| „Was kann religiöse Kleidung
leisten?“
Kleidung generell hat drei Aufgaben. Sie
schützt den Menschen vor der Witterung und unerwünschten
Blicken, zudem dient sie ihm als Kommunikationsmittel. So gibt es
zum Beispiel in der Schwarzwälder Tracht den so genannten Schäppel.
Diese üppig gestaltete bis zu 3,5 Kilo schwere Brautkrone signalisierte
den jungen Herren im Schwarzwald: Ich bin konfirmiert, somit im
heiratsfähigen Alter und außerdem noch nicht vergeben.
Doch nicht nur als Einzelner wie das geschlechtsreife
Mädchen im “Balzritual" sondern auch als Gruppe
kommuniziert der Mensch durch zeichenhafte, in diesem Fall meist
einheitliche Kleidung. So unterschiedlich diese Gruppierungen auch
sind – das Phänomen der gemeinsamen Kleidung findet man
in religiös motivierten Gruppierungen ebenso wie in sportlich
motivierten oder auch aus sexuellen Beweggründen gebildeten
Gruppierungen.
In einem gleichen sich alle: Durch ihre gemeinsame
Kleidung vertreten sie nach außen eine gemeinsame Haltung
und treten als Einheit auf, intern bietet die gemeinsame Kleidung
einen Raum zu Ausleben gemeinsamer Rituale und weist den einzelnen
Mitgliedern ihren jeweiligen Platz innerhalb der Gruppe zu.
Ein gutes Beispiel dafür sind
die Trachten der christlichen Religion. Es handelt sich bei ihr
um eine exoterische, also eine nach außen gewandte Religion,
sprich: die Gläubigen suchen nicht wie die Esoteriker etwas
Göttliches in sich selbst, sondern verehren einen Gott als
externe Instanz. Dementsprechend sind rituelle Handlungen und damit
auch die religiöse Kleidung von hoher Bedeutung.

Das Erscheinungsbild durch einheitliche religiöse
Kleidung ist ein gezielt eingesetztes gestalterisches Konzept. Eine
Gruppe Ministranten beispielsweise wird von jedem Außenstehendem
als solche identifiziert, doch die vielfältigen Bedeutungen
von Schnitten, Farben und gewählten Accessoires sagen nur Eingeweihten
etwas. So sind Franziskaner vom Heiligen Kreuz in Wied bei Frankfurt
(siehe Foto) auch für Außenstehende eindeutig als Mönche
identifizierbar.
Die Schlichtheit und Schmucklosigkeit der
braunen Kutte lassen auf einen Orden schließen, der besonderen
Wert auf das Armutsgelübde legt. Das dreimal geknotete Seil
weckt Assoziationen an die Dreieinigkeit, aber auch an das Mönchsgelübde.
In seinen drei Grundzügen Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit
wird es von allen Orden verlangt. In seiner Schlichtheit, verknüpft
mit so vielen Deutungen ist das dreimal geknotete Seil der Franziskaner
eine ganz hervorragende Infografik.
Auch wenn bei vielen die Kenntnis der
katholischen Lehren und Gebräuche begrenzt ist, kann man dank
normaler Allgemeinbildung viel daraus lesen. Durch derart gestaltete
Accessoires bezieht die Ordenstracht Außenstehende in ihre
Kommunikation und vielleicht in ein Gespräch mit ein.
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