Startseite Ausgabe 02 | laut/leise – Die verunsicherte Kommunikation der Frohen Botschaft
   
 
Text: Sabine Otto
 
Sabine Otto, Jahrgang 1974, hat Kommunikationsdesign studiert, Studienschwerpunkt Fotografie. Das Thema ihrer 2006 eingereichten Diplomarbeit: "Unisono – über die Freude, Teil eines Ganzen zu sein".  
   
 

„Was kann religiöse Kleidung leisten?“

Kleidung generell hat drei Aufgaben. Sie schützt den Menschen vor der Witterung und unerwünschten Blicken, zudem dient sie ihm als Kommunikationsmittel. So gibt es zum Beispiel in der Schwarzwälder Tracht den so genannten Schäppel. Diese üppig gestaltete bis zu 3,5 Kilo schwere Brautkrone signalisierte den jungen Herren im Schwarzwald: Ich bin konfirmiert, somit im heiratsfähigen Alter und außerdem noch nicht vergeben.

Doch nicht nur als Einzelner wie das geschlechtsreife Mädchen im “Balzritual" sondern auch als Gruppe kommuniziert der Mensch durch zeichenhafte, in diesem Fall meist einheitliche Kleidung. So unterschiedlich diese Gruppierungen auch sind – das Phänomen der gemeinsamen Kleidung findet man in religiös motivierten Gruppierungen ebenso wie in sportlich motivierten oder auch aus sexuellen Beweggründen gebildeten Gruppierungen.

In einem gleichen sich alle: Durch ihre gemeinsame Kleidung vertreten sie nach außen eine gemeinsame Haltung und treten als Einheit auf, intern bietet die gemeinsame Kleidung einen Raum zu Ausleben gemeinsamer Rituale und weist den einzelnen Mitgliedern ihren jeweiligen Platz innerhalb der Gruppe zu.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Trachten der christlichen Religion. Es handelt sich bei ihr um eine exoterische, also eine nach außen gewandte Religion, sprich: die Gläubigen suchen nicht wie die Esoteriker etwas Göttliches in sich selbst, sondern verehren einen Gott als externe Instanz. Dementsprechend sind rituelle Handlungen und damit auch die religiöse Kleidung von hoher Bedeutung.

Das Erscheinungsbild durch einheitliche religiöse Kleidung ist ein gezielt eingesetztes gestalterisches Konzept. Eine Gruppe Ministranten beispielsweise wird von jedem Außenstehendem als solche identifiziert, doch die vielfältigen Bedeutungen von Schnitten, Farben und gewählten Accessoires sagen nur Eingeweihten etwas. So sind Franziskaner vom Heiligen Kreuz in Wied bei Frankfurt (siehe Foto) auch für Außenstehende eindeutig als Mönche identifizierbar.

Die Schlichtheit und Schmucklosigkeit der braunen Kutte lassen auf einen Orden schließen, der besonderen Wert auf das Armutsgelübde legt. Das dreimal geknotete Seil weckt Assoziationen an die Dreieinigkeit, aber auch an das Mönchsgelübde. In seinen drei Grundzügen Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit wird es von allen Orden verlangt. In seiner Schlichtheit, verknüpft mit so vielen Deutungen ist das dreimal geknotete Seil der Franziskaner eine ganz hervorragende Infografik.

Auch wenn bei vielen die Kenntnis der katholischen Lehren und Gebräuche begrenzt ist, kann man dank normaler Allgemeinbildung viel daraus lesen. Durch derart gestaltete Accessoires bezieht die Ordenstracht Außenstehende in ihre Kommunikation und vielleicht in ein Gespräch mit ein.