Startseite Ausgabe 01 | sichtbar/unsichtbar – Das öffentliche Sterben von Papst Johannes Paul II.
   
 
Text: André Boße
 
André Boße ist Chefredakteur des Interview-Magazins Galore.  
   

 

 

 

„Was ist für Sie aus Ihrer professionellen Perspektive das, was Ihnen von der medialen Berichterstattung über Sterben und Begräbnis von Papst Johannes Paul II. am bemerkens- und erwähnenswertesten erscheint?“

Bis auf wenige Ausnahmen wurde von Seiten der Medien eine kritische Auseinandersetzung mit der Person Johannes Paul II. im Zuge der Berichterstattung über das Begräbnis völlig vergessen.

Nennt man Menschen mit unter "altersmilde", zeigten sich die Medien äußerst "begräbnismilde" – die Charakterisierung konzen- trierte sich fast ausschließlich auf die positiven Aspekte seines Wirkens – Engagement für Jugend und Länder der dritten Welt, seine Reiselust.

Ergo: Durch das Begräbnis hat sich das Medienbild des Papstes komplett gewandelt: aus einem Fortschrittskritiker in vielen Punkten wurde der Papst der Jugend und der Menschen - eine Entwicklung, die - später bei der Papstwahl im Anschluss - auch Kardinal Ratzinger erfuhr.