Startseite Ausgabe 02 | laut/leise – Die verunsicherte Kommunikation der Frohen Botschaft
   
 
Text: Michael Besel
 
Michael Besel, geboren 1969, studierte in Bern und Zürich
Kommunikationswissenschaften, Politikwissenschaften und Geschichte. Heute ist er Projektleiter im Bereich E-Business bei den Basler Versicherungen.
 
   

 

 

 

„Wie beurteilen Sie die Websites www.ekd.de und www.katholisch.de?“

Kirche im Internet ist omnipräsent. 26 Millionen Internetseiten fördert Google unter dem Stichwort "Kirche" zutage. Unzählige Kirchen und religiöse Gemeinschaften betreiben Websites, um ihre Klienten anzusprechen, mit ihnen zu kommunizieren. An prominenter Stelle tun dies die evangelische und die katholische Kirche Deutschlands ebenso mit Webportalen.

Sowohl www.ekd.de als auch www.katholisch.de betreiben umfassende Websites, die dem thematischen Pluralismus und der organisatorischen Vielfalt ihrer Glaubensgemeinschaften Rechnung tragen. Von ihrer Anlage her stellen die beiden Webportale offene kirchliche Netzwerke dar, die für ihre Kundschaft eine bedeutende Koordinationsfunktion wahrnehmen. Sie sind Startpunkte für Surfer auf der Suche nach kirchlichen und religiösen Themen.

Beide Webportale präsentieren sich den Nutzern im Stil eines Nachrichtenportals: Klassisches dreispaltiges Layout mit Navigation, Inhalt und Serviceleiste. Aktualitäten nehmen auf der Einstiegsseite viel Raum ein. Und der aus aktuellem Anlass im Juni 2006 allgegenwärtige Fussball fehlt auf beiden Portalen nicht.

www.ekd.de überzeugt durch eine schlichte, angenehme Gestaltung. Die Inhalte werden über eine klar strukturierte Navigation zugänglich gemacht. Besonders erwähnenswert sind die Bemühungen, eine barrierefreie Website zu publizieren.

www.katholisch.de macht einen überladenen, man ist geneigt zu sagen chaotischen Eindruck. Die unzähligen visuellen Elemente auf der Startseite überfordern die Nutzer. Die eigentliche Navigation geht dabei fast unter. Ob dies nachteilig ist, sei angesichts der unklar strukturierten, in ihrem Aufbau immer wieder ändernden Navigationsleiste dahingestellt.

Beiden Portalen gemeinsam ist ihre stark ausgeprägte Informationsorientierung. Sie richten sich an ein kirchlich engagiertes Publikum oder zumindest an Nutzer mit klaren Recherchezielen. Die Inhalte sind stark auf institutionslastige Wissensvermittlung fokussiert und damit anbieterorientiert. Die beiden Websites erfüllen demzufolge den Informationsauftrag ihrer jeweiligen Trägerschaft. www.ekd.de bedient sich dabei teilweise aktueller Techniken und Formen wie Podcasts oder RSS-Feeds.

Auf der Strecke bleibt der nutzerorientierte Zugang zu religiösen Fragen. Die Inhalte und deren Zugänglichkeit sind kaum zielgruppenspezifisch aufbereitet. Interaktions- und Dialogmöglichkeiten beschränken sich auf Foren und einige Chat-Angebote.

Im Medium Internet wären mehr Dialogmöglichkeiten denkbar. Die Zeiten des Informationskonsums liegen hinter uns. Contribution, Mitgestaltung, steht heute im Zentrum neuer Webangebote. Wann beginnen kirchliche Würdenträger zu bloggen und laden damit die Nutzer zu einem ständigen Diskurs ein? Lassen sich Predigten über Internet nicht nur als monologischen, sondern als offenen dialogischen Prozess gestalten? Mitgestaltet von Internetnutzern? Wird es virtuelle Gebetsräume geben? Oder Internet-Seelsorge per SMS. Undenkbar?

Hier würden sich unzählige Möglichkeiten, neue Formen religiöser Kommunikation einzusetzen, geradezu anbieten. Hat man doch mit dem niederschwelligen Kommunikationsmedium Internet ein Instrument zur Hand, um im Cyberspace soziale Prozesse und virtuelle Gemeinschaften entstehen zu lassen, die durchaus und hoffentlich sinnstiftend für reale wirken können.