
Eine noch nicht angesprochene Chance der
Typologien ist zweifellos auch die folgende: Wir alle neigen doch
dazu, komplexe Strukturen mit einfachen Mustern zu vergleichen und
zu erkennen, zu erklären. Selbst in vielen Naturwissenschaften
ist das so – Regeln werden erkannt, aber sie haben Ausnahmen.
Genau hier liegt die große Bedeutung
von Typologien: Die komplexe Welt einfacher, klarer strukturiert,
mit einer leicht überschaubaren Anzahl von Gruppen erklären
können. Individuen mögen nur näherungsweise einem
Milieu zugeordnet werden können – in der Mehrheit der
Fälle stimmen die generellen analytischen Muster aber gut mit
dem realen Verhalten überein.
Ist es nicht ein Widerspruch, von postmoderner
Unübersichtlichkeit der Kultur zu sprechen und zugleich auf
starke Homogenisierungen zu setzen, wie sie Zielgruppentypologien
behaupten?
Für
mich persönlich überhaupt nicht. Erstens sehe ich nur
einen, und dazu noch geringen Teil der Kultur von postmoderner Unübersichtlichkeit
geprägt, die dann auch nur von wenigen Milieus verstanden,
geschätzt und angenommen wird.
Und zwar gerade denjenigen Milieus, für
die Sinus in den Milieubeschreibungen diese Postmodernität
als besondere Eigenschaft hervorhebt. Auf die Grenzen der starken
Homogenisierung der Milieus habe ich schon hingewiesen, aber ebenfalls
darauf, dass dieses gesellschaftsimmanente Muster vorhanden ist
und bei vielen, nicht nur Konsum-Entscheidungen beobachtet werden
kann.
Wir sind keine Lemminge – oder vielleicht
doch? – aber in jedem Bienenschwarm, im Vogelzug, im Verhalten
von Tierherden sind Muster zu erkennen, die – unabhängig
vom Verhalten des Individuums, für die gesamte Gruppe Muster
erkennen und in gewissem Maße auch vorhersagen lässt.
Gibt es so etwas wirklich: Die Trendschokolade,
die Trendseife, die Trendurlaubsreise für ganz bestimmte Zielgruppensegmente?
Können Sie uns Beispiele nennen?
Ich bin
kein Trendforscher in dem Sinne, was an Produkten gerade in ist
und was out. Und bei den Konsumgütern des kurzfristigen Bedarfs
wie Schokolade und Seife werden die meist ebenso kurzfristigen Trends
auch oft mehr durch manipulative Werbung erzeugt als durch eine
Marktforschung und Zielgruppenbestimmung und anschließender
Ansprache genau dieser Zielgruppe.
Bei den Urlaubsreisen beispielsweise kann
man diese Trends bei bestimmten Zielgruppen feststellen: Bildungsreisen
werden milieuspezifisch sehr unterschiedlich durchgeführt;
im Moment sind gewisse Kreuzfahrten sehr in Mode bei Konservativen,
Etablierten und Postmateriellen. Wobei auch die Ziele milieuspezifisch
differieren.
Auch Einstellungen wie die „Geiz
ist Geil“-Mentalität sind Trends, aber auch diese Trends
sind nicht in allen Milieus gleich stark verankert, denn bei Konservativen,
Etablierten, Postmateriellen stehen noch andere Werte wie Qualität
und Markentreue im Vordergrund.
Sollte es auch Trendangebote der Kirche
geben?
Die christliche Botschaft der Kirche
wird in ihrem Kern sicherlich nicht von Trends beeinflusst werden.
Aber warum nicht die Art und Weise, wie die Botschaft dargebracht
werden kann? Wurde nicht immer schon zeitgemäße Musik
in der Kirche eingesetzt? Einer der Pfarrer, der mich als Jugendlichen
am stärksten angesprochen hat, hat zeitnahe „Aufhänger“
in seinen Predigten verwendet, um die Gläubigen von ihren Alltagsgedanken,
vielleicht auch -sorgen abzuholen. Er hätte mit Sicherheit
die „Geiz ist Geil“-Mentalität als Ausgangspunkt
benutzt, um dann als Alternative vielleicht die göttliche Gnade
zu predigen.
Welche Schritte der Kundenbeziehung und
der Kundenbindung gibt es?
Wenn Sie
als Unternehmen ihre privaten Kunden betrachten gibt es Hauptphasen
einer Kundenbeziehung.
Die erste Phase ist die der Neukundengewinnung.
In dieser Phase ist die Person, der Haushalt noch kein Kunde. Aber
das Unternehmen hat erkannt, dass hier ein potenzieller Kunde existiert,
der für Produkte oder Dienstleistungen eigentlich affin sein
müsste, bei dem eine werbliche Ansprache sich am ehesten als
Erfolg versprechend darstellt. In diese Gewinnung von Neukunden
wird oft sehr viel investiert, es ist auch betriebswirtschaftlich
wichtig, immer eine genügende Anzahl neuer Kunden zu akquirieren.
Nebenbei – es ist nicht minder wichtig, abschätzen zu
können, dass der potenzielle künftige Kunde die von ihm
gekauften Produkte und in Anspruch genommenen Leistungen auch bezahlen
kann und wird.
Welche Phase folgt dann?
Dann folgt
die Phase der Kundenbindung und Kundenbestandspflege. Zwischen dem
Unternehmen und der Person oder dem Haushalt besteht eine aktive,
rezente oder kurz zurückliegende Kundenbeziehung. Wenn ich
also immer oder regelmäßig in dem selben Geschäft
meine Lebensmittel kaufe, eine Zeitung abonniert habe, Kunde bei
einer – und meist auch nur einer – Bank bin, derzeit
ein Auto einer bestimmten Marke fahre, ist dem Unternehmen daran
gelegen, dass ich weiter in dem Geschäft einkaufe, das Abonnement
weiter behalte, bei der Bank weiter meine Konten behalte, das nächste
Fahrzeug wieder beim gleichen Händler und von der gleichen
Marke kaufe.
Neben diesem Bemühen, den Kunden
als solchen zu halten, gehören hierzu auch die sogenannten
Kundenwertsteigerungen, Up-Selling und Cross-Selling. Up-Selling
bedeutet, dass ich mehr Lebensmittel in dem Geschäft kaufen
soll, bei der Bank mit meiner Kreditkarte mehr Käufe tätigen
soll. Cross-Selling heißt, neben Giro-Konto, Kreditkarte und
vielleicht Sparkonto auch andere Bankleistungen wie Verbraucherkredit,
Wertpapiere und Anlagen bei genau dieser Bank zu tätigen, beim
Autohändler auch die Reifen zu kaufen und den Werkstattdienst
in Anspruch zu nehmen.
Schaut die Wirtschaft auch auf das Ende?
Aber natürlich,
dass ist die dritte Phase – die Phase der Beendigung einer
Kundenbeziehung. Ich gehe nicht mehr in das Lebensmittelgeschäft,
sondern in ein anderes. Ich kündige mein Abo, das Konto und
wechsle die Bank, ich kaufe mir als Neuwagen ein Fahrzeug einer
anderen Marke bei einem anderen Händler.
Die Beendigung dieser Kundenbeziehung
ist eine oft lang überlegte, manchmal revidierbare Momententscheidung,
und es gibt ein Davor – noch während der bestehenden
Kundenbeziehung – und ein Danach. Das Davor bedeutet für
das Unternehmen, den Kündigungswilligen oder -gefährdeten
möglichst zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten:
Kündigerprävention also.
Das Erkennen ist nicht immer leicht, bei
der Zeitung jedoch kurz vor Auslaufen des Abos oder vor dem Kündigungstermin.
Bei Banken bei Serviceverschlechterungen, Zinsverteuerungen etc.
Beim Auto, wenn man zum Beispiel weiß, in welchen Zeitspannen
der Kunde gewöhnlich sein Fahrzeug wechselt. Der richtige Zeitpunkt
mit einem guten Angebot ist hier wichtig.
Dann gibt es die Phase nach der erfolgten
Beendigung einer Kundenbeziehung. Im Sinne von Qualitätssteigerung
und -sicherung, aber auch schon im Sinne von Kündigerrückgewinnung
sind die Unternehmen gut beraten, die Kunden, soweit sie ihnen mit
Namen und Adresse bekannt sind wie bei Zeitung, Bank und Autohaus,
sich nach ihren Kündigungsgründen zu erkundigen.
Liegen diese Gründe in mangelhaften
Service-Leistungen des Unternehmens, besteht hier die Chance, solche
Mängel überhaupt zu erkennen und zu verändern. Bei
Tageszeitungs-Abonnements liegen hier, im Zusammenspiel mit der
Analyse früherer Rückgewinnungsaktionen, gute Chancen
für Kündigerrückgewinnungen.
Auch die Bank und das Autohaus gewinnen
hier, in der Art einer Marktforschung, wertvolle Erkenntnisse –
nicht aus den Antworten des Einzelnen, aber aus den Mustern der
Antworten, die sich analytisch oft leicht bestimmen lassen. Selbst
dann, wenn zum Beispiel ein Autotyp durch einen neuen Konkurrenztyp
„den Rang abgelaufen bekommt“. Und diese Marktforschung
ist – gut strukturiert – oft billiger und erfolgreicher
als groß angelegte Studien.
Immer im Hintergrund schwebt jedoch auch
die Bewertung, ob dieser Kunde ein ertragreicher Kunde war, wieviel
Umsatz er gebracht hat, wieviel Beschwerden oder Reklamationen er
verursacht hat, kurz, ob man ihn überhaupt wiedergewinnen will.
Sind solche Schritte auf Kirche übertragbar?
Davon bin ich fest überzeugt,
denn wenn die Kirche ihre Kunden, die Mitglieder betrachtet, so
kann sie doch die gleichen Phasen ausmachen. Zum Bespiel die Phase
der Neukundengewinnung. Wie viele der katholischen Kirche und vor
allem dem christlichen Glauben nahestehende, also „affine“,
Menschen gibt es, die – noch – nicht Mitglied sind?
Vielleicht lässt sich diese Frage
in Kürze, auch kleinräumig, mal mit genaueren Schätzzahlen
beantworten. Generell ist die Existenz dieser Gruppe, aus der heraus
ja auch durchaus Neu- und auch Wiedereintritte zu erkennen sind,
nicht zu leugnen. Milieubasierte Potenzialbestimmung, die Ausweisung
dieser speziellen Zielgruppe auch kleinräumig und eine gezielte
Ansprache mit den Methoden eines modernen Marketings, gerne auch
als Werbung bezeichnet, sollte auch für die Kirche mehr Erfolg
erzielen lassen als das unspezifische Werben mit der Gießkanne
und das Hoffen darauf, dass die Schäflein schon kommen oder
wiederkommen werden.
Oder die Phase der Kundenbindung. Tut
die Kirche alles ihr Mögliche, ihre Mitglieder zu halten, ihre
Botschaft noch besser und zielgerichteter verkünden zu können?
Hat sie in ihrem großen Portfolio nicht genug weitere Angebote,
die sie aber noch nicht zielgruppengenau kommuniziert hat? Von denen
manche Gläubige noch gar nichts wissen? Werden gerade die Ehrenamtlichen
im Sinne einer für beide Seiten freudvollen und gewinnbringenden
Beziehung betreut? Was wird ihnen, in Sinne von Cross-Selling, mehr
geboten?
Und bei der nicht zu vernachlässigenden
Anzahl der Kirchenaustritte: Was wird zur Kündigerprävention,
zur Verhinderung der Austritte, unternommen? Was zur Rückgewinnung?
Ich habe in meinem Bekanntenkreis sogar Verärgerung darüber
vernommen, dass von Seiten der katholischen Kirche keinerlei Reaktion
auf den Kirchenaustritt erfolgt ist, dass Ausgetretene nicht nach
ihren Gründen gefragt worden sind, geschweige denn, dass wieder
um sie geworben wurde.
Sehen Sie beim Thema der Zielgruppenspezifikation
Potenziale für kirchliche Kommunikation?
Ich sehe große Potenziale. In der
Sinus Studie sind, gesondert für jedes Milieu, die Wünsche
und Forderungen an die katholische Kirche aufgelistet, manche davon
gelten sogar für mehrere Milieus. Gleich der zweite Punkt des
ersten beschriebenen Milieus, der Etablierten, fordert mehr Gegenwartsbezug
in den Predigten, auch Predigten oder Reden von rhetorisch geschulten
Laien. Ist doch für die Kirche nichts Neues, aber wie oft wird
diese Chance genutzt, wie oft wird diese Forderung, dieser Wunsch
erfüllt?
Oder bei den kirchlichen Zeitungen: Wie
gut kennen sie ihre Abonnenten, was tun sie, um neue Milieus zu
erschließen, vielleicht durch neue, alternative Titel? Wie
intensiv und wie zielgruppenspezifisch werden die Medien beworben?
Oder: Welche Informationen haben die Kirchen
über ihre Mitglieder, die nicht genutzt werden? Warum wird
erst im hohen Alter zum Geburtstag gratuliert, nicht schon früher?
Ich würde vor allem den 60. und 65. Geburtstag nutzen, um wegen
des bevorstehenden Eintritts ins Rentner- oder Pensionärsdasein
für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei kirchlichen Einrichtungen
zu werben.
Oder die zielgruppenspezifische
Begrüßung von Zugezogenen durch Personen, die der gleichen
Zielgruppe angehören oder nahestehen. Es müssen und brauchen
nicht immer die Pfarrer zu sein.
Wenn Sie ran dürften als verantwortlicher
"Mann der Kirche": Welche zielgruppenspezifischen Angebote
würden Sie bestimmten Zielgruppen gerne machen?
Wollen Sie mich aufs Glatteis führen
oder abwerben? Aber im Ernst, die ersten und Erfolg versprechenden
Antworten sehe ich in den Wünschen und Forderungen an die katholische
Kirche aus den einzelnen Milieus heraus. Gerade und vor allem aus
den Milieus, die heute der Kirche weniger nahe stehen als andere
Gruppen. Deren Fragen und Bedürfnisse sollten sehr ernst genommen
werden.
Generell: Den jeweiligen Lebenssituationen,
Lebensstilen und Wertvorstellungen der Milieus gemäß
Angebote zu entwickeln und Ansprachen zu finden, um die Menschen
dort abzuholen, wo sie sich befinden, und für die Kirche als
Mitglieder zu gewinnen und zu behalten und mehr noch, als ehrenamtliche
Mithelfer und Mitgestalter zu begeistern und als Multiplikatoren
zu nutzen.
Sind Sie in der Kirche?
Ja, ich bin Mitglied der evangelischen
Kirche, erzogen in einem bäuerlichen, jedoch sehr liberalen
Elternhaus in einer Landgemeinde, zugehörig der Evangelischen
Landeskirche zu Hessen und Nassau, der damals mal so genannten Niemöller-Landeskirche.
Später auch geprägt durch mathematisch-naturwissenschaftliche
Schule und Studium. Versehen mit – manchmal auch behindert
von – einem analytischen Denken, mit dem sich nicht auf alle
Fragen Antworten finden lassen, das aber bei vielen weiter hilft.
Das Wichtigste am Christentum war mir
immer der soziale Gedanke; die zentrale Stelle in der Bibel ist
für mich die Bergpredigt. Kirchgänger bin ich eher selten.
Mir sind leider wenige Pfarrer begegnet, die mich angesprochen haben,
die mich als Laien zu einer entsprechenden Auseinandersetzung mit
der theologischen Lehre herausgefordert haben.
Glauben Sie?
Vor dem gerade geschilderten Hintergrund:
Vieles nicht. Zum Beispiel fällt es jetzt in der Osterzeit
schwer, ein Verständnis zu finden für die Auferstehung
Christi, die jeder naturwissenschaftlichen Erkenntnis widerspricht.
Antworten der Kirche, wie aktuell die von Kardinal Wetter, überzeugen
mich nicht. Es ist mir noch nicht gelungen, in diesem Vorgang zum
Beispiel eine Parabel zu sehen, die mir etwas anderes, Glaubhaftes
und Glaubwürdiges mitteilen will. Aber vielleicht habe ich
mich auch noch nicht genug darum bemüht!
Zu welcher Zielgruppe der Kirche würden
Sie sich zählen?
Zu den Zweiflern, die sich am ehesten
durch schlüssige Argumente überzeugen lassen. Die aber
auch Hochachtung vor Menschen haben, die sich zu ihrem Glauben bekennen,
die diesen glaubwürdig vertreten und ihn leben. Die ganzheitlich
einen Umgang mit dem Anderen pflegen, der von gegenseitigem Respekt
geprägt ist.
Wie möchten Sie am liebsten von Ihrer
Kirche angesprochen werden?
Mit solchen Angeboten oder Anstößen
zur Auseinandersetzung in theologischen Fragen. Mit mehr Informationen
über andere Religionen, das Trennende und das Gemeinsame, den
Möglichkeiten, Chancen und Risiken im Globalisierungsprozess.
Mit mehr Diskussionen über die christlichen Kirchen in anderen
Regionen der Welt, in anderen Gesellschaften und bei anderen Ethnien.
Zum Beispiel in Südamerika, zum Beispiel über kirchliche
Leistungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Mit mehr und vorurteilsfreiem
Austausch über kirchliche Entwicklungen und Sonderwege, wie
etwa der Kirche von unten oder der Theologie der Befreiung.
Auf jeden Fall möchte ich persönlich
oder zumindest milieuspezifisch angesprochen werden. Wenn eine Verbindlichkeit
für beide Seiten geschaffen wird, hat das für die Kirche
auch den großen Vorteil, dass der Angesprochene dann nicht
mehr so leicht „kneifen“ kann.
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„Wie
sieht aus Ihrer professionellen Sicht zielgruppengerechte Kommunikation
aus?“
Wie beurteilen Insider die Zielgruppen-Kommunikation
der Kirche? Was meinen Experten aus Unternehmen und Wissenschaft?
Wo gibt es Optimierungspotential, wo Hindernisse und Widerstände?
Sechs Profis geben Antworten. |
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STATEMENT
Manfred Becker-Huberti, Diplom-Theologe
„Die Art, wie Kirche ihre Botschaft
auf Zielgruppen hin ausgestaltet, kann man mit einem Jäger
beschreiben, der mit einer Schrotflinte in der Hand eine Elefantenherde
erlegen soll. Handlung, Methodik und Gerätschaft sind völlig
unangebracht, um das vorgegebene Ziel zu erreichen ...“ weiter
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STATEMENT
Dr. Christof M. Beckmann, KIP-NRW
„Sie wollen Menschen erreichen? Sie
wollen ihr Produkt unters Volk bringen, ihre Konsumenten finden
und binden? Treiben sie professionelle Marktanalysen, kümmern
sie sich um Produktpaletten und Investitionsplanung, ...“
weiter
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STATEMENT
Antje Hundhausen, Dipl. Betriebswirtin
„Konsumenten verbinden mit erfolgreichen
Marken unverwechselbare, positive Eigenschaften, die für den
Einzelnen von Relevanz sind und ein nachhaltiges Vertrauen in den
Wert und die Qualität des Unternehmens und seiner Produkte
aufbauen ...“ weiter
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STATEMENT
Pater Dr. Benno Kuppler SJ, Diplom-Kaufmann
„Menschen ansprechen und für
die biblische Botschaft gewinnen wird im pluralistisch geprägten
Surf- und Zappzeitalter immer schwieriger. Muss die Kirche neue
Wege bei der Mitgliederansprache finden, so fragte mich eine Journalistin
...“
weiter » |
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STATEMENT
Dr. Ekkehardt Oehmichen, Medienforscher
„Kirchlicher Kommunikation muss es
darum gehen, Menschen in ihrer jeweiligen Lebenslage und Alltagssituation
anzusprechen. Es geht um ihre Erreichbarkeit für bestimmte
Themen, Fragestellungen oder Botschaften ...“ weiter
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STATEMENT
Prof. Franz Walter, Politikwissenschaftler
„Die Katholische Kirche hat in all
den Jahrhunderten eigentlich immer mit verschiedenen Kulturen, Mentalitäten,
Lebenswelten, kurz: mit: Heterogenitäten umgehen müssen.
Und dabei reüssierte sie in manchen Schichten und Lebenslagen,
in anderen aber nicht oder jedenfalls kaum ...“ weiter
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STATEMENT
Christof Vetter, Presse-sprecher
EKD
„Von allem Anfang der christlichen
Kirchen an war es selbstverständlich, dass Christen öffentlich
über ihren Glauben und über das, was in ihren Gemeinschaften
geschieht, öffentlich Rechenschaft ablegen. Wer die langen
Missionswege des Apostel Paulus ...“ weiter
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| Text: Dr. theol.
Manfred Becker-Huberti |
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Dr. theol. Manfred Becker-Huberti,
hat Katholische Theologie, Kommunikations-wissenschaften und
Publizistik studiert und war Stipendiat des Instituts zur Förderung
publizistischen Nachwuchses der Deutschen Bischofskonferenz.
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„Kann die Katholische Kirche
von moderner Markenführung lernen?“
Milieuforschung und Pastoral
Die Art, wie Kirche ihre Botschaft auf Zielgruppen
hin ausgestaltet, kann man mit einem Jäger beschreiben, der
mit einer Schrotflinte in der Hand eine Elefantenherde erlegen soll.
Handlung, Methodik und Gerätschaft sind völlig unangebracht,
um das vorgegebene Ziel zu erreichen. Die Herde wird den lästigen
Jäger zertrampeln. Diese – zugegeben - etwas spöttische
Beschreibung pastoraler Arbeit trifft zu, weil eine zielgruppenorientierte
Arbeit bislang so gut wie gar nicht stattfindet; dafür fehlen
schlicht die objektiven Basisdaten. Die Daten, über die die
Kirche selbst verfügt, sind weder aktuell genug noch geeignet.
Sie sind bloß demografisch. Und sie liegen den meisten Gemeinden
nicht vor. Die Priester in der Ausbildung, die ich über viele
Jahre mitbetreut habe, haben so gut wie nie eine Gemeinde-Analyse
zu Ge-sicht bekommen! Schlimmer noch: Kontaktstunden in den Schulen
werden von Priestern mit dem Argument verweigert: Wieso soll ich
mit denen herumschlagen, die nichts mit mir zu tun haben wollen?
Ich warte in meiner Gemeinde auf die, die zu mir kommen wollen!
Dies darf nicht das Grundmuster der Pastoral sein. Es wäre
Verrat am Missionsauftrag.
Warum wird Zielgruppenarbeit bislang
in der Pastoral kaum praktiziert?
Grund ist ein Missverständnis zwischen
einer phänomenologisch agierenden Pastoral und sozialwissenschaftlichen
Instrumentarien, die von der anderen Seite ausschließlich
als Marke-ting-Instrumentarium gesehen und verabscheut werden. So
arbeitet man nicht. Bedarforientierung klingt da Bedarfbefriedigung.
Wo bleibt da die ganze Botschaft? Darf man die denn „halbieren“,
um die zu erreichen, die die ganze Botschaft nicht haben wollen?
Entscheidet letztlich Gott, ob die Mission fruchtet? Kann sich der
Pastor nicht einfach auf das Aussäen der Botschaft beschränken
und Gott lässt wachsen – oder eben verdorren?
Nun kann man im Neuen Testament sehr genau
nachlesen, dass Jesus von Nazaret und seine Apostel das, was sie
zu sagen hatten, sehr genau auf die Zielpersonen abzustimmen in
der Lage waren. Das pfingstliche Sprachwunder wäre im übrigen
nicht nötig gewesen, hätten sich die Jünger auf die
Position zurückgezogen, wer Christ werden wolle, müsse
erst Jude werden und aramäisch lernen. Wer käme heute
auf die Idee zu fordern, wer Priester werden wolle, müsse sich
einen Bart wachsen lassen und den Beruf eines Fischers erlernen?
Pastorale Zielgruppen zu kennen und ihren
– bewussten und unbewussten – Bedarf zu kennen, verstößt
zunächst einmal überhaupt nicht gegen die pastorale Moral.
Genau so wenig wie die Formulierung der Botschaft auf die Zielgruppe
hin: Den Römern römisch, den Griechen griechisch, den
Kindern verstehbar, den Erwachsenen annehmbar und aktualisiert in
den Alltag hinein.
In diesen Zusammenhang ist pastorale Planung
zu stellen. Wer eine Pfarrei leiten will, muss wissen, wer zu ihr
gehört, was er von der Kirche erwartet. Und die Kirche muss
wissen, was sie tun muss, wie sie es tun kann und wie sie Angebot
und Nachfrage in eine konstruktive Be-ziehung bringt.
Was für die gesamte Gemeinde gilt, gilt
auch für ihren Mikrokosmos: den Kindergarten, die Jugendarbeit,
Familienkreis, Seniorengruppe, Bücherei usw. Und es gilt für
den Makrokosmos: Verbände, Medien, Bischofskonferenz usw. dürfen
nicht bloß auftraggeberorientiert agieren, sondern müssen
Auftrag und Erwartung miteinander fruchtbar werden lassen.
Was heißt das?
Im Regelfall wird eine Gemeinde primär
von den alten Milieus geprägt, die sich in zwanzig bis dreißig
Jahren aufgelöst haben. Um die Zukunft gestalten zu können,
muss die Gemeinde wenigstens die Bürgerliche Mitte ansprechen
und zum Mittun motivieren. Das kann die Gemeinde nicht, wenn sie
nicht die Erwartungen dieses Milieus kennt. Hat sie aber die Erwar-tungen
kennen gelernt, kann sie Auftrag und Bedarf, Sendung und Erwartung
koordinieren.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
wird es dabei nicht gelingen, mittelalterliche Mystiker zu reanimieren,
vielleicht aber wird es möglich, katholischen Glauben heute
zu leben. Und wenn nicht alle Hoffnungen der Absender aufgehen,
kann man sich ein Stufenmodell vorstellen, über das man die
Zielgruppe langsam dorthin führen kann, wohin man meint sie
führen zu müssen. Auch im Mittelalter waren – Laien
wie Kleriker – nicht zu einhundert Prozent die Christen, wie
die damalige pastorale Theorie sie sich wünschte.
Was führt weiter?
Zurzeit brauchen wir transparente Modelle
von Gemeinden, die Zielgruppenorientiert arbeiten. Wir brauchen
sie, um festzustellen, wie man Gemeindarbeit umformen muss, um die
Menschen zu erreichen, die wir für die Zukunft der Kirche unverzichtbar
brauchen.
Eine Modellhandbuch, eine Modellbörse,
ein Ort des Austauschs wäre sinnvoll, wo die Ex-perten und
solche, die es werden wollen, Ideen, Experimente, gelungene Strategien
diskutieren und austauschen können.
Dies alles gilt unter der Voraussetzung,
dass die Kirchenführung nicht hergeht und unerreichbar hohe
Sprunghöhen voraussetzt. Wenn z.B. der regelmäßige
sonntägliche Gottesdienstbesuch mit Eucharistie-Empfang und
die kritiklose Akzeptanz jeder hierarchischen Vorgabe die Voraussetzung
für Vollmitgliedschaft in einer Gemeinde ist, wird die Anzahl
der Zugehörigen sehr überschaubar.
Die verwaltete Gemeinde, die pastoral vor
sich hin dümpelt, könnte wieder zu seinem spannenden Feld
werden, in dem man Menschen entdecken, begeistern und einbinden
kann. Die gewandelten Vorstellungen und Verhaltensweisen, veränderte
Lebenszielsetzungen müssen nicht kontraproduktiv sein.
Was Not tut sind Christen, die sich wieder
auf den Weg machen. Jesus ist im Gleichnis dem einen Schaf von Einhundert
nachgegangen, das sich verlaufen hat. Verpflichtet uns das heute
etwa nicht, den mehr als 85 Prozent nachzugehen, die den Weg in
unseren „Stall“ nicht mehr finden?
nach oben
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 |
| Text: Dr. Christof M.
Beckmann |
|
| Dr. Christof M. Beckmann,
Jahrgang 1960, leitet seit 1995 die Redaktion „KIP-NRW
/ Katholische Kirche im Privatfunk Nordrhein-Westfalen“
in Oberhausen. Die gemeinsame Redaktion der (Erz-)Bistümer
Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn liefert
die Kirchenbeiträge für radio NRW, das Mantelprogramm
der 46 NRW-Lokalradios. |
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Kneifen gilt nicht: Die Botschaft
gilt allen
Sie wollen Menschen erreichen?
Sie wollen ihr Produkt unters Volk bringen, ihre Konsumenten
finden und binden? Treiben sie professionelle Marktanalysen, kümmern
sie sich um Produktpaletten und Investitionsplanung, entwerfen sie
Vertriebs- und PR-Strategien, zielen sie auf Effizienzsteigerung
und Gewinnoptimierung für ihre Share-Holder. Erarbeiten sie
sich zielgruppen- und milieuorientiert ihr Marktsegment, damit sie
ihre Nische besetzen und ausweiten, ihr Publikum erreichen. Und
verbinden sie neben Styling- und Designfragen zuletzt alles mit
einer Botschaft. Sie soll klar, eindeutig, omnipräsent und
sofort verständlich sein, smart klingen und angenehme Assoziationen
wecken. Und wenn die passende Medienkampagne „Kult“
wird, könnten sie sogar Marktführer werden...
Keiner der Apostel, niemand der Katakombenheiligen,
keiner der auf Säulen hockende Styliten der ägyptischen
Wüsten oder der in Sandalen durch die Wälder des Kontinents
streifenden iroschottischen Wanderprediger hätte daran nur
einen Gedanken verschwendet. Kein in den Ruinen des römischen
Imperiums schreibender Kirchenlehrer sinnierte über Designfragen,
kein gotischer Prachtbau wurde als Marketinggag begonnen. Benedikt,
Franziskus, Ignatius, Don Bosco: Keiner der Ordensgründer wollte
eine Marktnische besetzen. Und kein großes Orgelwerk wurde
komponiert, nur um eine Produktpalette zu präsentieren. Trotzdem
gilt die Kirche manchen faszinierten Werbestrategen unserer Tage
als Gigant unter den wirklichen „Global Playern“ aller
Zeiten und als Produkt einer einzigartigen und vorbildlichen PR-Mega-Kampagne.
Leicht in den Hintergrund tritt der eigentliche
und innerste Grund: Der Glaube an die Mega-Botschaft. Dem kirchlichen
Verständnis nach ist sie schlicht die Nachricht aller Nachrichten.
Sie macht die Kirche nicht nur zur ältesten Nachrichtenagentur
der Welt, sondern zugleich zum Ur-Medium und selbst zum lebendigen
Teil der Nachricht. Kirche ist damit Kommunikation im Vollsinn des
Wortes, ihr Daseinszweck ist nicht mehr und nicht weniger als „communicare“,
ihre Mission ist die gemeinschaftsstiftende Mitteilung. Dieses Kommunizieren
ist ihre Bestimmung - und das seit 2000 Jahren. Es hat die Welt
verändert, unsere Zivilisation geprägt. Zu allen Zeiten,
in jeder Epoche, auf allen Kontinenten, in allen Zeitzonen, allen
Sprachen, Lebensmilieus und Kulturen. Wie bislang niemand anderer.
Und es mag an vielen glaubwürdigen Zeugen Jesu liegen, vor
allem aber an der Botschaft selbst.
Das Entscheidende: Sie galt nie einem Special-Interest-Publikum,
nie einem exklusiven „inner circle“, sondern
jedem und jeder, in jeder Lebenslage, jeder Herkunft. Ohne Blick
auf Einkommen, Alter, Schulbildung, sozialen Stand – was immer
unterschiedliche Lebensmilieus kennzeichnet. Wenn die Kirche sich
in der Feier ihrer Hoffnung denen zuwendet, die auf der Suche, skeptisch,
offen oder ablehnend sind, wenn sie mit der blan-ken Information
beginnt, dann erfüllt sie ihre innerste Bestimmung. „Ite
missa est“ - in den Radiojargon gewendet heißt es: „Ihr
seid auf Sendung! – Selbst wenn ihr dabei immer wieder bei
Adam und Eva anfangen müsstet.“ Falls Kirche an dieser
Stelle kneifen würde, wäre sie am Ende. Ist sie aber nicht.
nach oben
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| Text: Antje Hundhausen |
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| Antje Hundhausen,
Dipl. Betriebswirtin, ist seit 2000 Leiterin Marketingkommunikation
im Headquarter der Deutschen Telekom AG verantwortlich für
die Marketingstrategie, Konzernwerbung, Mediaplanung und- einkauf,
Sponsoring, Messen und Marktforschung. |
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„Wie sieht aus Ihrer professionellen
Sicht zielgruppengerechte Kommunikation aus?“
Konsumenten verbinden mit erfolgreichen Marken
unverwechselbare, positive Eigenschaften, die für den Einzelnen
von Relevanz sind und ein nachhaltiges Vertrauen in den Wert und
die Qualität des Unternehmens und seiner Produkte aufbauen.
Zielgruppengerechte Kommunikation setzt umfassendes
Wissen über Konsumenten, seine Vorlieben und Gewohnheiten voraus.
Falsche Zielgruppenbestimmungen führen zu Streu- und Effizienzverlusten.
Je genauer man die Vorlieben der Konsumenten erfassen will, desto
klarer wird, dass die Kenntnis über die soziodemografischen
Merkmale nicht mehr ausreicht. Psychografische Merkmale wie Lebenswelten
und Lebensstile geben einen noch tieferen Einblick in die tatsächlichen
Bedürfnisse der Kunden.
Marken, die verstärkt gesellschaftliche
Verantwortung übernehmen wie Konzerne, Nonprofit-Organisationen
und auch die Kirche kommen durch die zusätzliche Kenntnis von
Lebenszyklen der Zielgruppen zu einer noch wirksameren Kommunikation
an den relevanten Kundenkontaktpunkten.
Private und berufliche Veränderungen
treiben bei Menschen oft das Bedürfnis nach Hilfe und Orientierung.
Beispiele relevanter Momente in Lebenszyklen: Umzug in eine neue
Stadt. Krankheit, Einschulung, Pubertät, Studienanfang etc.
Durch ihre sozialen Engagements können solche Unternehmen/Institutionen
glaubhaft vermitteln, dass sie Verantwortung im Leben der Kunden
übernehmen wollen.
Insbesondere die Kirche kann solche relevanten
Momente noch wesentlich stärker im Rahmen der kommunikativen
Ansprache ihrer Zielgruppen nutzen. Dabei könnte sie in der
steigenden globalen Komplexität relevante Ankerpunkte für
die jeweilige Zielgruppe schaffen. Mit der Zeit gehen, den Trends
der Zeit zu folgen, wie zum Beispiel das Internet, Web.2.0, nutzen,
vertrauensbildende Kundenbindungsprogramme über Interessengemeinschaften,
so genannte Communities, aufbauen, gleichzeitig die Traditionen
und das Wertegerüst der christlichen Kirche attraktiv vermitteln.
Letztlich eine Art Kundennähe schaffen, die dem Gläubigen
eine Orientierung gibt und eine emotionale Heimat bietet.
Die zentrale Herausforderung besteht darin,
dem Kunden und Gläubigen glaubhaft zu vermitteln, dass man
sein Leben und seine Bedürfnisse verstanden hat, ihm einen
Mehrwert liefert und sich um sein Anliegen kümmert und das
Versprechen „Gibt mir das Gefühl in guten Händen
zu sein“ glaubwürdig einhält.
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Text: Pater Dr. Benno
Kuppler |
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| Pater Dr. Benno Kuppler
SJ, SJ ist Diplom-Kaufmann, Diplom-Theologe und promovierte
in Sozialwissenschaften. Als Generalist berät er in Lebens-
als auch Wirtschaftsfragen und vermittelt in Vorträgen
sowie Seminaren seine Erfahrungen aus Seelsorge, Betriebswirtschaft
und Theologie. |
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Ein Vorstand, ein Bischof und der
Pater
Vom gegenseitigen Verstehen beim
miteinander Sprechen
Menschen ansprechen und für die biblische
Botschaft gewinnen wird im pluralistisch geprägten Surf- und
Zappzeitalter immer schwieriger. Muss die Kirche neue Wege bei der
Mitgliederansprache finden, so fragte mich eine Journalistin. Die
Sprache der Welt, besonders jene der Wirtschaft, und die Sprache
der Kirche und des Glaubens scheinen vielen Menschen nicht mehr
kompatibel. Es braucht Übersetzer, Traductoren oder Dolmetscher,
die in beiden Sprachwelten zu Hause sind: der Pater ist ein solcher.
Seit vielen Jahren laden sich der Vorstand
einer großen DAX notierten Aktiengesellschaft und der regionale
Bischof mit seinem Domkapitel, dem Geistlichen Rat des Bischofs,
wechselseitig zu einem Gespräch über gemeinsame Fragen.
Im Vorfeld wird eine Tagesordnung festgelegt. Einmal nun wurde auch
der Pater vom Bischof eingeladen, da er Experte in der katholischen
Soziallehre ist und gerade ein neues päpstliches Dokument zu
sozialen Fragen erschienen war.
Der Pater sollte den Herren des Vorstandes
dieses Dokument darstellen, für viele Mitglieder des Geistlichen
Rates auch eine spannende Erfahrung. Die Diskussion sprengte den
zeitlichen Rahmen und war sehr angeregt und kontrovers für
alle. Als scheinbar plötzlich der Pater zu einem Vorstandsmitglied,
einem Professor, bemerkte: Wenn Sie für Ihr berufliche Weiterbildung
so wenig getan hätten, wie Sie es offensichtlich in geistlichen
Tun halten, wären Sie heute arbeitslos.
Der Bischof, entsetzt über diese Aussage,
rief den Pater zur Raison, so könne man nicht mit einem Vorstandsmitglied
sprechen. Der Angesprochene reagierte souverän und authentisch:
Herr Bischof, Ihre Sprache verstehe ich nicht, der Pater spricht
meine Sprache.
Seitdem waren der Professor und der Pater
füreinander aufmerksame und wertgeschätzte Gesprächspartner.
Vor wenigen Wochen an einer Fachhochschule
in Bayern. Der Pater hielt eine Vorlesung “Einführung
in die Wirtschaftsethik” für BWL-Studierende, die im
Praxissemester waren. Diese junge Leuten beherrschen das Denglisch
der BWL perfekt, kannten die Fachbegriffe Corporate Citizenship,
Responsible Business, Corporate Philanthropy, Corporate Social Responsibility,
Shareholder Value, Stakeholder Value, Public Private Partnership,
Corporate Governance, Corporate Governance Kodex, Shareholder-Value-Management,
Stakeholder-Management, Compliance. Als der Pater fragte, was denn
diese Begriffe und Konzepte mit Ethik zutun hätten, war das
Schweigen unüberhörbar. Dann fiel das Wort “Korruption”,
denn die Medien berichteten über zahlreiche Fälle in der
deutschen Industrie in diesen Tagen. Ein Student meinte, “Korruption”
machten doch alle und sichere im Übrigen Arbeitsplätze
in Deutschland. Das sei doch moralisch in Ordnung. Da hatte der
Pater einen schwierigen Part. Denn wenn alle bestechen, Schmiergelder
zahlen, sei das ethisch wohl in Ordnung.
Jetzt musste der Pater erst einmal den Unterschied
zwischen Legalität und Moralität erklären und bei
den Studierenden um die Einsicht werben: Was ethisch geboten sei,
ist nicht eine Frage von Mehrheiten sei, sondern das Ergebnis ethischer
Reflexion und beanspruche “immer” Gültigkeit. Das
kann dann richtig teuer werden. Lion Feuchtwanger [1884 - 1858]
drückte dies so aus: “Von allen Lastern ist Anstand das
Kostspieligste.”
Ignatius von Loyola meldete sich jetzt bei
dem Pater: "Drittens: Ich wäre langsam im Sprechen, indem
ich das Hören für mich nutze; ruhig, um die Auffassungen,
Gefühle und den Willen derjenigen, die sprechen, zu verspüren
und kennen zu lernen, um besser zu antworten oder besser zu schweigen."
Und der Pater erinnerte sich der Geistlichen
Übungen, der Exerzitien, wo er in der Nummer 22 später
nachlas: [... Jeder muss bereitwilliger sein], die Aussage des Nächsten
zu retten, als sie zu verurteilen; und wenn er sie nicht retten
kann, erkundige er sich, wie jener sie versteht, und versteht jener
sie schlecht, so verbessere er ihn mit Liebe [...]. Die „goldene
Regel der ignatianischen Kommunikation" als persönlicher
Herausforderung.
Die Antwort auf die Frage der Journalistin
bin ich Ihnen noch schuldig:
Werte und Orientierung sind in unseren Gesellschaften
wieder gefragt. Dürfen wir alles, was wir technisch können?
Stichworte sind: Bilanzfälschungen, Klonen, Angriffskrieg.
Werte und Orientierung sind wesentliche Elemente der christlichen
Botschaft. Und diese gilt es zu übersetzen in die jeweilige
Zeit, gesellschaftlich und persönlich. Die Zielgruppe „Kirchenmitglieder"
ist keine homogene Gruppe, sie war es auch nie. Die Palette kirchlicher
Produkte darf neben aller Funktionalität der Angebote, die
persönliche Seelsorge als wichtigstes Produkt nicht vergessen
werden. Menschen, seien sie Kirchenmitglieder oder Suchende, schätzen
es, wenn die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Kirchen ihnen Aufmerksamkeit
und Zeit schenken. Zugleich gilt es, die Botschaft von der Würde
des Menschen und seiner Freiheit in die Gesellschaft und die Welt
hinein zu buchstabieren.
Die Fragen einer Verbesserung der Angebote
und der Qualitätssicherung sowie der Entwicklung neuer Strategien
stehen nicht im Gegensatz zu den Inhalten der christlichen Botschaft.
Die „Technologie" des Marketings darf aber nicht mit
den Inhalten verwechselt werden im Sinne von „Prüft alles,
und behaltet das Gute." [1 Thessalonicher-Brief 5, 21]
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Text: Dr. Ekkehardt
Oehmichen |
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Dr. Ekkehardt Oehmichen
ist seit 1992 Leiter der Medienforschung in der Intendanz des
Hessischen Rundfunks.
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„Inwiefern kann kirchliche Kommunikation
von Zielgruppenmodellen profitieren?“
Kirchlicher Kommunikation muss es darum gehen,
Menschen in ihrer jeweiligen Lebenslage und Alltagssituation anzusprechen.
Es geht um ihre Erreichbarkeit für bestimmte Themen, Fragestellungen
oder Botschaften - unmittelbar an bestimmten Orten, zu bestimmten
Ereignissen oder über ausgewählte mediale Wege. Lebensstil-
oder Typologiemodelle, die geeignet sind, gesellschaftliche Gruppen
im Hinblick auf diese Erreichbarkeit zu segmentieren, können
soziodemografischen oder kirchensoziologischen Zielgruppenmodellen
überlegen sein, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen.
Soziodemografische und kirchensoziologische
Daten als Orientierungsgrundlage für kommunikative Strategien
reichen in einer komplexen Gesellschaft, die sich in sehr unterschiedliche
Milieus und Lebensstile gliedert, nicht mehr aus. Zu verschieden
sind die sozialkom-munikativen Kontexte und die Mediennutzungsmuster
der einzelnen Gruppen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein 60jähriger
Arbeiter und ein 60jähriger Professor, beide katholisch, der
selben Alters- und Geschlechtskategorie angehörig und womöglich
auch mit dem selben Grad an Kirchennähe, hinsichtlich ihrer
Ansprechbarkeit für kirchliche Kommunikationsangebote eher
wenige Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Notwendigkeit einer nach Form,
Inhalt und eingesetzten Medien differenzierten Kommunikationsstrategie
liegt auf der Hand.
Allerdings ist nicht jedes auf dem Markt
angebotene Zielgruppenmodell für diese Zwecke geeignet. Typologische
Instrumente sind in der Regel nur für bestimmte Themen und
Fragestellungen konstruiert. Allgemeine Konsumententypologien mögen
für Werbe- und Vermarktungszwecke recht breit einsetzbar sein,
für kommunikative Strategien taugen sie nur bedingt, weil sie
z.B. hinsichtlich medialer Präferenzmuster der Bevölkerung
nur eine relativ geringe Erklärungskraft aufweisen.
Die bekannte MedienNutzerTypologie, die gerade
als MNT 2.0 aktualisiert worden ist, um den fortschreitenden Prozess
der Individualisierung der Mediennutzung besser abzubilden, gewährleistet
prinzipiell eine hohe Segmentationsleistung im Blick auf mediale
Kommunika-tionsbedürfnisse und Medienpräferenzen. Sie
ist für den Bereich der elektronischen Medien optimiert, erbringt
aber auch Erklärungsleistungen im Printsektor und für
den Raum öffentlicher Veranstaltungen. Grundlegend ist hier,
dass diese Typologie auf die alltäglichen Lebensbedingungen
der einzelnen Gruppen rekurriert, weil sich dort die sozialkommunikativen
und mediale Bedürfnisse äußern und zu spezifischem
Verhalten führen.
Kirchliche Kommunikation könnte sich
wie andere Institutionen, die in der Öffentlichkeit kommunikative
Ziele erreichen wollen, dieses Zielgruppenmodells vor allem hinsichtlich
der Erreichbarkeit der Bevölkerung über bestimmte Medien,
Programme und Sendungen bedienen und würde damit gewiss gute
Erfahrungen machen. Andererseits wäre zu überlegen, ob
es nicht möglich ist, diesen Zielgruppenansatz im Blick auf
die spezifischen kirchlichen Fragestellungen weiterzuentwickeln
oder gar ein neues Modell zu konstruieren, dass eine noch größere
Leistung erbringen könnte.
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Text: Prof. Franz Walter
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Prof. Franz Walter,
Jahrgang 1956, ist Professor für Politikwissenschaft an
der Universität Göttingen.
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Die Crux von Zielgruppenstrategien
Die Katholische Kirche hat in all den Jahrhunderten
eigentlich immer mit verschiedenen Kulturen, Mentalitäten,
Lebenswelten, kurz: mit: Heterogenitäten umgehen müssen.
Und dabei reüssierte sie in manchen Schichten und Lebenslagen,
in anderen aber nicht oder jedenfalls kaum. Ganz so neu also ist
das Problem nicht, wie man angesichts der bemerkenswerten Resonanz
in der Kirche auf die Lebensstil-Studie meinen könnte.
Selbst innerhalb der Glaubenswelt der katholischen
Kirche und auch in einem Land waren die Kultvorstellungen ja sehr
unterschiedlich, oft einander geradezu fremd. Man hat das in der
Nachkriegszeit präzise beobachten können, als katholische
Flüchtlinge aus dem Osten des untergegangenen Deutschen Reichs
ersichtlich mit den Messgewohnheiten in, sagen wir, Westfalen oder
dem Emsland fremdelten. Überhaupt zeichnete sich der Katholizismus
dadurch aus, dass er – in der Regel weit stärker als
der Protestantismus – oft erheblich auseinanderliegende Soziallagen
verknüpfen musste: von den Bauern im Paderborner Land über
Bergarbeiter an der Ruhr und Krämer im Badischen bis hin zu
Baronen aus Schlesien. Das angeblich homogene katholische Milieu
war immer schon eine keineswegs überall gleichermaßen
gelungene Bündelung von Milieus.
Insofern und noch einmal: Die Existenz schwer
integrierbarer Lebensstile und Habitusformen ist nicht erst im Postindustrialismus
zu beobachten. Aber zweifelsohne richtig ist, dass alle Weltanschauungsorganisationen,
die einen sozial und kulturell weitgestreckten Rekrutierungsanspruch
besitzen, seit mindestens einem Vierteljahrhundert kriseln, an Anhängern
ver-lieren, auf Traditionskerne erodieren. Für die Volksparteien
gilt das ja bekanntlich ebenfalls. Und die – besonders die
Sozialdemokraten – haben deutlich früher die Zielgruppenexpertise
für sich strategisch nutzbar zu machen versucht, um disparate
Wählergruppen je unterschiedlich anzusprechen. Das schien analytisch
plausibel, da man gerade in den neueren Schichten zunehmend geringere
Resonanz fand und so die Gefahr drohte, auf die schrumpfende Restmilieus
gewissermaßen sitzen zu bleiben.
Doch fielen die Ergebnisse der Zielgruppenwahlkämpfe
außerordentlich ernüchternd aus. Die Sozialdemokraten,
als Pioniere dieser Politik in den 1980er Jahren, schaffen nicht
in dem erwünschten Maße den Anschluss an die neuen wissensgesellschaftlichen
und marktdynamischen Gruppen, verloren zugleich aber mehr und mehr
ihre klassische, durch den Modernismus und die Diffusion verstörten
Kernwähler. Und insgesamt ist das Ansehen der Volksparteien
durch den Zielgruppenpluralismus nicht gestiegen. Das Profil schwächte
sich weiter ab. Die Politik wirkte durch die Vielfalt an Botschaften,
Metaphern und Codes konturenlos, inkonsistent, ja widersprüchlich,
opportunistisch, ohne elementare Substanz. Der Politikverdruss wuchs;
die erhoffte zusätzliche Akklamation fiel gänzlich aus.
Der Katholizismus hatte in den letzten Jahren
nicht zufällig seine besten Momente, wenn er in der Profilschwäche
der Politik zu Grundfragen der Gesellschaft überzeugend und
prononciert Stellung bezog (Irakkrieg, Humangenetik). Ein erkennbarer,
glaubwürdig gelebter Ethos – natürlich: unverknöchert
und nicht hinter den Mauern einer vitallosen Orthodoxie rein binnenfixiert
praktiziert – hätte in den nächsten Jahren in der
des Anything-Goes-Denkens erkennbar überdrüssigen bundesdeutschen
Gesellschaft gar nicht so schlechte Chancen. Übrigens: Auch
das kann man aus der Sinusstudie lernen
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Text: Christof Vetter
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Christof Vetter,
Jahrgang 1960, ist Oberkirchenrat und Presse-sprecher der Evangelischen
Kirche Deutschlands.
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Wie sieht aus Ihrer professionellen
Sicht zielgruppengerechte Kommunikation aus?
Von allem Anfang der christlichen Kirchen
an war es selbstverständlich, dass Christen öffentlich
über ihren Glauben und über das, was in ihren Gemeinschaften
geschieht, öffentlich Rechenschaft ablegen. Wer die langen
Missionswege des Apostel Paulus und die Berichte über Gespräche
in der Apostelgeschichte auch mit Menschen, denen das Christentum
fremd war, nachliest, kann darunter nichts anderes verstehen werden,
als das, was Öffentlichkeitsarbeit erreichen möchte: Information,
emotionale Einstimmung und die Bindung interessierter Menschen.
Damals zu Beginn der Kirche, wie auch mit Entstehung der protestantischen
Kirche nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 haben die Christen
dafür immer die je zu ihrer Zeit modernsten Medien genutzt.
Missionsreisen am Anfang, der aufkommende Buchdruck im 16. Jahrhundert
und die modernen, elektronischen Medien im 20. Jahrhundert –
technische Möglichkeiten einer jeweils modernen Öffentlichkeitsarbeit
der Kirchen.
Für eine nach modernen Grundsätzen
arbeitende Öffentlichkeits- und Pressearbeit scheint diese
Zielgruppenbestimmung ungenügend, will doch jeder, der sich
in diesem Feld engagiert, die Menschen in ihrem je eigenen Umfeld,
in ihrer je eigenen Wirklichkeit, in ihrer je eigenen Mentalität
erreichen. Seit Anfang der 70er Jahre erforscht die Evangelische
Kirche in Deutschland deshalb im Zehn-Jahres-Rhythmus die Einstellungen
und Lebensgewohnheit ihrer Mitglieder: Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen
geben für die kirchliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Erkenntnisse über die bekannten und offen zugänglichen
gesellschaftlichen Erkenntnisse der Milieus in der bundesdeutschen
Gesellschaft hinaus. In den seither vier Untersuchungen lässt
sich das Abwandern am Rand ebenso wahrnehmen wie die grundsätzliche
Stabilität der Kirchenmitgliedschaft. Beides ist in unterschiedlichen
Milieus unterschiedlich stark ausgeprägt, was niemand überraschen
kann und wird, der mit offenen Augen die Gesellschaft beobachtet.
So sieht sich kirchliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
einer dreifachen Zielbestimmung unterworfen: Angesprochen werden
die Mitglieder der Kirche. Dabei ist gerade an die zu denken, die
häufig gern und selbstverständlich Mitglied der Kirche
sind, aber am kirchlichen Leben in den fast 20.000 Kirchengemeinden
nicht teilnehmen. Angesprochen werden die Interessierten, die unter
Umständen nicht mehr Mitglieder sind. Gerade die deutsche Geschichte
bringt es mit sich, dass in unterschiedlichen Regionen durch staatlichen
Druck oder durch zivilgesellschaftliche Entwicklungen Menschen die
Kirche verlassen haben. Die vermutlich über 3 Millionen evangelisch
getaufte Menschen, die in den 80er und 90er Jahren aus der Kirche
ausgetreten sind, sind ebenso gezielt und deutlich zu informieren
und anzusprechen, wie diejenigen, die in den Zeiten der DDR im Osten
nicht einmal mehr getauft wurden. Angesprochen werden als Drittes
die Multiplikatoren, die in ihren beruflichen Funktionen Einstellungen
und Grundhaltungen prägen. Sie werden auch weiterhin ihre Einstellung
zur Kirche und zum Glauben an Dritte weitergeben, aber nur wer qualifiziert
informiert ist, kann vorhandene Vorurteile revidieren.
Dass diese – eher funktional beschriebenen
– Zielgruppen quer zu allen üblichen und gewohnten soziologischen
Zielgruppenbestimmung liegen, erklärt den Reiz und die Faszination
kirchlicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und fordert heraus,
was der Apostel Paulus zu seiner Zeit so beschrieben hat: „Den
Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne.
Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz
geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -,
damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne
Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich
doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi
-, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin
ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich
bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette“
– und eben den Menschen der modernen Mediengesellschaft ein
Mensch mit einer modernen Botschaft.
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TITELSTORY
Prof. Dr. Rainer Bucher
ist seit 2000 Professor für Pastoraltheologie
an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität
Graz und derzeit dort Dekan. Er promovierte 1986 bei Elmar Klinger
(Würzburg) mit einer Arbeit über das Spätwerk Nietzsches
und 1996 bei Ottmar Fuchs über Prozesse der Kirchenbildung
in der deutschen katholischen Kirche der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts. Von 1986 biis 1990 war er Akademischer Rat im
Fach Kirchengeschichte an der Universität Bamberg, von 1991
bis 1999 Referent bei der Bischöflichen Studienförderung
Cusanuswerk. www.rainer-bucher.de.
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INTERVIEW
Walter Erlenbach
studierte nach dem Abitur Geographie, Mathematik
sowie Wasserwirtschaft und Ethnologie in Bonn. Studienschwerpunkte
lagen im Bereich der statistischen Verfahren und ihrer Anwendungen
auf räumliche, geographische Fragestellungen. Seit Anfang 1993
Mitarbeiter der neu gegründeten microm Micromarketing-Systeme
und Consult GmbH. In der Aufbauzeit der Firma als Projektleiter
für inhaltliche Analysen und Projektorganisation verantwortlich,
ab 1997 Mitglied der Geschäftsleitung und ab 01.01.2003 einer
von zwei Geschäftsführern der microm. Zuständig heute
für den Bereich räumlicher und inhaltlicher Datenerstellung,
Methodik und projekt- und kundenbezogener Anwendung. Ab 1998 Mitinitiator
der in Deutschland erstmaligen Übertragung von Marktforschungsergebnissen
(Sinus Milieus®) in die Fläche mittels microgeographischer
Daten und multivariater Methoden. Ergebnis sind die MOSAIC Milieus®.
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STATEMENT
Dr. theol. Manfred Becker-Huberti
hat Katholische Theologie, Kommunikationswissenschaften
und Publizistik studiert und war Stipendiat des Instituts zur Förderung
publizistischen Nachwuchses der Deutschen Bischofskonferenz. Von
fast drei Jahrzehnten im Dienst des Erzbistums Köln war er
sechzehn Jahre lang Pressesprecher des Erzbistums und hat das Erzbischöfliche
Presseamt geleitet. Am Priesterseminar und Diakoneninstitut hat
er Medienwissenschaften doziert. zum Text » |
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STATEMENT
Dr. Christof M. Beckmann
Jahrgang 1960, leitet seit 1995 die Redaktion
„KIP-NRW / Katholische Kirche im Privatfunk Nordrhein-Westfalen“
in Oberhausen. Die gemeinsame Redaktion der (Erz-)Bistümer
Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn liefert die
Kirchenbeiträge für radio NRW, das Mantelprogramm der
46 NRW-Lokalradios. zum Text » |
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STATEMENT
Antje Hundhausen
Dipl. Betriebswirtin, ist seit 2000 Leiterin
Marketingkommunikation im Headquarter der Deutschen Telekom AG verantwortlich
für die Marketingstrategie, Konzernwerbung, Mediaplanung und-
einkauf, Sponsoring, Messen und Marktforschung. In Bonn geboren,
lebte sie fünf Jahre in Barcelona, Studium der Musikwissenschaften,
Ausbildung zur Hotelfachfrau, BWL Studium, berufliche Stationen
im Hotelmanagement in Stuttgart, Boston/USA, Leiterin Touristikmesse/Messe
Essen, Kommunikationsleiterin bei Mannesmann o.tel.o in Düsseldorf,
Senior Beraterin bei der amerikanischen Agentur George P. Johnson
Boston/Stuttgart zum Text » |
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STATEMENT
Pater Dr. Benno Kuppler
ist Diplom-Kaufmann, Diplom-Theologe und
promovierte in Sozialwissenschaften. Als Generalist berät er
in Lebens- als auch Wirtschaftsfragen und vermittelt in Vorträgen
sowie Seminaren seine Erfahrungen aus Seelsorge, Betriebswirtschaft
und Theologie. www.we-wi-we.de.
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STATEMENT
Dr. Ekkehardt Oehmichen
ist seit 1992 Leiter der Medienforschung
in der Intendanz des Hessischen Rundfunks. Studium der Sozialwissenschaften
in Tübingen, Marburg und Frankfurt/Main (Dipl.-Soz., Dr. phil),
zunächst in der Regional- und Verwaltungsplanung, in der Erwachsenenbildung
sowie als freier Rundfunkautor tätig, seit 1984 in der Medienforschung,
seit 1989 beim Hessischen Rundfunk. Zahlreiche
Veröffentlichungen zur Radio-, Fernseh- und Internetrezeption,
Schwerpunkte: Kulturradio, Akustische Aufmerksamkeit, Lebensstilforschung,
Programmqualität und Onlineforschung. zum Text » |
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STATEMENT
Prof. Franz Walter
Jahrgang 1956, ist Professor für Politikwissenschaft
an der Universität Göttingen. zum Text » |
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STATEMENT
Christof Vetter
Jahrgang 1960, ist Oberkirchenrat und Pressesprecher
der Evangelischen Kirche Deutschlands. Der eingefleischte Schwabe
studierte Theologie in Tübingen und Hamburg, seine journalistische
Ausbildung und das Vikariat absolvierte er in Schwenningen. Danach
war er anderthalb Jahre Pfarrer in Trossingen, bevor er 1991 Pressesprecher
der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wurde. zum Text » |
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Wer
steckt hinter sinnstiftermag?
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss
von Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von
einer gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien.
Medien transportieren sinnhafte
Inhalte und sind in dieser medialen Funktion vor allem selbst sinnhaft.
Sie können gar nicht anders. Damit sind sie religionsproduktiv.
In Partnerschaft mit Akteuren aus Kommunikation und Kirche sucht
sinnstiftermag nach den Analogien religiöser und medialer Kommunikation.
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Marketing, Kommunikation, Fundraising
Dieter Rehmann
Jahrgang 1957, hat nach dem Publizistikstudium
und einer Ausbildung als Konzeptioner und Texter 15 Jahre als Kreativdirektor
in einer großen Werbeagentur gearbeitet. 2005 gründete
er zusammen mit Sascha Szymanski die Kommunikationagentur Rehmann
& Szymanski. Dieter Rehmann ist Dozent für Marketing, CI,
PR und Fundraising in Essen.
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Design, Kommunikation
Sascha Szymanski
wurde 1971 in Essen geboren. Während
seines Kommunikationsdesign-Studiums startete er seine Karriere
als freier Art Director für verschiedene Agenturen. Schließlich
erfolgte 2005 die Gründung seiner eigenen Werbeagentur Rehmann
& Szymanski zusammen mit Dieter Rehmann.
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Mediengestaltung, Webdesign Daniel
Bürger Jahrgang
1980, studiert Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf.
Daniel Bürger hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Mediengestalter
als NRW-Jahrgangsbester abgeschlossen und arbeitet neben dem Studium
in der Agentur Rehmann & Szymanski.
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Werbung, PR
Michael Jochim
Jahrgang 1954, Mitbegründer und geschäftsführender
Gesellschafter der 1985 in Essen gegründeten BJS Werbeagentur
hat zahlreiche Kontakte und Verbindungen zu Organisationen, Verbänden
und Einrichtungen im Nonprofit-Bereich. Michael Jochim arbeitet
ehrenamtlich in kirchlichen Einrichtungen mit.
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Theologie, Soziologie
Matthias Sellmann
Jahrgang 1966, promovierter Theologe und
Soziologe. Seine Profession ist die Analyse und Bewertung gesellschaftlicher
Sinn- und Weltanschauungstrends. Wenn Schalke 04 eine Kapelle ins
Stadion baut, Fußballspieler Jesus-T-Shirts tragen, Bundespräsidenten
Weihnachtsansprachen halten oder Scientologen Gerichtsverfahren
anstrengen, ist Matthias Sellmann mit Interesse dabei. Intensive
Beratungs-, Vortrags- und Autorentätigkeit.
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Fotografie
Martin Steffen
Jahrgang 1968, ist Menschenfotograf und
arbeitet sowohl für Profit- als auch Nonprofit-Unternehmen.
Nach einer Ausbildung beim Lette-Verein in Berlin war er Assistent
von Jim Rakete in Berlin. Anschließend assistierte er bei
dem Fotografen Jean-Pierre Godot in Paris. Martin Steffen lebt in
Bochum.
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Impressum
Sinnstiftermag ist ein Zusammenschluss
von Zeitanalytikern, Werbern, Designern und Fotografen, die von
einer gemeinsamen Beobachtung ausgehen: dem enormen Sinnstiftungspotential
der alten und neuen Medien. |
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Anschrift der Redaktion
sinnstiftermag-Redaktion
Rehmann & Szymanski
Agentur für Kommunikation GmbH
Walter-Sachsse-Weg 17
45133 Essen
T +49 (0)201.43 77-290
F +49 (0)201.43 77-299
Internet: www.sinnstiftermag.de
E-Mail:
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Programmierung, Web-Administration
dpb-media.de
Daniel Bürger
Bövinghauser Str. 73
44388 Dortmund
T +49 (0)177-38 610 45
E-Mail:
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