| „Wie beurteilen Sie die Websites
www.ekd.de und www.katholisch.de?“
Kirche im Internet ist omnipräsent.
26 Millionen Internetseiten fördert Google unter dem Stichwort
"Kirche" zutage. Unzählige Kirchen und religiöse
Gemeinschaften betreiben Websites, um ihre Klienten anzusprechen,
mit ihnen zu kommunizieren. An prominenter Stelle tun dies die evangelische
und die katholische Kirche Deutschlands ebenso mit Webportalen.
Sowohl www.ekd.de
als auch www.katholisch.de
betreiben umfassende Websites, die dem thematischen Pluralismus
und der organisatorischen Vielfalt ihrer Glaubensgemeinschaften
Rechnung tragen. Von ihrer Anlage her stellen die beiden Webportale
offene kirchliche Netzwerke dar, die für ihre Kundschaft eine
bedeutende Koordinationsfunktion wahrnehmen. Sie sind Startpunkte
für Surfer auf der Suche nach kirchlichen und religiösen
Themen.
Beide Webportale präsentieren sich den
Nutzern im Stil eines Nachrichtenportals: Klassisches dreispaltiges
Layout mit Navigation, Inhalt und Serviceleiste. Aktualitäten
nehmen auf der Einstiegsseite viel Raum ein. Und der aus aktuellem
Anlass im Juni 2006 allgegenwärtige Fussball fehlt auf beiden
Portalen nicht.
www.ekd.de überzeugt durch eine schlichte,
angenehme Gestaltung. Die Inhalte werden über eine klar strukturierte
Navigation zugänglich gemacht. Besonders erwähnenswert
sind die Bemühungen, eine barrierefreie Website zu publizieren.
www.katholisch.de macht einen überladenen,
man ist geneigt zu sagen chaotischen Eindruck. Die unzähligen
visuellen Elemente auf der Startseite überfordern die Nutzer.
Die eigentliche Navigation geht dabei fast unter. Ob dies nachteilig
ist, sei angesichts der unklar strukturierten, in ihrem Aufbau immer
wieder ändernden Navigationsleiste dahingestellt.
Beiden Portalen gemeinsam ist ihre stark
ausgeprägte Informationsorientierung. Sie richten sich an ein
kirchlich engagiertes Publikum oder zumindest an Nutzer mit klaren
Recherchezielen. Die Inhalte sind stark auf institutionslastige
Wissensvermittlung fokussiert und damit anbieterorientiert. Die
beiden Websites erfüllen demzufolge den Informationsauftrag
ihrer jeweiligen Trägerschaft. www.ekd.de bedient sich dabei
teilweise aktueller Techniken und Formen wie Podcasts oder RSS-Feeds.
Auf der Strecke bleibt der nutzerorientierte
Zugang zu religiösen Fragen. Die Inhalte und deren Zugänglichkeit
sind kaum zielgruppenspezifisch aufbereitet. Interaktions- und Dialogmöglichkeiten
beschränken sich auf Foren und einige Chat-Angebote.
Im Medium Internet wären mehr Dialogmöglichkeiten
denkbar. Die Zeiten des Informationskonsums liegen hinter uns. Contribution,
Mitgestaltung, steht heute im Zentrum neuer Webangebote. Wann beginnen
kirchliche Würdenträger zu bloggen und laden damit die
Nutzer zu einem ständigen Diskurs ein? Lassen sich Predigten
über Internet nicht nur als monologischen, sondern als offenen
dialogischen Prozess gestalten? Mitgestaltet von Internetnutzern?
Wird es virtuelle Gebetsräume geben? Oder Internet-Seelsorge
per SMS. Undenkbar?
Hier würden sich unzählige Möglichkeiten,
neue Formen religiöser Kommunikation einzusetzen, geradezu
anbieten. Hat man doch mit dem niederschwelligen Kommunikationsmedium
Internet ein Instrument zur Hand, um im Cyberspace soziale Prozesse
und virtuelle Gemeinschaften entstehen zu lassen, die durchaus und
hoffentlich sinnstiftend für reale wirken können.
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